Politik

Rechte in KZ-Gedenkstätten

"Wir haben einen Notfallplan"

Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald hat AfD-Mitgliedern Hausverbot ausgesprochen. So weit gehen andere Erinnerungsorte nicht - doch auch sie sind auf unliebsamen Besuch vorbereitet.

AFP

Eingangstor des früheren KZ Dachau

Freitag, 25.01.2019   18:16 Uhr

Nach der Entscheidung der Gedenkstätte des KZ Buchenwald, AfD-Mitgliedern Hausverbot zu erteilen, unterstützen weitere deutsche Gedenkstätten das Vorgehen. "Wir würden es genau so machen, hätten wir einen ähnlichen Fall", sagte Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in Bayern. Flossenbürg selbst habe noch keine gezielten Anfeindungen durch AfD-Mitglieder erfahren, ein Notfallplan sei aber bereits ausgearbeitet.

Der Plan schreibe genau vor, welche Äußerungen zugelassen seien und wie mit Verstößen umgegangen werde. Wenn etwa die Aufschrift auf einem T-Shirt eine Sympathiebekundung für eine rechte politische Gesinnung belege, spreche man die Besucher darauf an. "Wir sagen dann: Wir schließen Sie nicht vom Besuch aus, aber Sie müssen Ihr T-Shirt ausziehen oder es auf links drehen", so Skriebeleit. Die höchste Eskalationsstufe sei der Verweis vom Gelände der Gedenkstätte.

Auch in Hamburg wird zurzeit intern diskutiert, ob eine Besucherordnung sinnvoll sei, sagt Oliver von Wrochem, Leiter des Studienzentrums der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. "Wenn sich jemand verfassungswidrig äußert oder bestimmte Symbole zeigt, kann er natürlich auch heute schon vom Gelände verwiesen werden." Doch es gehe vor allem um die Grenzfälle, mit denen man einen Umgang finden müsse.

Die Gedenkstätte Neuengamme habe ebenfalls noch keine gezielten Anfeindungen erlebt. "Die Reaktion der Gedenkstätte Buchenwald halte ich aber für absolut berechtigt", so Wrochem. Jede deutsche Gedenkstätte beobachte die aktuellen Entwicklungen mit Sorge.

Zuvor hatte die Gedenkstätte des früheren KZ Buchenwald AfD-Mitgliedern Hausverbot erteilt. Am Freitag wurde dort mit Überlebenden des Holocaust und Vertretern der Thüringer Landesregierung ein Kranz für die Opfer niedergelegt, daran durften Parteimitglieder nicht teilnehmen.

Die Stiftung halte es für geboten, "dass Vertreter der AfD an einer Gedenkveranstaltung an diesen Orten nicht teilnehmen, solange sie sich nicht glaubhaft von den antidemokratischen, menschenrechtsfeindlichen und geschichtsrevisionistischen Positionen in ihrer Partei distanzieren", hieß es in einer Stellungnahme.

Im Konzentrationslager Buchenwald in der Nähe von Weimar starben bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges mehr als 56.000 Menschen durch Folter, medizinische Experimente, Hunger und Krankheit. In speziellen Einrichtungen wurden mehr als 8000 sowjetische Kriegsgefangene erschossen. Es war eines der größten KZ auf deutschem Boden. Von 1937 bis April 1945 verschleppten die Nationalsozialisten rund 270.000 Menschen aus ganz Europa dorthin.

lmd

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