Politik

Radikalliberaler Senator

US-Republikaner küren Rand Paul zum Vorzugskandidaten

Die Republikaner bereiten sich auf den Vorwahlkampf in den USA vor - und nach einer Abstimmung bei einem Parteitreffen in Maryland kann sich der Liberale Rand Paul Hoffnungen machen. Aber es gibt einen Haken.

AFP

Senator Rand Paul: Liebling der Radikalkonservativen

Sonntag, 01.03.2015   15:31 Uhr

Washington - Wenige Monate vor Beginn des Vorwahlkampfes in den USA haben die Republikaner den Radikalliberalen Rand Paul zu ihrem Vorzugskandidaten gekürt. Der Senator des Bundesstaates Kentucky wurde am Samstag bei einer traditionellen Abstimmung besonders konservativer Aktivisten in dieses inoffizielle Amt gewählt.

Paul hatte zuvor im "Gaylord"-Hotel vor mehreren Tausend Zuhörern großen Beifall erhalten. In seiner Rede hatte der 52-Jährige die NSA kritisiert, die Abschaffung der US-Steuerbehörde sowie die Zusammenstreichung des Staatshaushalts gefordert - und warf immer wieder der Demokratin Hillary Clinton das "Chaos" vom Maghreb bis zum Nahen Osten vor.

Das Abstimmungsergebnis überraschte daraufhin kaum: Paul ist ein ausgesprochener Liebling der Radikalkonservativen und hatte bereits die Abstimmungen in den beiden Vorjahren gewonnen. Es scheint andererseits fraglich, ob er in der gesamten Partei mehrheitsfähig wäre.

Vor diesem Hintergrund halten Experten Scott Walker für den wahren Sieger der sogenannten Straw Poll. Der Gouverneur von Wisconsin landete auf Platz zwei, nachdem er bereits in den vergangenen Wochen in Umfragewerten zugelegt hatte.

Der Favorit bleibt Jeb Bush

Dem Abstimmungsergebnis wird normalerweise sehr begrenzte Bedeutung beigemessen. Sie gilt eher als eine Art Test für die Fähigkeit potenzieller Bewerber, mit engagierten Reden Beifallsstürme hervorzurufen. Diesmal fand das Votum der Aktivisten besondere Aufmerksamkeit, weil es so kurz vor Beginn des Vorwahlkampfes stattfand.

So konzentrierte sich das Interesse auch besonders auf Jeb Bush, der bisher als wohl aussichtsreichster potenzieller Bewerber eingestuft wird. Er schnitt mit einem fünften Platz ebenfalls beachtlich ab. Der Sohn von Ex-Präsident George und Bruder von Barack Obamas Vorgänger George W. gilt als Vertreter des Partei-Establishments und muss daher versuchen, auch im konservativen Lager Fuß zu fassen.

Bei dem Treffen in Washington hatten mehr als ein Dutzend möglicher Bewerber um Unterstützung geworben. Der texanische Senator Ted Cruz und der afroamerikanische Neurochirurg Ben Carson, beide Männer der konservativen Protestbewegung Tea Party, besetzten die Plätze drei und vier.

mxw/AFP/dpa

insgesamt 11 Beiträge
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 01.03.2015
1. Im Prinzip nicht schlecht
Hoffen wir mal nur, dass sich Pauls "Radikalliberal" nicht nur auf wirtschaftspolitische Fragen beschränkt und dem christ-fundamentalistische Flügel der Reps nicht Familien-, Bildungs-, "Verteidigungs-" und [...]
Hoffen wir mal nur, dass sich Pauls "Radikalliberal" nicht nur auf wirtschaftspolitische Fragen beschränkt und dem christ-fundamentalistische Flügel der Reps nicht Familien-, Bildungs-, "Verteidigungs-" und "Sicherheits-" politische Themen überlassen werden.
Prinz Eugen 01.03.2015
2. Von der Beständigkeit der VS-amerikanischen Politik
Die hiesige Lizenzpresse gefällt sich ja darin den VS-amerikanischen Wahlen ein großes Gewicht beizulegen, doch sind diese ebenso belanglos wie es die Machtkämpfe zwischen den Anhängern Stalins und Trotzkis im marxistischen [...]
Die hiesige Lizenzpresse gefällt sich ja darin den VS-amerikanischen Wahlen ein großes Gewicht beizulegen, doch sind diese ebenso belanglos wie es die Machtkämpfe zwischen den Anhängern Stalins und Trotzkis im marxistischen Rußland waren. Denn die grundlegende Politik der VSA bleibt recht konstant: Die Beherrschung der Ölvorkommen in aller Welt, die Verhätschelung des Levanteengels und natürlich die Förderung des Freihandels und der Privatisierung. Weshalb auch alle VS-Regierung jeden Staat erbittert befehden, der sich gegen diese Dinge stellt, entsprechend bekommen es gerade Persien und Rußland mal wieder knüppeldick von den VSA. Es spielt daher auch keine Rolle ob nun die Esel- oder die Elefantenpartei (so benannt nach ihren Wappentieren) den Staatschef stellen oder die Mehrheit in den Kammern haben. Daher erfolgt auch beim einem Machtwechsel kein Bruch mit der Politik der alten Regierung, wie man dies z. B. Anno 1761 beim Sturz des älteren Pitts in England beobachten konnte. Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!
kaksonen 01.03.2015
3. Frage:
Zu welcher Bevölkerungsgruppe muss man gehören, um "die Abschaffung der US-Steuerbehörde" im Prinzip nicht schlecht zu finden?
Zitat von Afrojüdischer_Sozi-SintiHoffen wir mal nur, dass sich Pauls "Radikalliberal" nicht nur auf wirtschaftspolitische Fragen beschränkt und dem christ-fundamentalistische Flügel der Reps nicht Familien-, Bildungs-, "Verteidigungs-" und "Sicherheits-" politische Themen überlassen werden.
Zu welcher Bevölkerungsgruppe muss man gehören, um "die Abschaffung der US-Steuerbehörde" im Prinzip nicht schlecht zu finden?
SanchosPanza 01.03.2015
4. kluger Mensch
Auf jeden Fall ist Rand Paul's Vater ein kluger und vor allem geistig unabhängiger Mensch, der das amerikanische militärische Engagement in Syrien und in der Ukraine sehr kritisch sieht.
Auf jeden Fall ist Rand Paul's Vater ein kluger und vor allem geistig unabhängiger Mensch, der das amerikanische militärische Engagement in Syrien und in der Ukraine sehr kritisch sieht.
crazy_swayze 01.03.2015
5.
Rand Paul wird niemals Präsidentschaftskandidat werden. Dafür ist er ein viel zu schlechter Redner (wie sein Vater) und viel zu marktradikal.
Rand Paul wird niemals Präsidentschaftskandidat werden. Dafür ist er ein viel zu schlechter Redner (wie sein Vater) und viel zu marktradikal.

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