Politik

Im saudi-arabischen Exil gestorben

Tunesiens Ex-Machthaber Ben Ali ist tot

Er war der erste Herrscher, der während des arabischen Frühlings gestürzt wurde: Nun ist Tunesiens ehemaliges Staatsoberhaupt Ben Ali im Exil gestorben.

Hassene Dridi/ AP

Ex-Langzeitherrscher Ben Ali floh 2011 ins Exil nach Saudi-Arabien

Donnerstag, 19.09.2019   16:53 Uhr

Tunesiens Ex-Langzeitherrscher Zine el Abidine Ben Ali ist im saudischen Exil gestorben. Sein Anwalt bestätigte entsprechende tunesische Medienberichte. Demnach erlag Ben Ali in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda den Folgen gesundheitlicher Probleme.

Gut eine Woche zuvor war der 83-Jährige in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Zunächst hatte sein Anwalt gesagt, Ben Alis Zustand sei kritisch, aber stabil.

Tunesien war das Land, in dem die arabischen Aufstände ausbrachen. Lange hatte Ben Ali es nach Amtsantritt geschafft, auf internationaler Bühne den Ruf eines skrupellosen Diktators zu vermeiden. Er galt als wirtschaftlicher Reformer. Unter ihm hatte Tunesien in Nordafrika den Ruf, mit gut ausgebildeten Frauen und Wirtschaftswachstum ein Vorzeigemodell zu sein. Allerdings entzündeten sich an dem Tod eines Gemüsehändlers in der Kleinstadt Sidi Bouzid massive Proteste.

Ben Ali kehrte nach 2011 nicht wieder nach Tunesien zurück

Ben Ali war schließlich der erste Herrscher, der im Zuge der arabischen Aufstände 2011 gestürzt wurde. Er floh am 14. Januar 2011 nach Saudi-Arabien. In seine tunesische Heimat, in der mehrere seiner Kinder leben, konnte der Ex-Machthaber seither nicht zurückkehren.

Ein Gericht in Tunis hatte Ben Ali und seine Frau 2011 in Abwesenheit zu jeweils 35 Jahren Gefängnis und einer Strafzahlung von umgerechnet mehr als 45 Millionen Euro verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich die Präsidentenfamilie über Jahre Reichtümer angeeignet hatte, die schließlich ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts umfassten.

In einem weiteren Verfahren wurde Ben Ali 2013 zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er während der Revolution 2011 die Sicherheitskräfte zum Mord an Demonstranten angestiftet haben soll. Nach offiziellen Angaben wurden bei den Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten vor acht Jahren 388 Menschen getötet.

Tunesien gilt als einziges Land der Region, das nach den Aufständen weitreichende demokratische Reformen eingeleitet hat. Das Land kämpft allerdings mit großen wirtschaftlichen Problemen. Seit 2014 arbeitet die "Kommission für Wahrheit und Würde" in Tunesien die Verbrechen der Diktatur auf.

Am Sonntag hatten die Tunesier einen Nachfolger für den im Juli verstorbenen Präsidenten Béji Caid Essebsi gewählt. Nach Auswertung von 52 Prozent der abgegebenen Stimmen lag der unabhängige Kandidat und Verfassungsrechtler Kais Saied mit 18,7 Prozent an der Spitze der 26 Kandidaten, teilte die unabhängige Wahlkommission Isie mit. Auf Platz zwei landete der Medienmogul Nabil Karoui - der allerdings in Untersuchungshaft sitzt.

Eine Stichwahl soll parallel zur Parlamentswahl am 6. Oktober oder eine Woche später abgehalten werden.

mfh/dpa

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