Politik

Venezuela

Guaidó telefonierte offenbar mit Pence - kurz bevor die Revolte begann

Gab Washington das Signal zum Aufstand in Venezuela? Laut "Wall Street Journal" telefonierte US-Vizepräsident Mike Pence mit Juan Guaidó - der sich kurze Zeit später zum Staatschef erklärte.

AP

Mike Pence

Freitag, 25.01.2019   17:48 Uhr

Am Mittwoch erklärte sich Juan Guaidó in Venezuela überraschend zum Interimspräsidenten des Landes und forderte damit offen Staatschef Nicolás Maduro heraus. Nur kurze Zeit später erklärte US-Präsident Donald Trump, Guaidó als legitimen Präsidenten anzuerkennen. Die schnelle Reaktion überraschte - könnte aber eine besondere Vorgeschichte haben.

Das "Wall Street Journal" berichtet von einem Anruf des US-Vizepräsidenten Mike Pence bei Guaidó. Darin sicherte der Republikaner demnach am Abend vor der Revolte Unterstützung zu, falls Guaidó es auf einen Machtkampf mit Maduro ankommen lasse. So kam es dann auch.

Im Hintergrund, so berichtet die Zeitung, habe es schon länger Gespräche und Pläne für diesen Fall gegeben, auch zwischen US-Offiziellen und Oppositionspolitikern aus Venezuela, so auch mit Juan Guaidó. Eine weitere Bestätigung für die Informationen der Zeitung gibt es bisher nicht.

Maduro weigert sich, seinen Posten aufzugeben, und erhält dabei Unterstützung vom eigenen Militär und Ländern wie der Türkei und Russland.

26 Tote seit Wochenbeginn

Der 35-jährige Politiker Guaidó von der rechten Oppositionspartei Voluntad Popular (Volkswille) hatte am Mittwoch gesagt, er übernehme übergangsweise das Präsidentenamt, "um die widerrechtliche Aneignung der Macht zu beenden, eine Übergangsregierung einzusetzen und freie Wahlen abzuhalten".

Die USA, Kanada und mehrere lateinamerikanische Staaten wie Argentinien, Brasilien, Chile und Kolumbien erkannten Guaidó danach als Interimspräsidenten an.

Die Lage in Venezuela hat sich seit einem gescheiterten Aufstand von Nationalgardisten am Montag kontinuierlich verschärft. Bei Protesten gegen Maduro und Unruhen wurden laut der Nichtregierungsorganisation Beobachtungsstelle für soziale Konflikte seit Wochenbeginn 26 Menschen getötet.

Eine Analyse zum Einfluss der USA in dem Konflikt lesen Sie hier.

mho

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