Politik

AfD vor Ostwahlen

Sachsen als Karrierebeschleuniger

Bei der sächsischen Landtagswahl können die Rechtspopulisten ihr Ergebnis laut Umfragen verdoppeln - das wird auch in der Gesamt-AfD nicht folgenlos bleiben. Tino Chrupalla spekuliert bereits auf den Chefposten.

Kay Nietfeld/dpa

AfD-Politiker Tino Chrupalla (l.): Mit Gaulands Segen zum Parteichef?

Von und
Donnerstag, 29.08.2019   16:04 Uhr

Es ist nicht lange her, da träumten Sachsens Rechtspopulisten vom ersten Platz bei der Landtagswahl am Sonntag. Schon bei der letzten Bundestagswahl lagen sie im Freistaat knapp vor der CDU, auch bei der Europawahl im Mai. Nun, eine Woche vor der Wahl, kommt die CDU in aktuellen Umfragen auf einen leichten Vorsprung.

Doch die AfD wird so oder so einen Erfolg feiern können: Denn bei der Sachsen-Wahl vor fünf Jahren lag sie noch bei knapp zehn Prozent, am Sonntag werden es voraussichtlich 20 plus x.

Für einen Sachsen im Bundestag zählt jeder Prozentpunkt: AfD-Vizefraktionschef Tino Chrupalla aus dem sächsischen Görlitz wird seit Längerem als künftiger Co-Bundesvorsitzender an der Seite von Jörg Meuthen gehandelt. Und so könnte für Chrupalla ein Wahlerfolg seiner Sachsen-AfD der Karrierebeschleuniger werden.

In der Partei ist es ein offenes Geheimnis, dass sich der 78-jährige Co-Chef Alexander Gauland auf die Arbeit als Vorsitzender der Fraktion im Bundestag konzentrieren möchte und möglicherweise auf dem nächsten Parteitag im November nicht mehr für den AfD-Chefposten antreten wird.

Erst vor wenigen Tagen kamen Gauland und Chrupalla im sächsischen Spitzkunnersdorf auf einer AfD-Wahlveranstaltung zusammen - beide offensichtlich gut gelaunt. Würde Chrupalla im Herbst mit dem Segen Gaulands aufsteigen, wäre mit ihm an der Seite des Westdeutschen Meuthen wieder ein Ostdeutscher an der AfD-Spitze.

Kay Nietfeld/dpa

Gauland und Chrupalla: Gute Laune in Spitzkunnersdorf

Die letzte Ostdeutsche war Frauke Petry, einst auch sächsische AfD-Chefin, die nach der Bundestagswahl aus der Partei austrat und seitdem als Parteilose im Bundestag sitzt. Mit ihrer "Blauen Partei" gilt sie bei den Wahlen im Freistaat allen Umfragen zufolge als chancenlos.

Der 44-Jährige Chrupalla indes gehört mittlerweile mit zu den bekannten Gesichtern der sächsischen AfD. Bei der Bundestagswahl schlug er den CDU-Kandidaten und späteren Ministerpräsidenten Michael Kretschmer im Wahlkreis Görlitz. Eine Überraschung.

Immer weiter nach rechts gerückt

Vom Nimbus als Kretschmer-Bezwinger zehrt Chrupalla bis heute: Beide stammen aus Görlitz, beiden waren einst bei der Jungen Union, dem CDU-Nachwuchs. Görlitz steht auch diesmal im Fokus des öffentlichen Interesses: Bei der Landtagswahl versucht es nunmehr der AfD-Politiker Sebastian Wippel gegen Kretschmer, doch dürfte Umfragen zufolge diesmal der Ministerpräsident als Sieger vom Platz gehen.

Der Handwerksmeister Chrupalla - seit 2015 in der Partei - kommt aus einem AfD-Landesverband, der in den vergangenen Jahren immer mehr nach rechts gerückt ist. Waren in den Anfangsjahren noch mehrere frühere CDU-Politiker in der Partei aktiv, haben sich die meisten von ihnen mit dem Austritt von Frauke Petry ebenfalls von der AfD verabschiedet.

Geblieben sind Mitglieder, von denen manche immer wieder in die Schlagzeilen gerieten:

Stimmenfang #110 - Er oder ich! Wie CDU und AfD in Sachsen um Direktmandate kämpfen

Chrupallas Leitfaden für den Umgang mit Medien

Im persönlichen Umgang ist Chrupalla kein Haudrauf, seine Statements aus jüngerer Zeit waren im Tonfall für AfD-Verhältnisse eher gemäßigt. Doch auch Chrupalla beherrscht die Rechtsaußen-Rhetorik. So warnte er Kretschmer etwa vor "Förderung der illegalen Migration".

Als AfD-Kreisvorsitzender in Görlitz entwickelte er, wie er im Frühjahr in einem Schreiben an Parteifreunde ausführte, "in enger Abstimmung" mit seinem Landesverband einen "Leitfaden" für den Umgang in sozialen Medien und mit Journalisten. "Schwarze Liste für unseriöse Pressevertreter!" forderte er da, und: Journalisten, die "voreingenommen sind und eindeutig gegen uns arbeiten, werden aus unserem Verteiler gelöscht". Öffentlich distanziert hat er sich davon bis heute nicht.

Robert Michael/dpa

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer, AfD-Chef Urban

Chrupalla ist zwar kein Vertreter des völkisch-nationalistischen AfD-Netzwerks "Flügel" um den Brandenburger Andreas Kalbitz und den Thüringer Björn Höcke, gilt aber in deren Kreisen als potenziell mehrheitsfähig - was seine Chancen auf die Gauland-Nachfolge im Herbst erhöht.

Der sächsische AfD-Chef und Spitzenkandidat Jörg Urban (Lesen Sie hier mehr), lange Jahre Geschäftsführer der "Grünen Liga Sachsen" und heute "Flügel"-Sympathisant, sagte jüngst der "Welt", er wünsche sich an der Bundesspitze einen Ostdeutschen "und Tino Chrupalla ist der einzige Name, den ich in dieser Hinsicht bisher gehört habe".

Es "wäre schön", für ihn "Mehrheiten organisieren zu können". Urban dürfte über höhere Weihen für seinen Kollegen nicht unfroh sein, gelten doch beide im Landesverband als Konkurrenten. Erst Anfang Juni war endgültig klar, dass Urban als alleiniger Spitzenkandidat für die Sachsen-AfD in den Landtagswahlkampf ziehen würde.

Seitdem diese Entscheidung gefallen ist, konzentriert sich Chrupalla weitgehend auf die Bundespolitik. Seine Ambitionen sind klar.

insgesamt 48 Beiträge
cradaj 29.08.2019
1. Falsche Bezeichnung
Das sind keine "Rechtspopulisten", sondern Rechtradikale. Und deren führende Köpfe sind auch keine "abgehängten Ossis", sondern kommen allesamt aus dem Westen.
Das sind keine "Rechtspopulisten", sondern Rechtradikale. Und deren führende Köpfe sind auch keine "abgehängten Ossis", sondern kommen allesamt aus dem Westen.
wahrsager26 29.08.2019
2. Ich würde so sagen:
Warten wir die Wahl ab ! Interessant dürfte dann sein,ob die Koalition ohne AfD auch erfolgreich sein wird.Es ist durchaus möglich, das durch die Stimmengewinne die AfD ohne weiteres Zutun die anderen demaskiert ......weil dort [...]
Warten wir die Wahl ab ! Interessant dürfte dann sein,ob die Koalition ohne AfD auch erfolgreich sein wird.Es ist durchaus möglich, das durch die Stimmengewinne die AfD ohne weiteres Zutun die anderen demaskiert ......weil dort nichts in einer Koalition 'zusammengeht'.Danke
claus7447 29.08.2019
3. Schwarze Listen über Journalisten
Nun, das gab es schon mal - die wurden dann gesammelt und in ein Freizeitheim verbracht. Allerdings mit Stacheldraht drum rum! Und wenn man das Parteiprogramm der Braunen liest - weiß man genau, was unter Meinungsfreiheit [...]
Nun, das gab es schon mal - die wurden dann gesammelt und in ein Freizeitheim verbracht. Allerdings mit Stacheldraht drum rum! Und wenn man das Parteiprogramm der Braunen liest - weiß man genau, was unter Meinungsfreiheit verstanden wird: Die Idee der Kommunikationsfreiheit, möglichst jedermann den Betrieb von Medien und insbesondere die Berichterstattung durch Medien zu ermöglichen und so eine natürliche Vielfalt zu generieren, steht für uns dabei im Zentrum. Diese wollen wir fördern, Einschränkungen und Hindernisse dagegen abbauen. Folgerichtig sieht die AfD grundlegenden Reformbedarf bezüglich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in 94 Kultur, Sprache und Identität Die Zwangsfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist umgehend abzuschaffen und in ein Bezahlfernsehen umzuwandeln. Deutschland. Dessen Zwangsfinanzierung ist umgehend abzuschaffen und in ein Bezahlfernsehen umzuwandeln.
kj.az 29.08.2019
4. Magendruecker AfD
Die Medien koennen es nicht lassen. Ich kann mich nicht erinnern, je von Linkspopulisten gehoert zu haben. Rechtspopulisten gibt es nahezu taeglich in der Presse, im TV. Weiters frage ich mich, was falsch daran ist, dass jemand [...]
Die Medien koennen es nicht lassen. Ich kann mich nicht erinnern, je von Linkspopulisten gehoert zu haben. Rechtspopulisten gibt es nahezu taeglich in der Presse, im TV. Weiters frage ich mich, was falsch daran ist, dass jemand vor "Foerderung illegaler Migration" warnt. Der Auftrag aller Medien sollte doch sein, die Leser zi informieren; was ich taeglich erlebe, ist Diffamierung und Schlechtreden einer Politik, die im Rahmen des Grundgesetzes legal auftritt - oder habe ich versaeumt, dass die AfD verboten wurde ? (Apropos, ich bin KEIN AfD-Waehler).
DougStamper 29.08.2019
5. @2 wahrsager26
Nun entscheiden Sie sich mal. Ist es nun doof von den altparteien (schon der Begriff ist sowas von dämlich, die AfD will zurück nach 33 und ist damit eigentlich altpartei) wenn Sie sich streiten und keine Koalition hinbekommen [...]
Nun entscheiden Sie sich mal. Ist es nun doof von den altparteien (schon der Begriff ist sowas von dämlich, die AfD will zurück nach 33 und ist damit eigentlich altpartei) wenn Sie sich streiten und keine Koalition hinbekommen oder ist es doof wenn sie unter allen Umständen zusammen gehen um die Arme AfD vom Gott und wählergewünschten regieren abzuhalten. So bisserl von jedem ist an der Stelle doof.

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