Politik

Hinweise vom Hauptverdächtigen

Zwei weitere Festnahmen im Mordfall Lübcke - Ermittler entdecken Waffenversteck

Im Mordfall Lübcke hat die Polizei nach SPIEGEL-Informationen zwei weitere Verdächtige gefasst, gegen sie wird wegen Beihilfe zum Mord ermittelt. Auch ein Waffenversteck wurde entdeckt.

Ralph Orlowski/REUTERS

Donnerstag, 27.06.2019   08:45 Uhr

Den Ermittlern im Mordfall Lübcke ist ein weiterer Fahndungserfolg gelungen. Auf Hinweis des Geständigen Stephan Ernst nahm die Polizei nach SPIEGEL-Informationen zwei weitere Personen fest. Der mutmaßliche Waffenhändler aus Nordrhein-Westfalen sowie der mutmaßliche Vermittler des Geschäfts zwischen Ernst und dem Händler wurden inhaftiert.

Gegen beide Personen wird wegen Beihilfe zum Mord ermittelt, sie wurden einem Haftrichter vorgeführt. Der Generalbundesanwalt kündigte an, Haftbefehle gegen beide zu beantragen. Zudem wurde ein Waffenversteck entdeckt. Auch hierzu stammte der Hinweis von Ernst. Zuerst hatte die "Süddeutsche Zeitung" über die Vorgänge berichtet.

Bei dem mutmaßlichen Waffenlieferanten handelt es sich um einen 64-jährigen Mann namens Elmar J. aus dem ostwestfälischen Landkreis Höxter, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte - er soll die spätere Tatwaffe 2016 an Ernst verkauft haben. Der andere Festgenommene ist demnach Markus H. aus Kassel. Polizisten durchsuchten die Wohnungen der beiden.

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H. hat nach SPIEGEL-Informationen seit Längerem Kontakte in die rechtsextreme Szene und war den Behörden in der Vergangenheit einschlägig aufgefallen. So war der 43-Jährige auch 2009 bei einem Sturm von 400 "Autonomen Nationalisten" auf eine Gewerkschaftskundgebung in Dortmund dabei, an dem auch Stephan Ernst teilnahm. Beide wurden damals festgenommen, ein Gericht verurteilte Ernst später wegen Landfriedensbruchs.

Elmar J., den das SEK Hessen festnahm, war den Behörden nach SPIEGEL-Informationen bislang offenbar nicht bekannt. Demnach lagen nach ersten Erkenntnissen weder allgemeinpolizeiliche noch Staatsschutz-Erkenntnisse vor. Das bedeutet, dass er wohl weder als Krimineller noch als Extremist aufgefallen ist. Auch der Verfassungsschutz kannte J. bislang nicht.

Eine Pumpgun, eine Maschinenpistole und Munition

Am Mittwoch hatte der Verteidiger von Stephan Ernst dem SPIEGEL bestätigt, dass sein Mandant die Tötung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gestanden habe. Möglicherweise werde Stephan Ernst "in nächster Zeit" öffentliche Erklärungen abgeben, sagte der Anwalt. (Mehr über den Fall Lübcke erfahren Sie hier in der SPIEGEL-Titelstory.)

Laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hatte Ernst in seinem Geständnis offengelegt, dass er über zahlreiche Waffen verfügt - neben der Tatwaffe auch über eine Pumpgun und eine Maschinenpistole vom Typ Uzi samt Munition. Er nannte Details, wie er sich diese beschafft hat und offenbarte die Verstecke. Ermittler fanden demzufolge fünf Waffen in einem Erddepot auf dem Gelände seines Arbeitgebers, einem Bahnzulieferer in Kassel.

Zuvor hatte Generalbundesanwalt Peter Frank nach einer Sondersitzung des Bundestags-Innenausschusses von dem Geständnis berichtet. Ernst habe ausgesagt, die Tat allein vorbereitet und durchgeführt zu haben.

Ernst sitzt bereits seit Mitte Juni unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Der 45-Jährige hat eine lange Vergangenheit als gewaltbereiter Rechtsextremist, er fiel zudem wiederholt mit Gewaltdelikten, Verstößen gegen das Waffengesetz, wegen Eigentumsdelikten sowie gemeingefährlicher Straftaten auf. (Mehr über den Tatverdächtigen erfahren Sie hier.)

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses im hessischen Wolfhagen-Istha niedergeschossen worden. Die Bundesanwaltschaft stuft das Verbrechen als politisches Attentat mit rechtsextremem Hintergrund ein.

fis/wow/jat/jdl/mxw/dpa

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