Politik

Jemenkrieg

USA drängen Saudi-Arabien zu Friedensverhandlungen

Die USA fordern einen zügigen Waffenstillstand und Friedensgespräche für den Jemen. Die Intervention ist ein Affront für Saudi-Arabien - und möglicherweise eine Reaktion auf die Khashoggi-Affäre.

YAHYA ARHAB/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Friedhof mit Kriegstoten in Sanaa

Mittwoch, 31.10.2018   19:25 Uhr

Seit dreieinhalb Jahren haben die USA keinerlei Anstalten gemacht, zu einem raschen Ende des Jemenkriegs beizutragen. Nun macht Washington plötzlich Druck auf die Konfliktparteien. Noch im November müssten in einem Drittland Verhandlungen unter Schirmherrschaft des Uno-Sondergesandten Martin Griffiths beginnen, forderte US-Außenminister Mike Pompeo.

Die Raketen- und Drohnenangriffe aus den von den jemenitischen Huthi-Rebellen kontrollierten Gebieten auf Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate müssten aufhören. Zugleich aber machte Pompeo erstmals Druck auf den US-Verbündeten Saudi-Arabien. Die von dem Königreich geführte Militärkoalition müsse ihre Luftangriffe auf alle bevölkerten Gegenden im Jemen stoppen.

Ähnlich äußerte sich US-Verteidigungsminister James Mattis. Es seien sofort Friedensbemühungen nötig und nicht irgendwann in der Zukunft, sagte der Pentagonchef. "Wir wollen alle auf Grundlage eines Waffenstillstandes am Verhandlungstisch sehen." Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate - Teil der von den USA unterstützten Militärkoalition im Jemen-Konflikt - seien dazu bereit.

Schweden will Friedensgespräche ausrichten

Schwedens Außenministerin Margot Wallström erklärte am Mittwoch, dass ihr Land bereit sei, Gastgeber der Friedensverhandlungen zu werden. Die Vereinten Nationen hätten eine entsprechende Anfrage gestellt. Einen konkreten Termin für die Gespräche nannte Wallström nicht.

Bei den Gesprächen soll es um Rahmenvereinbarungen für die jemenitische Zentralbank, den Austausch von Gefangenen und die Wiedereröffnung des Hauptstadtflughafens in Sanaa gehen.

Anfang September waren geplante Friedensgespräche zwischen der jemenitischen Regierung und den Huthi-Rebellen unter Uno-Vermittlung gescheitert, noch bevor sie überhaupt begonnen hatten. Die Vertreter der Huthi-Rebellen begründeten ihr Fernbleiben von einem Treffen in Genf unter anderem damit, dass sie seitens der Uno keine Garantie dafür erhielten, sicher in die von ihnen kontrollierte jemenitische Hauptstadt Sanaa zurückkehren zu können. Der jemenitische Luftraum wird von dem von Saudi-Arabien angeführten Militärbündnis kontrolliert.

Die Vereinten Nationen bezeichnen den Krieg im Jemen als die größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart. Rund 14 Millionen Menschen seien akut von Hunger bedroht. In dem Krieg sind nach Uno-Schätzungen mehr als 28.000 Menschen getötet worden. Ein Großteil der Infrastruktur des Landes ist zerstört.

Offen ist bislang, ob die diplomatische Intervention der USA eine Folge der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ist. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman wird verdächtigt, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Er hatte als Verteidigungsminister sein Land im Frühjahr 2015 in den Jemenkrieg geführt.

insgesamt 7 Beiträge
gandhiforever 31.10.2018
1. Zu barbarisch
Anscheinend ist den Unterstuetzern der Saudis deren Vorgehen gegen im Jemen doch zu barbarisch, so dass sie sich nun davon distanzieren wollen. Das aendert aber nichts an der Mitschuld !
Anscheinend ist den Unterstuetzern der Saudis deren Vorgehen gegen im Jemen doch zu barbarisch, so dass sie sich nun davon distanzieren wollen. Das aendert aber nichts an der Mitschuld !
HerrPeterlein 31.10.2018
2. Lässt sich Saudi-Arabien reinreden
Bisher, besonders der junge Prinz, wurde sehr rigeros auf jegliche Einmischung reagiert. Besonders die aus dem USA. Bedingt durch den Mord in der Türkei, ist die Frage wie man reagiert. Gewonnen hat SA im Jemem nicht, ein [...]
Bisher, besonders der junge Prinz, wurde sehr rigeros auf jegliche Einmischung reagiert. Besonders die aus dem USA. Bedingt durch den Mord in der Türkei, ist die Frage wie man reagiert. Gewonnen hat SA im Jemem nicht, ein gewaltiges Problem was die Macht darstellt.
modemhamster 31.10.2018
3. Vielleicht kann man
sich auch in den deutschen Leidmedien mal dazu durchringen, die uralte Zahl von 10.000 ermordeten jemenitischen Zivilisten auf die, immer nch sehr konservativ geschätzten, 56829 Toten anzupassen, die das Team des Armed Conflict [...]
sich auch in den deutschen Leidmedien mal dazu durchringen, die uralte Zahl von 10.000 ermordeten jemenitischen Zivilisten auf die, immer nch sehr konservativ geschätzten, 56829 Toten anzupassen, die das Team des Armed Conflict Location & Event Data Project ermittelt hat. Wer darauf nicht warten will, kann es auch hier (https://www.acleddata.com/dashboard/) oder beim Indepedent nachlesen. Es fehlen freilich die Toten, die dem Hunger (durch Zerbomben von Lebensmittelinfrastruktur und Blockade von Hilfsgütern) oder der Cholera (durch Zerbomben der medizinischen Infrastruktur und Blockade von Hilfsgütern) zum Opfer fielen. Das dürften dann weitere 100.000 sein.
Idinger 01.11.2018
4. Man kann
diese Initiative der USA - "Die Raketen- und Drohnenangriffe aus den von den jemenitischen Huthi-Rebellen kontrollierten Gebieten auf Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate müssten aufhören" - nur [...]
Zitat von gandhiforeverAnscheinend ist den Unterstuetzern der Saudis deren Vorgehen gegen im Jemen doch zu barbarisch, so dass sie sich nun davon distanzieren wollen. Das aendert aber nichts an der Mitschuld !
diese Initiative der USA - "Die Raketen- und Drohnenangriffe aus den von den jemenitischen Huthi-Rebellen kontrollierten Gebieten auf Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate müssten aufhören" - nur unterstützen. Das entspricht doch genau dem, was die Assad- und Putin-Versteher auch fordern: Syrien wäre ein Paradies an Frieden und Freiheit, wenn die Terroristen endlich das Land verlassen würden.
-su- 01.11.2018
5.
Im Jemen werden gezielt Märkte, Krankenhäuser, Wasserwerke usw. angegriffen. Gleichzeitig gibt es eine Blockade, damit keine Lebensmittel geliefert werden können. Das sich die Jemeniten gegen diesen Völkermord wehren ist [...]
Zitat von Idingerdiese Initiative der USA - "Die Raketen- und Drohnenangriffe aus den von den jemenitischen Huthi-Rebellen kontrollierten Gebieten auf Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate müssten aufhören" - nur unterstützen. Das entspricht doch genau dem, was die Assad- und Putin-Versteher auch fordern: Syrien wäre ein Paradies an Frieden und Freiheit, wenn die Terroristen endlich das Land verlassen würden.
Im Jemen werden gezielt Märkte, Krankenhäuser, Wasserwerke usw. angegriffen. Gleichzeitig gibt es eine Blockade, damit keine Lebensmittel geliefert werden können. Das sich die Jemeniten gegen diesen Völkermord wehren ist doch selbstverständlich, dass dabei auch Ziele im Heimatland der Verbrecher angegriffen werden ist dann ebenfalls selbstverständlich. Das was Saudi-Arabien, VAE und deren Verbündete im Jemen machen, sind Kriegesverbrechen. Auch wird seit Jahren die Opferzahl nicht mehr erhöht um von diesen Verbrechen abzulenken. Die UNO spricht ja von der größten humanitären Katastrophe im Jemen. Hat aber keine Folgen, Saudi-Arabien bekommt weiter seine Waffen geliefert, auch von Deutschland. Übrigens, nennen Leute wie Sie, Beiträge wie den Ihrigen im umgekehrten Fall immer "Whataboutism".

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