Politik

Romneys Nein zur US-Präsidentschaft

Verzicht unter Schmerzen

Es wäre sein dritter Anlauf gewesen, doch Mitt Romney zuckte zurück. Der Republikaner will nicht mehr US-Präsidentschaftskandidat werden, dabei war er von seiner Siegchance überzeugt. Warum verzichtete er dann?

REUTERS

Verhinderter Kandidat Romney: "Er hatte seine Chance"

Von , Washington
Freitag, 30.01.2015   20:08 Uhr

Drei Wochen ließ er das Experiment laufen, dann brach er es ab. An diesem Freitag erklärte Mitt Romney, er werde sich nicht ein weiteres, ein drittes Mal um die US-Präsidentschaft bewerben: "Ich habe entschieden, dass es am besten ist, anderen Anführern der Partei die Möglichkeit zu geben, unser nächster Kandidat zu werden."

Anfang Januar hatte der Republikaner noch ganz anders geklungen: "Yeah, ich will Präsident sein", ließ er wichtige frühere Geldgeber bei einem Treffen in New York wissen.

Das war der Moment, in dem Mitt Romney das Experiment anfeuerte. Nun musste er nur abwarten, zuschauen, die Reaktionen korrekt deuten. Dass er der richtige Mann fürs Weiße Haus ist, daran hatte er schließlich nie einen Zweifel. Nicht den geringsten. Nur an seinen Parteifreunden, an denen hatte er schon immer Zweifel.

Zu Recht, wie sich schon bald herausstellen sollte.

Denn während er in den Umfragen satt vor seinen potentiellen Rivalen lag - die Webseite "Real Clear Politics" errechnete zuletzt einen Durchschnittswert von 20,7 Prozent, deutlich vor Jeb Bush mit 11,2 Prozent - machten Parteifunktionäre, Strategen und konservative Medien rasch deutlich, dass sie nichts hielten von Romney 3.0.

Insbesondere Rupert Murdoch, zu dessen Medienkonglomerat die maßgeblichen konservativen Meinungsmacher - Fox News und das "Wall Street Journal" (WSJ) - gehören, machte aus seiner Abneigung gegenüber dem 67-Jährigen keinen Hehl. "Er hatte seine Chance, und es scheint ihm an einer großen Vision für dieses Land zu mangeln", schrieb er vergangenen Dienstag auf Twitter.

Zuvor hatte das WSJ bereits einen vernichtenden Kommentar geschrieben, in dem Romney als unfähig und überfordert dargestellt wurde. Viele einstige Spender zeigten sich zudem unwillig, Romney erneut zu helfen. Und dann machte noch die Nachricht die Runde, dass David Kochel, einer von Romneys Strategen, das Lager gewechselt und zu Bush rübergemacht hat.

Vor diesem Hintergrund brach Romney sein Experiment ab. Die Chancen für Jeb Bush erhöhen sich damit deutlich. Erst in der vergangenen Woche hatte er sich mit Romney getroffen. Vom Inhalt dieses Gesprächs ist bisher nichts durchgesickert. Bush selbst stellte am Dienstag nur fest: "Ich bin sicher, die heutige Entscheidung war nicht einfach." Und, klar, Romney sei "ein Patriot".

Es ist tatsächlich auffällig, wie sehr Romneys Verzichtserklärung von Bedauern über eben diesen Verzicht geprägt ist. "Ihr könnt euch vorstellen, wie hart es für mich ist, beiseite zu treten; vor allem, weil ich um eure und die Unterstützung all der Leute da draußen weiß", soll er seinen potentiellen Geldgebern bei einer Telefonschalte am Freitagmorgen gesagt haben. Es war die Rede von seinen guten Umfragewerten und von seiner Überzeugung, dass er sowohl die republikanische Kandidatur erringen als auch die Präsidentschaft gewinnen könnte.

Von Murdoch und den abgesprungenen Spendern war nicht explizit die Rede. Aber dies ist wohl der Grund für seinen Verzicht. Natürlich, ein dritter Versuch nach seinem Scheitern in den republikanischen Vorwahlen im Jahr 2008 und seiner Niederlage gegen Barack Obama 2012 wäre ungewöhnlich gewesen, doch auch Ronald Reagan trat drei Mal an (1968, 1976, 1980).

Und Romneys Leute streuten zuletzt, wie sehr ihr Mann durch sein vorheriges Scheitern gelernt habe. Beim dritten Versuch sollte Romney nicht mehr als kühler Managertyp rüberkommen, sondern als Kümmerer, der auch die einfachen Leute am Aufschwung teilhaben lassen will. Außerdem war offenbar geplant, dass Romney anders als vor vier Jahren seinen mormonischen Glauben stärker thematisiert, nahbarer wird.

Die Fassade des Polit-Roboters war ohnehin schon gebröckelt, als Amerika durch den Dokumentarfilm "Mitt" im vergangenen Jahreinen anderen Romney kennen lernte. Regisseur Greg Whiteley hatte Romney sechs Jahre lang in seinen Wahlkämpfen begleitet und zeigte dabei einen auch in seiner Spießigkeit durchaus liebenswürdigen Kerl. Aus Romney wurde Mitt.

Am Ende seiner Verzichtserklärung ließ sich Romney nun sogar noch eine Hintertür offen: Er werde sicherlich künftig gefragt werden, ob es Umstände geben könnte, unter denen er seine Absage noch einmal überdenken würde. Nun, das sei "unwahrscheinlich".

Aber unwahrscheinlich ist eben etwas anderes als: ausgeschlossen. Mitt Romney kann es einfach nicht lassen.

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Sebastian Fischer ist Stellvertretender Ressortleiter im Politik-Ressort mit Sitz im Hauptstadt-Büro.

E-Mail: Sebastian.Fischer@spiegel.de

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insgesamt 21 Beiträge
gandhiforever 30.01.2015
1. Jeder Republikaner
ist von seiner Siegchance ueberzeugt, man koennte fast sagen: "Je geringer die Chance, umso groesser die Ueberzeugung". Und weil die Ueberzeugung so losgeloest von der Realitaet war, war der Schock in der letzten [...]
ist von seiner Siegchance ueberzeugt, man koennte fast sagen: "Je geringer die Chance, umso groesser die Ueberzeugung". Und weil die Ueberzeugung so losgeloest von der Realitaet war, war der Schock in der letzten Wahlnacht so gross, dass der immer noch nachwirkt. Natuerlich war/ist der Mann auch davon ueberzeugt, dass seine neuentdeckte Liebe fuer die Mittelschicht bei den Waehlern verfangen haette. Der Schmerz muss tief sitzen, seine Konkurrenten wird's freuen (im Moment).
Badischer Revoluzzer 30.01.2015
2. Da hat Amerika
und der Rest der Welt aber Glück gehabt, daß dieser Kandidat keine Absichten mehr hat. Allerdings ist da ein noch viel schlimmerer Kandidat im Bush. Dem traue ich es zu die Welt in den Abgrund zu fahren, nachdem es seine beiden [...]
und der Rest der Welt aber Glück gehabt, daß dieser Kandidat keine Absichten mehr hat. Allerdings ist da ein noch viel schlimmerer Kandidat im Bush. Dem traue ich es zu die Welt in den Abgrund zu fahren, nachdem es seine beiden Verwandten nur knapp verfehlt haben.
kuac 30.01.2015
3.
Noch ein Bush? Ist das eine Dynastie? Das hat uns noch gefehlt.
Noch ein Bush? Ist das eine Dynastie? Das hat uns noch gefehlt.
amishunderground 30.01.2015
4. Noch ein Bush...
... das wäre das Schlimmste was der Welt passieren könnte. Dennoch bin ich zuversichtlich, denn einen republikanischen Präsidenten wird es 2016 nicht geben. Die Amerikaner sind zwar anders als wir, aber nicht blöd!
... das wäre das Schlimmste was der Welt passieren könnte. Dennoch bin ich zuversichtlich, denn einen republikanischen Präsidenten wird es 2016 nicht geben. Die Amerikaner sind zwar anders als wir, aber nicht blöd!
Atheist_Crusader 30.01.2015
5.
Jeb ist mit Abstand der vernünftigste Politiker der Familie. Ich würde ihn nicht wählen, aber verglichen mit Daddy und Brüderchen ist er ein Lichtblick. Und aus meiner Sicht das beste was die Republikaner momentan gerade [...]
Zitat von Badischer Revoluzzerund der Rest der Welt aber Glück gehabt, daß dieser Kandidat keine Absichten mehr hat. Allerdings ist da ein noch viel schlimmerer Kandidat im Bush. Dem traue ich es zu die Welt in den Abgrund zu fahren, nachdem es seine beiden Verwandten nur knapp verfehlt haben.
Jeb ist mit Abstand der vernünftigste Politiker der Familie. Ich würde ihn nicht wählen, aber verglichen mit Daddy und Brüderchen ist er ein Lichtblick. Und aus meiner Sicht das beste was die Republikaner momentan gerade im Gespräch haben (so wie eine Grippe besser ist als Ebola). Aber genau das ist ein Problem: für einen Republikaner ist er noch zu nett, rational und kompromissbereit (also... was diese Worte im Kontext der gegenwärtigen Partei bedeuten). Er wurde schon aus den eigenen Reihen massiv für Sätze angefeindet wie "Ich würde einem Dollar Steuererhöhung zustimmen, wenn ich dafür zehn Dollar Steuersenkungen in anderen Bereichen bekäme.". Die Republikaner wollen Radikale. Und Jeb Bush ist keiner.

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