Politik

Bundeswehr

Frühere Generäle streiten wegen AfD-Mitgliedschaft

Joachim Wundrak, Drei-Sterne-General a.D., will für die AfD als Oberbürgermeister in Hannover kandidieren. Nun regt sich Ärger in der Bundeswehr - in einem offenen Brief muss er sich provokante Fragen gefallen lassen.

Dienstag, 13.08.2019   17:48 Uhr

"An den neuen Hoffnungsträger der AfD" ist der offene Brief adressiert - gemeint ist Joachim Wundrak, bis vor Kurzem noch Drei-Sterne-General der Bundeswehr. Er hatte angekündigt, für die AfD als Oberbürgermeister in Hannover zu kandidieren. Ein politisches Manöver, das innerhalb der Bundeswehr für Aufregung sorgte - auch bei dem Absender des offenen Briefes, dem Brigadegeneral a.D. Klaus Wittmann. Er wirft Wundrak nun indirekt Geschichtsvergessenheit vor.

Wittmann wendet sich in dem Schreiben, das er bereits am 9. August veröffentlichte und über das die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zuerst berichtete, direkt an Wundrak: "Haben Sie sich denn wirklich vor Augen gehalten, mit wem Sie jetzt verbündet sind? Wer auch in Ihrem Namen auftritt und spricht? Die Fülle unsäglicher Äußerungen zur deutschen Geschichte, zur Gedenkkultur, zu Fremden, zur völlig tendenziös dargestellten Kriminalstatistik und zu vielen anderen Themen?", fragt er ihn.

Zudem greift er die AfD-Vorstellungen unter dem Titel "Streitkraft Bundeswehr" vom Juli 2019 an. Darin seien "äußerst problematische, teilweise sehr rückwärtsgewandte Forderungen enthalten", schreibt Wittmann. Dazu zählte unter anderem die "unrealistische Forderung nach Wiedereinführung der Wehrpflicht".

Wundrak ist bislang der ranghöchste Offizier a.D., der für die AfD ein politisches Amt anstrebt. Zuvor war er sechs Jahre lang in der CDU, erst im Januar 2018 wurde er nach eigenen Angaben offizielles Mitglied der AfD - damals war Wundrak noch als Generalleutnant im Dienst.

Wundrak hatte aus seiner AfD-Mitgliedschaft seinerzeit noch ein Geheimnis gemacht. Erst einen Tag nach der Verabschiedung im rheinischen Kalkar im September 2018, bei dem fast die gesamte Militärelite angetreten war, eröffnete Wundrak Kameraden und ehemaligen Vorgesetzten, dass er in die Partei eingetreten war. In den Gesprächen ließ Wundrak dem Vernehmen nach anklingen, als General habe er aus Sorge vor Repressalien stillgehalten.

Auch das greift Wittmann in seinem Brief auf: Vor welchen "Repressalien" ein Drei-Sterne-General denn Angst haben müsse, fragt er in dem Schreiben. "Da kann es doch eigentlich nur die Befürchtung gegeben haben, den Großen Zapfenstreich an der Seite der Ministerin in Gefahr zu bringen", folgert der Autor.

vks

insgesamt 115 Beiträge
Bergbauernbua 13.08.2019
1. Mitgliedschaft in der AfD
Wenn diese Gesellschaft und viele Politiker der Bundeswehr nicht nur bei der Antrittsrede der neuen Bundesverteidigungsministerin ihre Aufmerksamkeit schenken, dann bedarf es keiner Mitgliedschaft von Soldaten in der AfD. Das [...]
Wenn diese Gesellschaft und viele Politiker der Bundeswehr nicht nur bei der Antrittsrede der neuen Bundesverteidigungsministerin ihre Aufmerksamkeit schenken, dann bedarf es keiner Mitgliedschaft von Soldaten in der AfD. Das -wie Herr Merz richtig analysierte- viele Soldaten Sympathie für die AfD zeigen, liegt weniger an der AfD sondern an der Ablehnung der Bundeswehr durch Teile der Medien, der Gewerkschaften (GEW), der Kirchen und vor allem weiten Teilen der Gesellschaft.
Profdoc1 13.08.2019
2. Ähm...
Nicht verstehbar. Der Herr General hat einen Diensteid auf das Grundgesetz abgelegt. Auch als a. D. ist er daran gebunden. Wie will er das mit den wirren Einlassungen eines Herrn Höcke, Kalbitz, Gauland, etc. in Einklang [...]
Nicht verstehbar. Der Herr General hat einen Diensteid auf das Grundgesetz abgelegt. Auch als a. D. ist er daran gebunden. Wie will er das mit den wirren Einlassungen eines Herrn Höcke, Kalbitz, Gauland, etc. in Einklang bringen?? Die Haltung ist nicht nachvollziehbar.
adieu2000 13.08.2019
3. Sorge vor
Anfeindungen und Diskreditierung, was sonst. Das er einen positiven Beitrag für die AfD, und Widerstand gegen reaktionäre Kräfte in seiner Partei leisten könnte, wird garnicht in Erwägung gezogen. Nein, man urteilt von Oben [...]
Anfeindungen und Diskreditierung, was sonst. Das er einen positiven Beitrag für die AfD, und Widerstand gegen reaktionäre Kräfte in seiner Partei leisten könnte, wird garnicht in Erwägung gezogen. Nein, man urteilt von Oben herab, bequem aus der Defensive.
Bondurant 13.08.2019
4. Unrealistisch?
Zudem greift er die AfD-Vorstellungen unter dem Titel "Streitkraft Bundeswehr" vom Juli 2019 an. Darin seien "äußerst problematische, teilweise sehr rückwärtsgewandte Forderungen enthalten", schreibt [...]
Zudem greift er die AfD-Vorstellungen unter dem Titel "Streitkraft Bundeswehr" vom Juli 2019 an. Darin seien "äußerst problematische, teilweise sehr rückwärtsgewandte Forderungen enthalten", schreibt Wittmann. Dazu zählte unter anderem die "unrealistische Forderung nach Wiedereinführung der Wehrpflicht". Ist das jetzt schon automatisch AfD, die Wiedereinführung der Wehrpflicht, angesichts chinesischer Hochrüstung, russischer Expansionsträume und vor der Haustür arabischer (Bürger-)Kriege? Oder ist das unrealistisch und rückwärtsgewandt (oder ist es rückwärtsgewndt, weil unrealistisch?), weil die AfD das sagt und es wäre anders, wenn etwa die SPD noch einen Verteidigungspolitiker hätte und der würde das sagen?
trolls99 13.08.2019
5. Die Verteufelung der AFD ist eine Bedrohung unserer Demokratie
Die Verteufelung der AFD ist eine größere Bedrohung für unsere Demokratie als die AFD selbst. Die freie Meinungsäußerung ist bedroht, wenn missliebige Meinungen zum Ausschluss aus der Zivilgesellschaft führen. Eine solche [...]
Die Verteufelung der AFD ist eine größere Bedrohung für unsere Demokratie als die AFD selbst. Die freie Meinungsäußerung ist bedroht, wenn missliebige Meinungen zum Ausschluss aus der Zivilgesellschaft führen. Eine solche Zivilgesellschaft ist eine Dystopie.
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