Politik

Kramp-Karrenbauer bei der Jungen Union

Doch auf Kuschelkurs

Ihre Rede beim Deutschlandtag der Jungen Union war mit Spannung erwartet worden. Annegret Kramp-Karrenbauer schlug sich wacker - das Misstrauen der Delegierten konnte sie aber nicht ausräumen.

Harald Tittel/ DPA

Annegret Kramp-Karrenbauer beim Deutschlandtag der Jungen Union: kein Kuscheln

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Sonntag, 13.10.2019   12:51 Uhr

Morgens beim Frühstück im Hotel, verkaterter Dialog unter drei Mitgliedern der Jungen Union:

"Verstehe nicht, warum die AKK so früh sprechen lassen, am Sonntag um zehn Uhr, wo alle noch nicht ausgeschlafen haben und es keinen interessiert."
"Vielleicht, damit sie nicht ausgebuht wird?"
"Ist das nicht der Sinn der Sache?"

Wenig später steht Annegret Kramp-Karrenbauer beim Deutschlandtag der Jungen Union in Saarbrücken auf der Bühne. Vor einem nicht ganz gefüllten Saal erklärt die CDU-Vorsitzende, sie kenne das noch von früher und wisse, "der Sonntagmorgen ist das Härteste, was man erleben kann". Anders als alle anderen Gäste verschanzt sie sich nicht hinter dem Rednerpult, sondern geht am Bühnenrand in die Offensive.

Stimmenfang #116 - Chronik einer Pannenserie: Warum passieren Kramp-Karrenbauer so viele Fehler?

Immerhin sei der Saal so etwas wie "mein Wohnzimmer" und das Saarland ihre Heimat, sagt Kramp-Karrenbauer. Hier lebten Menschen mit absonderlichen Eigenschaften, "die jeden Tag aufstehen, jeden Tag zur Arbeit gehen, zum Teil sehr schwere Arbeit, die ihre Kinder erziehen", also "genau diejenigen, die die große Mehrheit in Deutschland abbilden".

Es würden sich diese "Leisen im Maschinenraum" des Landes abarbeiten, damit "die Lauten" sich einen schönen Lenz machen könnten "auf dem Sonnendeck in Berlin". Sie spricht vor verschränkten Armen und reservierten Gesichtern auch über das alles beherrschende Thema, das Klima: "Mit neuer Technologie, mit Offenheit und Mut" könne man alle Probleme lösen, wenn es mit einer starken Wirtschaft gehe, also "nach der Methode der Union". Es sei nämlich "das C der Buchstabe der Nachhaltigkeit".

Über weite Strecken allerdings ist es keine kanzlerhafte Rede, sondern klingt nach Verteidigungsministerin.

"Wer etwas aufbaut, kann auch wieder abbauen!"

Gerade komme Kramp-Karrenbauer aus dem Baltikum, dort sei man schon viel weiter mit der Digitalisierung: "Wir reden darüber, haben aber noch nicht ansatzweise verstanden, was Digitalisierung wirklich bedeutet."

Und in Mali habe ihr ein Soldat erzählt, dass er der deutschen Bürokratie in den Einsatz entwischen wollte - nur um festzustellen, dass die Bürokratie schon vor ihm da war. Zwar habe die CDU, so Kramp-Karrenbauer, diese Bürokratie maßgeblich aufgebaut: "Aber wer etwas aufbaut, kann auch wieder abbauen!"

Das Schaulaufen der Unionspolitiker beim Deutschlandtag in den vergangenen Tagen kommentierte sie nur mit der Bemerkung, es habe sich teilweise wie eine Episode von "Germany's Next Topmodel" angefühlt. Gleichwohl bemüht auch sie sich, die Jungkonservativen für sich einzunehmen. Hart hätten sie gearbeitet, sinnvolle Anträge eingebracht: "Mit euch kuschelt man nicht", die JU sei "der Motor dieser Partei".

Einer Partei, die die Vorsitzenden ihrer Vorfeldorganisationen ernst nehme. Anders also als die SPD, wo ein Kevin Kühnert "immer nur rumstänkert". Bei der CDU hingegen werde der rumstänkernde JU-Vorsitzende, Paul Ziemiak, mal eben Generalsekretär.

Wer klatscht mit?

Ansonsten ist auch in dieser Rede die SPD kein ernst zu nehmender Gegner mehr. Stattdessen greift Kramp-Karrenbauer mit büttenrednerhaften Bonmots die Grünen an. Die wähnten sich auf einer "intellektuellen Flughöhe von 10.000 plus", machten aber schon bei den Niederungen der Pendlerpauschale eine Bruchlandung.

Direkter wird sie im Hinblick auf die AfD, zu der sie im Bundestag "auf Hörweite sitze", etwa "in einer Linie mit Beatrix von Storch". Nach einem weiteren müden Witzchen über deren Intelligenz erklärt sie deutlich: "Die AfD ist der politische Arm des Rechtsradikalismus."

Die größte Gefahr für dieses Land und ihre Partei aber, das seien "wir selbst". Dann nämlich, wenn man es sich im Stillstand bequem mache und so weiter. Es folgt der übliche Refrain von Mut, harter Arbeit und Optimismus.

Applaudiert wird brav und seltsam rhythmisch. Und die Delegierten schauen sich dabei viel um im Saal, wer alles mitklatscht und wie lange das jetzt so weitergehen muss. Ausgebuht wird die Vorsitzende aber nicht.



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insgesamt 24 Beiträge
th.diebels 13.10.2019
1. Autsch
das tat weh ! A.K.K. dürfte damit endgültig ihre Pläne hinsichtlich (automatische) Kanzler-Kandidatin begraben ! Und das ist gut so !
das tat weh ! A.K.K. dürfte damit endgültig ihre Pläne hinsichtlich (automatische) Kanzler-Kandidatin begraben ! Und das ist gut so !
theoripp 13.10.2019
2. Intelligenz gefragt
Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Medien ihre Hetzjagd auf AKK beenden und sie ernst nehmen. Ein guter Auftritt von ihr bei der JU. Es gibt bessere Kanzlerkandidaten bei der CDU als sie, etwa Armin Laschet, aber die Art wie [...]
Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Medien ihre Hetzjagd auf AKK beenden und sie ernst nehmen. Ein guter Auftritt von ihr bei der JU. Es gibt bessere Kanzlerkandidaten bei der CDU als sie, etwa Armin Laschet, aber die Art wie sie von den Medien nieder gemacht wird, ist nicht in der Sache begründet. Das schließt begründete Kritik an ihrem verschwurbeltem Weltbild (Homo-Ehe, Latte Machiato) nicht aus.
josho 13.10.2019
3. Die Frage ist doch inzwischen...
..... nicht ob, sondern wie man ihr es beibringen kann, dass sie nicht Kanzlerkandidatin wird!
..... nicht ob, sondern wie man ihr es beibringen kann, dass sie nicht Kanzlerkandidatin wird!
Tschepalu 13.10.2019
4. Leute..
ich hab mir den Auftritt von AKK bei der JU in Saarbrücken angeschaut. Alles wie gehabt, Schuld sind immer die anderen, die AfD zum Beispiel. Wir müssen, wir sollten, wir werden....etc. Ich hab wirklich in meinem ganzen [...]
ich hab mir den Auftritt von AKK bei der JU in Saarbrücken angeschaut. Alles wie gehabt, Schuld sind immer die anderen, die AfD zum Beispiel. Wir müssen, wir sollten, wir werden....etc. Ich hab wirklich in meinem ganzen 60jährigen Leben nicht eine einzige Phrasendreschmaschine gehört wie AKK. Sie kämpft gegen die AfD, kriecht den Amis hinten rein, bekämpft angeblich die Grünen, ist sich aber nicht zu schade mit denen zu kooperieren wenn es um das Kanzleramt geht. Und die JU klatscht begeistert. Man kann über diesen Verein nur noch pausenlos den Kopf schütteln. AKK mag kämpferisch ein, aber sie wirkt maßlos arrogant und überheblich und merkt dabei nicht dass sie dabei nicht beim Wähler ankommt....
markus_wienken 13.10.2019
5.
Es gibt keine mediale Hetzjagd auf AKK, die Vorlagen für begründete Kritik und der Nachweis für Ihre Inkompetenz für eine Spitzenposition liefert die Dame regelmäßig selbst aufs Neue. Unlängst erst Ihre Bezeichnung [...]
Zitat von theorippVielleicht ist es an der Zeit, dass die Medien ihre Hetzjagd auf AKK beenden und sie ernst nehmen. Ein guter Auftritt von ihr bei der JU. Es gibt bessere Kanzlerkandidaten bei der CDU als sie, etwa Armin Laschet, aber die Art wie sie von den Medien nieder gemacht wird, ist nicht in der Sache begründet. Das schließt begründete Kritik an ihrem verschwurbeltem Weltbild (Homo-Ehe, Latte Machiato) nicht aus.
Es gibt keine mediale Hetzjagd auf AKK, die Vorlagen für begründete Kritik und der Nachweis für Ihre Inkompetenz für eine Spitzenposition liefert die Dame regelmäßig selbst aufs Neue. Unlängst erst Ihre Bezeichnung "Warnzeichen" für den jüngsten Terrorakt mit Toten.

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