Politik

Kramp-Karrenbauer in Afrika

Soldaten mussten wegen AKK-Besuch Heimflug verschieben

Bei der Bundeswehr in Mali herrscht nach dem Besuch von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer Frust: Viele Soldaten mussten wegen der Visite ihre geplante Heimreise verschieben. Die Ministerin zeigt sich reumütig.

Arne Immanuel Bänsch/ DPA

Ministerin Kramp-Karrenbauer auf dem Luftwaffenstützpunkt im Niger: "Es muss sichergestellt werden, dass wir gemeinsam fliegen können"

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Mittwoch, 09.10.2019   16:27 Uhr

Der kurze Besuch von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Mali hat unter deutschen Soldaten für Verstimmung gesorgt. Noch während die Ministerin am Dienstag für nur rund fünf Stunden im deutschen Camp Castor in Nordmali Gespräche führte, beschwerten sich Soldaten bei den mitgereisten Bundestagsabgeordneten.

Verärgert berichteten sie, dass eine große Gruppe von bis zu 200 Soldaten ihre bereits länger geplante Heimreise nach Deutschland wegen des Besuchs der Ministerin verschieben musste.

Auch Kramp-Karrenbauer selbst wurde während ihrer Visite über den Unmut der Soldaten informiert. So berichtete ihr der Linken-Abgeordnete Tobias Pflüger von seinen Gesprächen mit den Soldaten. Später dann sollen auch einzelne Soldaten selber auf die Befehlshaberin zugegangen sein.

Ursprünglich hätten demnach bis zu 200 der insgesamt 760 Soldaten in Mali an den Tagen des Besuchs ausgeflogen werden sollen. Laut den Soldaten mussten viele von ihnen deswegen ihre Urlaube umbuchen.

Logistische Gründe

Die Verschiebung hat logistische Gründe. So fliegen die grauen Truppentransporter der Luftwaffe den Stützpunkt Gao aus Sicherheitsgründen nicht direkt an. Stattdessen werden die Soldaten von Mali aus zunächst mit geschützten Militärmaschinen nach Niger gebracht. Von dort aus dann starten die grauen A310, die mehr als 200 Sitzplätze haben, in Richtung Heimat. Wegen Kramp-Karrenbauers Visite aber wurden sowohl der Militärtransporter vom Typ A400M sowie der Truppenflieger für die Ministerin und ihre Delegation genutzt.

Kramp-Karrenbauer zeigte sich nach den Beschwerden ziemlich vergrätzt. Gleich am Tag nach der Rückkehr aus Mali ließ sie wissen, sie wolle für künftige Reisen zur Truppe Konsequenzen ziehen. "Wenn wegen meinen Besuchen Soldatinnen und Soldaten auf ihre Flüge warten müssen, dann sage ich meine Reise entweder ab oder es muss sichergestellt werden, dass wir gemeinsam fliegen können", wurde Kramp-Karrenbauer von der Nachrichtenagentur dpa zitiert. Wegen des Vorgangs habe es intern "gekracht".

Die Aussagen von Kramp-Karrenbauer sind etwas kurios. So ist es Routine, dass gerade Besuche von Verteidigungsministern in gefährlichen Einsatzgebieten wie Mali oder Afghanistan vom dortigen Kontingent aufwendig geplant und vorbereitet werden.

Faktisch kümmern sich die Soldaten vor Ort schon Wochen vor den Kurz-Visiten um kaum noch etwas anderes. Dass wegen solcher Besuche immer mal wieder auch Heimflüge verschoben werden müssen, heißt es bei erfahrenen Soldaten, sei absolut üblich.

Die Linken sparten trotz der reumütigen Aussagen Kramp-Karrenbauers nicht mit Kritik. "Die Ministerin oder zumindest ihr Team müssen doch gewusst haben, dass die Reise zeitgleich zu einem Kontigentwechsel geplant wurde", sagte der Verteidigungspolitiker Pflüger dem SPIEGEL: "Wer so etwas übersieht oder ignoriert, zieht zu Recht den Ärger der Truppe auf sich."

Mit der Reise nach Afrika hatte Kramp-Karrenbauer das zweite Mal nach ihrem überraschenden Wechsel in Verteidigungsressort die Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz besucht. Nach einem kurzen Stopp in Niger war sie zunächst nach Bamako, in die Haupstadt Malis, gereist und dann nach Gao weitergeflogen. Dort bekam sie ein Lagebriefing, zudem erklärten ihr die Soldaten, wie sie die Aufklärungsdrohnen vom Typ "Heron" in Mali einsetzen.

insgesamt 47 Beiträge
stefanbodensee 09.10.2019
1. Kurios?
Was ist kurios? Dass die Soldaten sich beschweren, daß sie umbuchen mussten wegen AKK - oder dass sie sich beschweren, obwohl das dortige Kontingent bereits vorab ausreichend vom Besuch der VM gewusst hatte und es hinreichend [...]
Was ist kurios? Dass die Soldaten sich beschweren, daß sie umbuchen mussten wegen AKK - oder dass sie sich beschweren, obwohl das dortige Kontingent bereits vorab ausreichend vom Besuch der VM gewusst hatte und es hinreichend bekannt war - oder dass AKK nun meint, sich trotz korrekt erfolgter Anmeldung vor Ort nachträglich auf die Seite der Soldaten stellen zu müssen? Kurios kurios....so vieles ....
spieglein-an-der-wand 09.10.2019
2. Geht's noch?
SPON lässt wohl keine Gelegenheit aus, Kramp-Karrenbauer an die Karre zu fahren. Hinter der Überschrift vermutet man, dass sie persönlich die Soldaten von ihrem Heimflug abgehalten hat. Im Artikel selbst kriegt man dann mit, [...]
SPON lässt wohl keine Gelegenheit aus, Kramp-Karrenbauer an die Karre zu fahren. Hinter der Überschrift vermutet man, dass sie persönlich die Soldaten von ihrem Heimflug abgehalten hat. Im Artikel selbst kriegt man dann mit, dass ein logistisches Problem dahinter steckt, für das sie nun wahrlich nicht verantwortlich gemacht werden kann. Und überhaupt: Wenn mein Job mich ins Ausland führt (und nicht nur dann), muss ich immer auf Unbill gefasst sein. Seien wir doch froh, dass es keinen militärischen Grund gab für die verzögerte Heimreise unserer Soldaten.
lawgiver74 09.10.2019
3. Für ein gutes Foto mit Deutschlands unbeliebtester Politikerin ...
… kann man ruhig auch mal die Familie in Deutschland warten lassen. Schade, dass unsere Soldaten nicht verstehen, wie wichtig eine gute Öffentlichkeitsarbeit ist. Frau Trump-Karrenbauer hat dies schon lange verstanden und [...]
… kann man ruhig auch mal die Familie in Deutschland warten lassen. Schade, dass unsere Soldaten nicht verstehen, wie wichtig eine gute Öffentlichkeitsarbeit ist. Frau Trump-Karrenbauer hat dies schon lange verstanden und erfreut regelmäßig mit neuen Takt- und Sinnlosigkeiten, sei dies als dienstbeflissene Homophobe Putzfrau oder als Kummerkastentante, die den US-Präsidenten vor allzu harter Kritik in Schutz nimmt.
pecreativ 09.10.2019
4. Die Annegret aus Saarbrücken
ist entweder komplett ahnungslos oder tut so. Bestimmt wird extra für sie ein Schuldiger ausgemacht. Aus gemachten Erfahrungen maximal ein Feldwebel der nicht verstehen will wie sehr sich seine Dienstherrin tagtäglich um die [...]
ist entweder komplett ahnungslos oder tut so. Bestimmt wird extra für sie ein Schuldiger ausgemacht. Aus gemachten Erfahrungen maximal ein Feldwebel der nicht verstehen will wie sehr sich seine Dienstherrin tagtäglich um die Urlaubszeit ihrer Truppe sorgt.
normalerfamilienvater 09.10.2019
5. "Kurios" ?
"Die Aussagen von Kramp-Karrenbauer sind etwas kurios." Sie hat einfach nicht die geringste Ahnung, auf was sie sich eingelassen hat. Kann man natürlich auch positiv sehen, so wird sie grandios scheitern, bevor sie [...]
"Die Aussagen von Kramp-Karrenbauer sind etwas kurios." Sie hat einfach nicht die geringste Ahnung, auf was sie sich eingelassen hat. Kann man natürlich auch positiv sehen, so wird sie grandios scheitern, bevor sie Schlimmeres (Kanzlerkandidatur) anrichten kann.

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