Politik

AfD-Spitzenkandidat

Kalbitz war mit NPD-Funktionären bei Neonazi-Aufmarsch in Athen

In Brandenburg tritt Andreas Kalbitz als Spitzenkandidat für die AfD an. Nach SPIEGEL-Informationen reiste er 2007 zu einem Neonazi-Aufmarsch in Athen, dabei wurde auch eine Hakenkreuzflagge gehisst.

Monika Skolimowska/ DPA

Andreas Kalbitz

Freitag, 30.08.2019   11:54 Uhr

Der brandenburgische AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz hat 2007 an einem rechtsextremen Aufmarsch in Athen teilgenommen und sich mit 13 anderen deutschen Rechtsextremisten in einem Hotel einquartiert, darunter NPD-Chef Udo Voigt.

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Heft 36/2019
Sind wir noch zu retten?
Wie viel WALD der Mensch zum Überleben braucht

Das belegt ein Dokument aus der deutschen Botschaft in Athen, das eine Verbindungsbeamtin des Bundeskriminalamtes (BKA) damals vor Ort verfasst hat und das dem SPIEGEL vorliegt. Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

In dem Bericht mit dem Kürzel ATH 019/07 ist die Rede von "14 deutschen Neonazis", die für einen Marsch der griechischen "Patriotischen Allianz" am 27. Januar 2007 angereist waren, einem rechtsextremen Bündnis um die neonazistische Partei "Goldene Morgenröte". Neben Voigt werden auch andere Führungsleute der NPD und des Parteinachwuchses gelistet.

Gegen einen der 14 Reisenden wurde später jahrelang ermittelt, weil er im Verdacht stand, einen zweiten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) aufzubauen. Zwei andere verdingten sich als rechtsextreme Söldner in Kroatien, ein weiterer verdiente über Jahre sein Geld mit Rechtsrock-Tonträgern.

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Das BKA dokumentierte die Reise, weil die Gruppe einen Polizeieinsatz ausgelöst hatte. Sie habe auf dem Balkon ihres Hotel Solomou eine Hakenkreuzflagge aufgehängt, wie es in dem Bericht aus der Botschaft heißt. In der Nacht warfen Unbekannte, die laut Bericht "der anarchistischen Szene zuzuordnen sind", Molotowcocktails "in den Hoteleingang und auf den Balkon".

Auf Anfrage erinnert sich Kalbitz an die Reise: "Es ist zutreffend, dass ich vor 12 Jahren in Athen war". Die Einladung sei über einen ausländischen Kontakt erfolgt. "Es gab verschiedene deutsche und andere internationale Besucher dieser Veranstaltung, neben der von Ihnen benannten 'Reisegruppe', wie auch in meinem Fall." Zu dem "Brandanschlag und Vorgängen darum herum" könne er aber nichts sagen, da er nicht zugegen gewesen sei.

Heute will Kalbitz der Marsch nicht gefallen haben: "In der nachträglichen Bewertung dieser Veranstaltung war diese nicht dazu angetan, mein weiteres Interesse oder Zustimmung zu wecken, weder in der politischen Zielsetzung noch in der Zusammensetzung der Teilnehmer." Kalbitz schreibt außerdem, er sei "zu keinem Zeitpunkt Mitglied der NPD" gewesen, habe sich dort nicht "engagiert" und "keinerlei persönlichen Kontakt".

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akm, mba, mgb, csc, Giorgos Christides

insgesamt 473 Beiträge
matbhmx 30.08.2019
1. Ahhh, der Spiegel macht Politik und ...
... greift aktiv in den Wahlkampf in Brandenburg ein! Schnell noch 'ne Meldung zwei Tage vor der Wahl lanciert, um den Kandidaten schlecht zu reden. Und so kurz vor der Wahl, dass sich das auch nicht mehr näher aufklären lässt. [...]
... greift aktiv in den Wahlkampf in Brandenburg ein! Schnell noch 'ne Meldung zwei Tage vor der Wahl lanciert, um den Kandidaten schlecht zu reden. Und so kurz vor der Wahl, dass sich das auch nicht mehr näher aufklären lässt. Sorry, Spiegel, einfach nur schäbig!
furorteutonikus 30.08.2019
2. Konnte
Konnte man förmlich drauf warten, auf eine "Enthüllung" direkt vor den LT-Wahlen. Das bringt den Altparteien noch einige Stimmen bei der Wahl. Stimmen, die die nächsten paar Jahre weiter zu Stillstand führen, weil, [...]
Konnte man förmlich drauf warten, auf eine "Enthüllung" direkt vor den LT-Wahlen. Das bringt den Altparteien noch einige Stimmen bei der Wahl. Stimmen, die die nächsten paar Jahre weiter zu Stillstand führen, weil, wenn die "Herrschaften" ihre Mandate haben, sich darin gemütlich einrichten und ihre Lobbyfreunde bedienen, sowie gegen weite Teile der Einwohner regieren.
Wahrheitsliebend 30.08.2019
3. war doch klar
Daswar doch klar das vor den Wahlen noch einml kräftig gegen die AfD gehetzt wird.
Daswar doch klar das vor den Wahlen noch einml kräftig gegen die AfD gehetzt wird.
sebko 30.08.2019
4. Irre....
Wahnsinn... diese Meldung rückt das ganze in ein völlig anderes Licht! Unerhört. Ja und sonst so...? Hat jemand von dem Sack Reis gehört? Soll irgendwo in Asien einer umgefallen sein...
Wahnsinn... diese Meldung rückt das ganze in ein völlig anderes Licht! Unerhört. Ja und sonst so...? Hat jemand von dem Sack Reis gehört? Soll irgendwo in Asien einer umgefallen sein...
fördeanwohnerin 30.08.2019
5. -
Mir ist nicht klar, wozu es gut sein soll, dass man hier über etwas aus dem Jahr 2007 berichtet, wenn sowieso inziwschen jedes Kind verstanden hat, was für ein "Genosse" dieser Typ ist. Wer soll mit einem solchen [...]
Mir ist nicht klar, wozu es gut sein soll, dass man hier über etwas aus dem Jahr 2007 berichtet, wenn sowieso inziwschen jedes Kind verstanden hat, was für ein "Genosse" dieser Typ ist. Wer soll mit einem solchen Artikel auf dieser Plattform eigentlich angesprochen werden? Man weiß bereits Bescheid und findet den Mann entweder sowieso absolut indiskutabel oder man steht auf sowas und will sich nur bestätigt fühlen in seiner Opferrolle von wegen "die armen Leute von der AfD - unfair". In der Bild könnte man vielleicht noch Leute erreichen, die wirklich nicht wissen, wer dieser Kalbitz ist, hier aber kommt mir die Veröffentlichung fast wie eine Verzweiflungstat vor. Ich brauche das nicht. ich habe auch keine Lust, die Fratze des Mannes gleich an erster Stelle zu sehen, wenn ich Spon aufrufe.
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