Politik

Zweite TV-Debatte der US-Demokraten

Harris greift Biden für Aussagen zur Rassentrennung an

Bei ihrer zweiten TV-Debatte kritisierten die US-Demokraten erst Donald Trump, dann stritten sie sich untereinander: Besonders heftig wurde es zwischen Ex-Vizepräsident Joe Biden und Senatorin Kamala Harris.

Drew Angerer/ AFP

Die nächsten Zehn: Am Donnerstag traten erneut Kandidaten der US-Demokraten gegeneinander an

Freitag, 28.06.2019   04:07 Uhr

Im US-Bundesstaat Florida hat die zweite Runde der TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber stattgefunden. In Miami traten unter anderem politische Schwergewichte wie Ex-Vizepräsident Joe Biden, der unabhängige Senator Bernie Sanders, seine Kollegin Kamala Harris sowie der Bürgermeister Pete Buttigieg gegeneinander an.

Biden, Sanders und Harris nutzten ihre ersten Antworten, um den republikanischen Präsidenten Donald Trump scharf zu attackieren. So bezeichnete Sanders Trump beispielsweise als "pathologischen Lügner" und "Rassisten".

Einen besonders heftigen internen Schlagabtausch lieferten sich dann Harris und Biden. "Ich glaube nicht, dass Sie ein Rassist sind", sagte die Tochter von Einwanderern aus Jamaika und Indien. Aber es sei schmerzhaft gewesen, Biden über zwei Senatskollegen reden zu hören, die ihre Karriere auf der Rassentrennung aufgebaut hätten.

Biden hatte sich vor Kurzem bei einer Spendengala dazu geäußert, wie er zu Beginn seiner Karriere im Senat mit zwei Abgeordneten, die Befürworter der Rassentrennung waren, zusammengearbeitet habe, obwohl er mit ihnen nicht übereingestimmt habe. Biden führte dies als Beispiel dafür an, warum überparteiliche Zusammenarbeit wichtig sei, um Probleme zu lösen. Er erntete dafür scharfe Kritik. Harris nannte die Aussagen am Donnerstag "verletzend".

Die Senatorin kritisierte Biden zudem dafür, dass er in den Siebzigerjahren die Praxis des "busing" abgelehnt habe - bei dem Kinder zu Schulen in anderen Bezirken gefahren wurden, um die Integration vor allem schwarzer Schüler zu ermöglichen und die Trennung zwischen Schwarzen und Weißen aufzuheben. Harris verknüpfte dies mit ihrer eigenen Biografie: Sie selbst habe als kleines Mädchen in einem solchen Bus gesessen, erklärte sie.

Biden wies die Kritik zurück und warf Harris vor, seine Positionen falsch dargestellt zu haben.

Mike Segar/ REUTERS

Von links: Biden, Sanders und Harris - Wenn zwei sich streiten...

Bislang haben sich insgesamt 25 Politiker der demokratischen Partei um die Kandidatur beworben - mehr Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur hatte die Partei nie. Für die TV-Debatte hatten sich nun 20 Demokraten qualifiziert. Weil es so viele Bewerber gibt, wurden zwei Termine angesetzt: Die ersten zehn Kandidaten waren bereits am Mittwoch gegeneinander angetreten, darunter die linksliberale Senatorin Elizabeth Warren und New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio (mehr dazu erfahren Sie hier).

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Jede der beiden Debatten wurde in fünf Segmente unterteilt, bei denen jeder Kandidat eine Minute zur Beantwortung von Fragen und weitere 30 Sekunden zur Beantwortung von Nachfragen hatte. Weitere 45 Sekunden waren für ein Abschluss-Statement vorgesehen.

Als die Rede am Donnerstag auf das Thema Einwanderung kam, kritisierten mehrere der Demokraten die Asylpolitik des Präsidenten. Gefragt, ob sie im Falle eines Wahlsieges auch illegal eingewanderten Menschen Zugang zum US-Gesundheitssystem gewähren würden, hoben alle zehn Kandidaten bejahend die Hand. Trump - der gerade für den G20-Gipfel in Japan ist - kritisierte das via Twitter: "Wie wäre es, sich zuerst um amerikanische Bürger zu kümmern", fragte er rhetorisch.

Trump hatte seinen Wahlkampf für eine Wiederwahl 2020 offiziell am vergangenen Dienstag eröffnet - ebenfalls in Florida. Der Bundesstaat ist ein sogenannter Swing State, in dem weder Republikaner noch Demokraten fest auf eine Mehrheit bauen können. 2016 gewann Trump dort nur knapp.

Die Vorwahlen, bei denen der Kandidat oder die Kandidatin der Demokraten bestimmt wird, beginnen erst im Februar 2020 im Bundesstaat Iowa. Offiziell ernannt wird er oder sie dann bei einem Parteitag, der vom 13. bis 16. Juli stattfinden soll. Die Präsidentschaftswahl findet am 3. November 2020 statt.

Bei den Republikanern gibt es außer Trump bislang nur einen weiteren Kandidaten, der für die Partei in die Wahl ziehen will. Dabei handelt es sich um den früheren Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts, Bill Weld. Ihm werden aber keine nennenswerten Chancen eingeräumt, Trump die Kandidatur der Republikaner streitig zu machen.

aar/dpa

insgesamt 8 Beiträge
nütztnichts 28.06.2019
1. Unnötiger Artikel
Bis auf den Schlagabtausch zwischen Harris und Biden steht nichts über die inhaltliche Positionierung in unterschiedlichen Themengebieten. Den Artikel hätte man nun wirklich nicht lesen brauchen. Oder schreiben.
Bis auf den Schlagabtausch zwischen Harris und Biden steht nichts über die inhaltliche Positionierung in unterschiedlichen Themengebieten. Den Artikel hätte man nun wirklich nicht lesen brauchen. Oder schreiben.
nickleby 28.06.2019
2. Die Not der Demokraten
Wenn man in den USA in den sogenannten " Fly-over-States" unterwegs ist, erlebt man ein Amerika, das sich der wirtschaftlichen Lage, der Lage an der Südgrenze , der Lage im Erziehungs-und Bildungswesen bewusst ist. Die [...]
Wenn man in den USA in den sogenannten " Fly-over-States" unterwegs ist, erlebt man ein Amerika, das sich der wirtschaftlichen Lage, der Lage an der Südgrenze , der Lage im Erziehungs-und Bildungswesen bewusst ist. Die Menschen verlangen eine konsequente ' closed-door-policy', um die USA vor wachsendem Unheil zu bewahren. Die MIllionen Illegalen im Land beweisen, dass Handlunsgbedarf besteht. Das wird durch Trumps klare Politik garantiert. Man sollte ihn unterstützenm und nicht beschimpfen. In Europa, besonders aber in Deustchland, ist die Brisanz der allgemeinen Situation nicht gegenwärtig. Man verdrängt, beschönigt und gibt sich Wunschdenken hin. Der Weckruf ist noch nicht gehört worden. In den USA tanzen die Demokraten die gleichen Traumtänze wie ihre politischen Freunde in Europa
frenchie3 28.06.2019
3. Echt klasse wie die das angehen
Sich gegenseitig so top zu präsentieren daß jeder Wähler denkt "die sind ja wie Donnie, da können wir auch beim Original bleiben". Statt im Interesse des "großen Ganzen" - der Präsidentschaft - aggressiv [...]
Sich gegenseitig so top zu präsentieren daß jeder Wähler denkt "die sind ja wie Donnie, da können wir auch beim Original bleiben". Statt im Interesse des "großen Ganzen" - der Präsidentschaft - aggressiv geeint gegen die Reps vorzugehen und zumindest untereinander die Schmutzwäsche im Korb zu lassen
tom1970 28.06.2019
4. Garantie für Trumps zweite Amtszeit
Wie schafft man es, Donald Trump eine zweite Amtszeit zu garantieren? Man sorgt für möglichst viele Kandidaten, die sich mit unterschiedlichen Positionen über ein Jahr lang gegenseitig zerlegen. Trump muss sich nur [...]
Wie schafft man es, Donald Trump eine zweite Amtszeit zu garantieren? Man sorgt für möglichst viele Kandidaten, die sich mit unterschiedlichen Positionen über ein Jahr lang gegenseitig zerlegen. Trump muss sich nur zurücklehnen und genießen.
Heinzerl91 28.06.2019
5. Trump hat leichtes Spiel
Die Demokraten zerstören sich vor der Wahl gegenseitig, weil sie teilweise immer hochmoralisch argumentieren. Trump ist dagegen leider immun, weil das seine Wähler nicht im geringsten interessiert. Mmn fahren die Demokraten [...]
Die Demokraten zerstören sich vor der Wahl gegenseitig, weil sie teilweise immer hochmoralisch argumentieren. Trump ist dagegen leider immun, weil das seine Wähler nicht im geringsten interessiert. Mmn fahren die Demokraten die absolut falsche Strategie, indem sie 10 Kandidaten gegeneinander antreten lassen, manche hätten ihre Kandidatur eventuell hintenanstellen sollen, abwarten und eher als Teamplayer auftreten. Da sind ja durchaus junge noch dabei. So befürchte ich, wird das nix...

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