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Laschet fordert Ende der Diskussion um Kanzlerkandidatur

CDU-Vize Laschet will die Diskussion um die nächste Kanzlerkandidatur in der Union vertagen. Anders als der Fraktionsvorsitzende Brinkhaus vermeidet er ein Bekenntnis zu CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer.

Bernd von Jutrczenka/DPA

Armin Laschet: "Sollten die Fragen klären, wenn sie anstehen und nicht vorher."

Mittwoch, 12.06.2019   10:16 Uhr

Wer folgt auf Angela Merkel und führt die CDU als Spitzenkandidat oder Spitzenkandidatin in den nächsten Wahlkampf? Diese Frage beschäftigt die Christdemokraten derzeit enorm. Dass es Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer wird, scheint zumindest nicht mehr sicher. Aus Sicht des stellvertretenden Parteivorsitzenden Armin Laschet kommt die gesamte Diskussion allerdings zu früh.

"Vor der nächsten Bundestagswahl werden sich CDU und CSU auf einen Kanzlerkandidaten einigen", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Annegret Kramp-Karrenbauer hat vorgeschlagen, dass die CDU sich dieser Frage auf einem Parteitag Ende 2020 widmen sollte. Wir sollten also die Fragen klären, wenn sie anstehen und nicht vorher."

Auf die Frage, ob die CDU-Vorsitzende den Erstzugriff auf die Kandidatur habe, antwortete Laschet: "Es ist völlig klar, dass Annegret Kramp-Karrenbauer diesen Prozess selbstverständlich führen und einen Vorschlag machen wird. Dennoch werbe ich dafür, die Personaldebatte jetzt zu beenden."

Gleichzeitig aber dürfte Laschet die Diskussion durch das Interview weiter befeuern: Die Frage, ob Kramp-Karrenbauer das Format habe, Kanzlerin zu werden, bejahte er. Die Frage, ob es noch andere in der Union mit einem solchen Format gäbe, allerdings auch.

Zerbricht die GroKo, könnte es schneller Wahlen geben

Mit dem Wechsel an der Parteispitze von Merkel zu Kramp-Karrenbauer hatte es zunächst kaum infrage gestanden, dass die neue CDU-Chefin auch die nächste Kanzlerkandidatin werden sollte. Aber nicht zuletzt der Umgang Kramp-Karrenbauers mit dem kritischen Video des YouTubers Rezo und das desolate Ergebnis bei der Europawahl hatten ihr Kritik eingebracht - auch intern.

Laschet hatte schon am Wochenende mit einem Interview in der "Welt am Sonntag" für Aufregung gesorgt. Da sagte er, mit Kramp-Karrenbauers Vorsitzendenwahl sei noch keine Entscheidung über die nächste Kanzlerkandidatur verbunden. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) sprach sich anschließend für Kramp-Karrenbauer als nächste Kanzlerkandidatin der Union aus.

Die konservative Werteunion befürwortete zuletzt, die Parteimitglieder über den nächsten Kanzlerkandidaten von CDU und CSU abstimmen zu lassen. Die Forderung nach einer Urwahl bekräftigte der Vorsitzende Alexander Mitsch in der "Passauer Neuen Presse" nun. "Eine Entscheidung dieser Tragweite sollte nicht im kleinen Kreis ausgekungelt werden", sagte er.

Die nächste Bundestagswahl wird spätestens 2021 stattfinden. Allerdings ist es nach dem Rücktritt von Andrea Nahles als Partei- und Fraktionschefin der SPD wahrscheinlicher geworden, dass die Große Koalition zwischen der Union und den Sozialdemokraten den Herbst nicht übersteht. Dann wären Neuwahlen möglich. Eine Alternative wäre eine Minderheitsregierung der Union. Diese hat Merkel bisher zwar abgelehnt. In ihrer Partei gibt es aber durchaus Sympathie für das Modell.



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aev/dpa

insgesamt 39 Beiträge
herrin 12.06.2019
1. Die Eine ist mir so lieb wie die beiden Anderen!
Weder AKK, noch Laschet, noch Merz sollten die Kanzlerkandidatur anstreben. Es wird Zeit für neues und jüngeres Blut. Nicht die abgehalfterten Parteifunktionäre! Der Stall gehört ausgemistet. Und Laschet schafft es schon nicht [...]
Weder AKK, noch Laschet, noch Merz sollten die Kanzlerkandidatur anstreben. Es wird Zeit für neues und jüngeres Blut. Nicht die abgehalfterten Parteifunktionäre! Der Stall gehört ausgemistet. Und Laschet schafft es schon nicht NRW aufzuräumen bzw. zu verwalten. Wie soll das dann im Bund klappen? Nein, Jungs und Mädel, haltet die FInger da raus. Und lasst jemand Neues und Unverbrauchtes das Thema stemmen!
MagittaW 12.06.2019
2. Keiner wirds!
Laschet oder Kramp-Karrenbauer? Skylla oder Charybdis? Ich denke mal: keiner wirds! Das mag jetzt komisch klingen, aber "Kramp-Karrenbauer" klingt für mich einfach zu sonderbar, zu lang um sympatisch zu wirken. [...]
Laschet oder Kramp-Karrenbauer? Skylla oder Charybdis? Ich denke mal: keiner wirds! Das mag jetzt komisch klingen, aber "Kramp-Karrenbauer" klingt für mich einfach zu sonderbar, zu lang um sympatisch zu wirken. "Laschet" klingt besser - und wie sprachwissenschaftliche Studien beweisen: Nomen est omen! Ja, der Name hat Einfluss auf die Karriere, siehe Trump, Obama, Bush, Kohl, Brand, Schmidt, Merkel, etc... Deshalb heißt der nächste Bundeskanzler: Habeck! Oder Scholz (ja, der Spaß musste sein - vom Namen her würde es passen).
sparrenburger 12.06.2019
3. nix gelernt
Die CDU tut nicht mal so, als ob sie aus der EU-Wahl was gelernt hat. Themen sind denen sch...egal. Hauptsache die direkte Konkurenz hat noch größere Verluste und man selbst bleibt Gesprächsthema. Dann ist deren Welt schon in [...]
Die CDU tut nicht mal so, als ob sie aus der EU-Wahl was gelernt hat. Themen sind denen sch...egal. Hauptsache die direkte Konkurenz hat noch größere Verluste und man selbst bleibt Gesprächsthema. Dann ist deren Welt schon in Ordnung. Dauert bestimmt nicht mehr lange und F. Merz wird wieder aus der Kiste gezogen. Es werden schließlich neue Gesichter gebraucht^^.
Freidenker10 12.06.2019
4.
Laschet kommt zwar eloquent und jovial rüber, ist aber am Ende des Tages ein Merkel-Boy und Merkel genauso verpflichtet wie AKK. Laschet als Kanzler mit den Grünen in einer Koaltition wäre mit zu weit links und zu unsozial. Ob [...]
Laschet kommt zwar eloquent und jovial rüber, ist aber am Ende des Tages ein Merkel-Boy und Merkel genauso verpflichtet wie AKK. Laschet als Kanzler mit den Grünen in einer Koaltition wäre mit zu weit links und zu unsozial. Ob er sich gerade dafür positioniert weiß ich nicht, hoffe es aber nicht. Vielleicht durchbrechen die Wähler aber auch bis dahin dieses "Scheingesetz" das es einen Unionskanzler geben muss, wäre mir derzeit am liebsten, ohne jetzt ein allzu großer Grünen-Fan zu sein. Hätte den Vorteil das die Grünen endlich Farbe bezüglich ihres Flüchtlingskurses und auch ihrer sozialen Ausrichtung bekennen müssten! Mit einem Unionskanzler könnten sie ansonsten das Good Cop - Bad Cop Spielchen weiterspielen...
kratzdistel 12.06.2019
5. gut ding braucht weil
es gibt überhaupt keine gründe, für eine personaldebatte in der CDU. wir hatten jetzt eu-wahlen und keine Bundestagswahlen. noch immer haben CDU und die SPD die Stimmenmehrheit. es war für viele ein fehler, Merkels getreuen [...]
es gibt überhaupt keine gründe, für eine personaldebatte in der CDU. wir hatten jetzt eu-wahlen und keine Bundestagswahlen. noch immer haben CDU und die SPD die Stimmenmehrheit. es war für viele ein fehler, Merkels getreuen Kauder durch Brinkhaus zu ersetzen. noch ist vieles aus der groko-vereinbarung nicht umgesetzt. das ganze spekulieren auf Regierungswechsel ist doch des teufels.man darf auch nicht das Ergebnis der eu-wahl berücksichtigen, sondern das der Bundestagswahl 2017. da gab es verweigerer, die sollen schön warten bis zur nächsten Wahl. noch sitzt die Regierung fest im sattel und muss keinen kranken abgeordneten zur Stimmabgabe in den bundestag tragen wie einst die CDU, um für ein gesetz eine stimme mehr zu haben.rot, rot grün verträgt sich nicht in vielen Bundesländern. das führt nur zum roten socken wahlkampf. Damit war Ypsilanti in Hessen gescheitert und M;erz hat Aversionen gegen die Grünen. dann ist das beste es bleibt wie es ist. wichtiger ist, dass die CDU das umsetzt, was sie verspricht. über skolstrejk för klimated und den verdruss nach dem dieselabgasskandal mit all seinen folgen darf sie sich nicht wundern.

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