Politik

Marodes Schienennetz

Bahn-Betriebsräte schlagen Alarm

270 Bahn-Betriebsräte fordern von Verkehrsminister Scheuer in einem Brandbrief 2,7 Milliarden Euro mehr Investitionen in das marode Schienennetz. Sie monieren einen "besorgniserregenden Zustand".

DPA

Insgesamt zehn Milliarden Euro mehr pro Jahr für Investitionen fordern Bahn-Betriebsräte in einem Brief an Scheuer. Vor allem für das marode Schienennetz (Symbolbild).

Samstag, 20.04.2019   16:56 Uhr

"Auch 25 Jahre nach der Bahnreform ist die Schieneninfrastruktur des Bundes weiter dramatisch unterfinanziert und hat aus unserer Sicht einen besorgniserregenden Zustand erreicht", heißt es in einem Schreiben an Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Der Brief wurde von 270 Betriebsräten der Deutschen Bahn unterzeichnet.

Für die Modernisierung des Schienennetzes fordern die Betriebsräte zusätzliche 2,7 Milliarden Euro pro Jahr. Nach den Haushaltseckwerten soll die Bahn von 2020 an jährlich 4,5 Milliarden Euro bekommen, um ihr Netz instand zu halten. Das ist schon eine Milliarde mehr als bisher - aber aus Sicht der Betriebsräte immer noch zu wenig.

Um alle nötigen Verbesserungen umsetzen zu können, braucht die Bahn nach Angaben der Verfasser bis 2030 sogar insgesamt jährlich zusätzliche zehn Milliarden Euro. Denn zum Schienenausbau kämen auch noch die Digitalisierung der Fahrzeuge oder der Umbau von Bahnhöfen dazu.

"Wenn Gleise Menschen wären, wäre jeder sechste jenseits des Rentenalters"

Nicht nur die Kunden, auch die Mitarbeiter des Staatskonzerns bekommen nach Aussage der Betriebsräte die Auswirkungen des maroden Netzes zu spüren. Sie müssten die veraltete Infrastruktur immer wieder reparieren, um einen sicheren Betrieb zu garantieren "oft am Rande der persönlichen Belastungsgrenze oder darüber hinaus", wie es weiter in dem Brandbrief heißt.

Dabei sollen sich die Menge der Reisenden nach Willen von Bahnchef Richard Lutz über die nächsten Jahre noch erheblich erhöhen. Sein Unternehmen hatte angekündigt, die Passagierzahlen bis zum Jahr 2030 auf mehr als 200 Millionen Fernreisende zu erhöhen. 2018 fuhren etwa 148 Millionen Reisende mit Fernverkehrszügen und damit vier Prozent mehr als noch 2017.

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung Lutz: "Die Menschen wollen mit der Bahn reisen. Allerdings wird 2030 eine Herausforderung, allein weil wir derzeit aufgrund der Infrastruktur limitiert sind." Den Rückstau bezeichnete er als enorm. "Wenn unsere Gleise Menschen wären, wäre jeder sechste jenseits des Rentenalters und müsste trotzdem jeden Tag einen verdammt harten Job erledigen."

cbu/dpa

insgesamt 53 Beiträge
claus7447 20.04.2019
1. Sie haben vermutlich recht
Seit Mähdorn (Mehdorn) würde die Bahn kaputtgespart. Projekte die nur aus politischen und Prestige Gründen gestartet wurden laufen aus dem Ruder, S21, dafür fehlt das Geld an allen Ecken. Darüber hinaus, gibt es überhaupt [...]
Seit Mähdorn (Mehdorn) würde die Bahn kaputtgespart. Projekte die nur aus politischen und Prestige Gründen gestartet wurden laufen aus dem Ruder, S21, dafür fehlt das Geld an allen Ecken. Darüber hinaus, gibt es überhaupt die benötigte baukapazität? Fahre gerade ein paar Tage per DB durch NRW, nur Baustelle hinter Baustelle.
ein-berliner 20.04.2019
2. Gut geschlafen?
Wo waren diese besorgten Betriebsräte in den letzten Jahre? Sind sie plötzlich aufgewacht?
Wo waren diese besorgten Betriebsräte in den letzten Jahre? Sind sie plötzlich aufgewacht?
meinemutti 20.04.2019
3. Die Bahn versenkt ihr Geld in
sinnlosen Projekten, wie z.B. Stuttgart21, baut den Güterverkehr ab statt aus, reduziert den Komfort, die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit und will dann als Privatunternehmen noch mehr Geld vom Staat????? Eine [...]
sinnlosen Projekten, wie z.B. Stuttgart21, baut den Güterverkehr ab statt aus, reduziert den Komfort, die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit und will dann als Privatunternehmen noch mehr Geld vom Staat????? Eine (Rück-)Verstaatlichung der Bahn und des Netzes ist wahrscheinlich die einzige vernünftige Antwort.
brooklyner 20.04.2019
4.
Wann beginnt eigentlich der Prozess gegen Mehdorn? Dazu hab ich bis dato noch nirgends etwas finden können. Selbst Winterkorn wird langsam belangt, aber die Abrissbirne der deutschen Industrie lacht sich offenbar immer noch nen [...]
Wann beginnt eigentlich der Prozess gegen Mehdorn? Dazu hab ich bis dato noch nirgends etwas finden können. Selbst Winterkorn wird langsam belangt, aber die Abrissbirne der deutschen Industrie lacht sich offenbar immer noch nen Ast...
qjhg 20.04.2019
5. Man stelle sich nur einmal vor,
Herr Mehdorn hätte es geschafft, die Bahn an die Börse zu bringen. Damals wurde dass Unternehmen offensichtlich schön geredet, man sprach sogar von Gewinnen. Offensichtlich hatte man von der Substanz gelebt und Investitionen [...]
Herr Mehdorn hätte es geschafft, die Bahn an die Börse zu bringen. Damals wurde dass Unternehmen offensichtlich schön geredet, man sprach sogar von Gewinnen. Offensichtlich hatte man von der Substanz gelebt und Investitionen vernachlässigt. Als dann der Börsengang wegen der Finanzkrise zum Glück nicht stattfand, würde die Misere sichtbar. Der erste große Skandal trat auf, als die Berliner S-Bahn über Jahre ihren Verkehr wegen reparaturbedürftiger S- Bahnen einschränken musste, dann folgten die weiteren Probleme mit Allen Zugarten und nun marode Schienen. Man stelle sich einmal vor, die Bahn wäre privatisiert, dann würden nicht nur die Aktionäre betrogen worden, auch die Bahnnutzer hätten noch größere Einschränkungen hinnehmen müssen, weil die Firma Bahn ja dramatisch Kosten hätte sparen müssen. Nun ist die Bundesregierung gefragt, die Bahnmisere zu stoppen und Privatisierungsgelüste für alle Zeiten zu begraben.

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