Politik

Regierungsbildung in den USA

Trump und die alten, weißen Männer

Donald Trump führt Sondierungsgespräche für seine Regierung. Beim zukünftigen US-Präsidenten sprechen zurzeit vor allem weiße, alte Männer vor. Der Favorit für das Außenamt kristallisiert sich heraus.

REUTERS

Donald Trump mit James Mattis

Montag, 21.11.2016   10:20 Uhr

Der designierte US-Präsident Donald Trump setzt mit einer Reihe persönlicher Treffen seine Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung fort. Am Wochenende traf er sich unter anderem mit möglichen Anwärtern auf das Amt des Außen- und des Verteidigungsministers.

Als aussichtsreichster Kandidat für das Pentagon kristallisierte sich der pensionierte General James Mattis heraus. Der Marineinfanterist war früher Chef des US-Zentralkommandos und verfügt über Kriegserfahrungen im Irak und Afghanistan. Trump hatte nach eigenen Angaben am Samstag ein "unglaublich tiefgehendes" Gespräch mit ihm.

Fest steht bisher nur die Wahl Trumps von drei Hardlinern: So will der zukünftige US-Präsident Senator Jeff Sessions zu seinem Justizminister machen, den ehemaligen General Michael Flynn zum nationalen Sicherheitsberater und den Abgeordneten Mike Pompeo zum CIA-Direktor. Alle sind äußerst konservativ, und ihre Nominierung hatte bei den Demokraten und Bürgerrechtlern heftige Kritik ausgelöst.

Ein Milliardär als möglicher Wirtschaftsminister

Vor diesem Hintergrund wurde spekuliert, dass sich Trump zur Beruhigung moderaterer Kreise für Mitt Romney als Außenminister entscheiden könnte - im Wahlkampf einer seiner härtesten Kritiker. Beide haben sich bereits am Samstag zu einem gut 90-minütigen Gespräch getroffen, Details wurden nicht bekannt.

Trump designierter Vize Mike Pence bestätigte aber am Sonntag, dass Romney als Außenminister gehandelt werde. Noch ist aber auch der New Yorker Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani - wiederum ein Hardliner - im Gespräch für den Posten. Er verfügt als ehemaliger Chef des Olympischen Komitees der USA über begrenzte internationale Erfahrungen.

Als möglicher Wirtschaftsminister steht der Milliardär Wilbur Ross bei Trump hoch im Kurs. Nach einem Treffen mit dem Investor sagte Trump am Sonntag: "Genau danach suchen wir."

Kaum Treffen mit Frauen

Zum Reigen der weißen Männer gesellt sich am Sonntag noch Chris Christie. Der Gouverneur von New Jersey war - nach dem er seine eigenen Ambitionen auf das Präsidentschaftsamt aufgegeben hatte - ein enger Unterstützer der Trump-Kampagne. Für welches Amt er im Gespräch ist, war nicht bekannt.

Frauen und Nicht-Weiße sind bei den Sondierungsgesprächen hingegen in der Minderheit. Laut einem Sprecher von Trump standen unter anderem Gespräche mit dem Menschenrechtsanwalt Peter Kirsanow, dem Unternehmer Robert L. Johnson, dem Sprecher des Abgeordnetenhauses in Oklahoma, T.W. Shannon, und der republikanischen Abgeordneten Cathy McMorris Rodgers an.

sun/dpa/Reuters/AP

insgesamt 82 Beiträge
ulrich-lr. 20.11.2016
1. Diskriminierung
Wann hört endlich diese Diskriminierung sog. "alter weißer Männer" auf. Es stinkt, dass bei jeder Gelegenheit diese Gruppe diffamiert wird. SPON, spinnst du? Es geht nicht um Alter und Hautfarbe und Geschlecht. [...]
Wann hört endlich diese Diskriminierung sog. "alter weißer Männer" auf. Es stinkt, dass bei jeder Gelegenheit diese Gruppe diffamiert wird. SPON, spinnst du? Es geht nicht um Alter und Hautfarbe und Geschlecht. Es geht um Inhalte. Kritisiert die Leute für Ihre Taten, ihre Ansichten. Aber füttert nicht diskriminatorische Klischees! Sie können nichts dafür, dass sie alt, weiß und männlich sind!
held_der_arbeit! 20.11.2016
2. Weiße, alte, REICHE Männer
...komisch, dass dieses Detail immer vergessen wird. Dabei ist es so wichtig. Denn das erhoffte "aufräumen" der Verflechtung von Geld und Politik wird es mit diesen Herren nicht geben. Im Gegenteil. Mussten schwerreiche [...]
...komisch, dass dieses Detail immer vergessen wird. Dabei ist es so wichtig. Denn das erhoffte "aufräumen" der Verflechtung von Geld und Politik wird es mit diesen Herren nicht geben. Im Gegenteil. Mussten schwerreiche Neocons Leute wie Clinton früher mühsam bestechen, sind sie nun selbst an der Macht. Well done
entredostierras2011 20.11.2016
3. So what?
Auch wenn ich die meisten politischen Standpunkte dieser "weissen alten Maenner" vermutlich nicht teile, kann man der Fairness ja mal festhalten, dass die meisten (um nicht zu sagen alle), in ihrem Leben ausserhalb der [...]
Auch wenn ich die meisten politischen Standpunkte dieser "weissen alten Maenner" vermutlich nicht teile, kann man der Fairness ja mal festhalten, dass die meisten (um nicht zu sagen alle), in ihrem Leben ausserhalb der Politik was zustande gebracht haben und, wertneutral, Erfolge in ihren jeweiligen Berufsfeldern vorzuweisen haben, von denen deutsche Berufspolitiker nicht mal zu traeumen wagen.
h.hass 20.11.2016
4.
War ja klar, dass das passieren wird. Alte weiße Männer machen Wahlkampf für alte weiße Männer und stellen dann ein Team aus alten weißen Männern zusammen. Und alle zusammen wollen sie das Land wieder in die 50er Jahre [...]
War ja klar, dass das passieren wird. Alte weiße Männer machen Wahlkampf für alte weiße Männer und stellen dann ein Team aus alten weißen Männern zusammen. Und alle zusammen wollen sie das Land wieder in die 50er Jahre zurückkatapultieren, in denen sie aufgewachsen sind und in denen es selbstverständlich war, dass alte weiße Männer alles managten. So schlimm die nun folgenden Jahre auch werden können, kann man sich doch damit trösten, dass dies die letzte Abwehrschlacht dieser weißen alten Männer ist. Schon aus demographischen Gründen können sie dauerhaft nicht siegreich sein. Ihre Generation wird nun zum letzten Mal die Geschicke der USA bestimmen, vermutlich mit verheerenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Auf jeden Fall ist die Wirtschaft längst weiter als sie, die Multimedia-High-Tech-Unternehmen werden nicht von alten weißen Männern beherrscht, sondern von smarten Typen zwischen Mitte 25 und Mitte 50, die teils offen schwul leben. Wenn es nicht der gesellschaftliche Druck ist, der Trumps Untotenkabinett in die Schranken weist, dann wird es wohl der wirtschaftliche Druck sein, den diese Unternehmen ausüben können. Da kann Donald 100 subventionierte Stahlwerke bauen oder Strafzölle gegen das böse China verhängen, gegen die Macht des Faktischen wird er nicht ankommen. Die Zeit der alten weißen Männer läuft ab. Das ändert natürlich nichts daran, dass in den USA bürgerkriegsähnliche Zustände befürchtet werden müssen.
blogpe 20.11.2016
5. Bitte den Titel ändern
Trump wurde von seinen Wählern beauftragt eine Regierung zu bilden. Und dem kommt er punktgenau nach. Im Übrigen ist der Titel sexistisch und chauvinistisch. Es sei denn, Sie stellen einen Artikel daneben über die alte weiße [...]
Trump wurde von seinen Wählern beauftragt eine Regierung zu bilden. Und dem kommt er punktgenau nach. Im Übrigen ist der Titel sexistisch und chauvinistisch. Es sei denn, Sie stellen einen Artikel daneben über die alte weiße Frau die das Bundeskanzleramt dominiert. Stellen Sie bitte Fähigkeiten und meinetwegen auch Charaktere in den Vordergrund. Aber nicht Alter, Geschlecht und Rasse.

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