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Trump attackiert Demokratin - Menge skandiert "Schickt sie zurück!"

Seit Tagen arbeitet sich Donald Trump an vier Demokratinnen ab. Bei Teilen seiner Anhänger kommt das offenbar an: Während einer Wahlkampfveranstaltung grölte das Publikum eindeutige Parolen.

Jonathan Drake/ REUTERS

Donald Trump bei Rede in Greenville, North Carolina

Donnerstag, 18.07.2019   09:34 Uhr

Sogar aus der eigenen Partei kommt Kritik am Kurs des US-Präsidenten, das Repräsentantenhaus hat ihn zurechtgewiesen - doch Donald Trump attackiert unbeirrt weiter eine Gruppe junger demokratischer Abgeordneter. Sein Argument: "Vielen Leuten gefällt, was ich sage." Eine Wahlkampfveranstaltung nutzte er am Mittwochabend für neue Beleidigungen.

Wieder waren sein Ziel die Demokratin Ilhan Omar und drei ihrer Parteikolleginnen. Seine Anhänger stachelte er damit zu Hasstiraden an. Die Menge quittierte Trumps Worte bei der Rede in Greenville im Bundesstaat North Carolina mit Jubel und Beifall.

Trump erklärte, die vier Frauen würden beim Aufstieg einer militanten Linken helfen und die USA nicht lieben. Sie hätten nie etwas Gutes zu sagen, deswegen könnten sie gehen. Der Präsident nahm sich in der Rede jede der Frauen einzeln vor und attackierte dabei ganz besonders Omar, die als Kind mit ihrer Familie aus Somalia in die USA geflüchtet war. Der Präsident warf der 37-jährigen Muslimin vor, sich mehrfach antisemitisch geäußert zu haben. Das Publikum skandierte daraufhin: "Schickt sie zurück!"

Die aktuellen Sprechchöre wecken ungute Erinnerungen. Während seiner Präsidentschaftskandidatur für die Wahl 2016 hatte die Parole "Sperrt sie ein" zum Standardrepertoire auf Trumps Massenveranstaltungen gehört. Gemeint war damals seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton, der kriminelle Machenschaften angedichtet wurden.

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Im aktuellen Fall hatte Trump die vier Frauen in den vergangenen Tagen mehrfach aufgefordert, in ihre vermeintlichen Heimatländer zurückzugehen, wenn es ihnen in den USA nicht gefalle. Neben Omar ging es um drei weitere aufstrebende Demokratinnen: Alexandria Ocasio-Cortez, Rashida Tlaib und Ayanna Pressley. Diese drei wurden bereits in den USA geboren, Omar wurde nach ihrer Flucht aus Somalia eingebürgert. Alle vier sind also US-Staatsbürgerinnen . Die Demokraten warfen Trump aufgrund seiner Aussagen Rassismus vor.

Video: Trumps Angriffe auf Kongressfrauen - "Diese Leute hassen unser Land"

Foto: J. Scott Applewhite/ AP

Die Szene von Trumps Wahlkampfveranstaltung am Mittwochabend löste bei vielen Beobachtern Entsetzen aus. Das American Jewish Committee schrieb auf Twitter: "Dieser entsetzliche Sprechchor macht Amerika nicht großartig. Er erinnert uns vielmehr auf unheimliche Weise an eine dunkle Zeit in der Geschichte unserer Nation." Die demokratische Senatorin und Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris erklärte, der Vorfall sei bösartig, feige, fremdenfeindlich, rassistisch und ziehe das Präsidentenamt in den Schmutz.

Omar selbst wählte als Replik auf Twitter eine klare Botschaft: "Ich bin da, wo ich hingehöre, im Haus des Volkes, und ihr werdet damit einfach klarkommen müssen" - wobei das englische "you" offen lässt, ob sie ihre Worte an die Menschenmenge in Greenville, den Präsidenten oder an alle Amerikaner richtet.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, dass alle vier Demokratinnen, die Trump attackiert hatte, Migrationshintergrund haben. Allerdings stimmt das nur bei drei der Frauen, und hier nur teilweise: Omar wurde in Somalia geboren und später in den USA eingebürgert, Tlaib ist die Tochter palästinensischer Einwanderer und Ocasio-Cortez ist puerto-ricanischer Abstammung - wobei Puerto Rico sogar ein Außengebiet der USA ist. Alle vier haben die US-Staatsbürgerschaft.

jok/dpa

insgesamt 58 Beiträge
Aqualungs Breath 18.07.2019
1. Sollte es jemals einen Zweifel gegeben haben,
Jetzt ist die hässliche Fratze offen zu sehen und es ist klar, welches great gemeint ist.Amerika soll wieder weiß werden. Kritik am Präsident ist Kritik am Land. Gegner werden des Landes verwissen. Wie viele Zeichen dafür [...]
Jetzt ist die hässliche Fratze offen zu sehen und es ist klar, welches great gemeint ist.Amerika soll wieder weiß werden. Kritik am Präsident ist Kritik am Land. Gegner werden des Landes verwissen. Wie viele Zeichen dafür braucht es noch um Trump zu nennen, was er ist. Ein Möchtegerndiktator. Es kann einem Angst und Bange werden...
egonv 18.07.2019
2.
Das ist Hetze, wie sie die rechtesten der AfD nicht besser hinbekommen. Hetze gegen demokratisch gewählte Abgeordnete - nicht gegen deren Standpunkte oder Haltungen (außer bei dem Anitsemitismusvorwurf, da müsste man näheres [...]
Das ist Hetze, wie sie die rechtesten der AfD nicht besser hinbekommen. Hetze gegen demokratisch gewählte Abgeordnete - nicht gegen deren Standpunkte oder Haltungen (außer bei dem Anitsemitismusvorwurf, da müsste man näheres wissen), sondern gegen deren Person. Es stimmt, derartige Äußerungen, gerade die Nutzung einer haßerfüllten Stimmung in einigen Bevölkerungsgruppen, sind eines Präsidenten unwürdig. Das vieles, was Trump tut und sagt, ist diesem Amt völlig unwürdig. In Deutschland wäre er längst zum Rücktritt gezwungen worden und das ist auch gut so. Man stelle sich vor, Steinmeier steht vor einer Pegida Demo und heizt die Massen an....
Bernd Schneider 18.07.2019
3. erschreckend!
Wenn man sieht, wie tief dieses Land mittlerweile gespaltet ist, wenn man feststellen muss, wie sehr die politische Gesinnung nach rechts unten gerückt ist, muss einem Angst und Bange werden. Was ist aus diesem Land geworden, [...]
Wenn man sieht, wie tief dieses Land mittlerweile gespaltet ist, wenn man feststellen muss, wie sehr die politische Gesinnung nach rechts unten gerückt ist, muss einem Angst und Bange werden. Was ist aus diesem Land geworden, welches mal als Verteidiger der Freiheit und der Toleranz in der Welt leuchtete? Das was Donald Trump innerhalb von 3 Jahren zerschlagen hat, werden Generationen von nachfolgenden Präsidenten nicht wieder geradebiegen können.
Save.Creation 18.07.2019
4. Fratze des Hasses
DT zeigt sein privates Gesicht, sein Stammtischniveau, seine dunkelste Seite öffentlich im Amt des Präsidenten. Eine USA des Hasses proklamiert er. Und seine Anhänger folgen ihm wie einem Rattenfänger der menschenverachtenden [...]
DT zeigt sein privates Gesicht, sein Stammtischniveau, seine dunkelste Seite öffentlich im Amt des Präsidenten. Eine USA des Hasses proklamiert er. Und seine Anhänger folgen ihm wie einem Rattenfänger der menschenverachtenden Gedanken und Worte. Es ist Böses Blut über ein Land. Ich hoffe, dass sich dennoch mehr und mehr Leute von diesen Inhalten distanzieren. Und ihnen entgegentreten.
Save.Creation 18.07.2019
5. @1
Wenn DT und seine hasserfüllten Anhänger und Parteikollegen wieder ein "weißes Amerika" wollen, so wird vergessen und verschwiegen, dass das Land nie ein Land von Menschen hellerer Hautfarbe war. Kein Wort/Gedanke zu [...]
Wenn DT und seine hasserfüllten Anhänger und Parteikollegen wieder ein "weißes Amerika" wollen, so wird vergessen und verschwiegen, dass das Land nie ein Land von Menschen hellerer Hautfarbe war. Kein Wort/Gedanke zu den Native Americans. Diese inhaltlose Forderung ist der verbale Deckmantel für "Me First" als Only Me First... Egozentriker First als Menschenfeind und alles, was anders ist oder aussieht.

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