Politik

Friedrich Merz über Merkel-Nachfolge

"Wir brauchen keinen Umsturz"

Friedrich Merz will CDU-Parteivorsitzender werden - und hat nun auch gesagt, warum. Er wolle der Partei Ordnung und Erneuerung bringen. Mit Kanzlerin Angela Merkel werde er "auskommen und klarkommen".

Foto: DPA
Mittwoch, 31.10.2018   15:08 Uhr

"Mein Name ist Friedrich Merz. Mit e." So stellte sich der Kandidat für den CDU-Vorsitz am Mittwochnachmittag den Journalisten in der Bundespressekonferenz vor. In einer Version der Einladung, die am Vormittag kurzfristig verteilt wurde, war sein Name Friedrich März geschrieben worden.

Dann stellte der 62-Jährige in knappen Zügen seine Motive für die Kandidatur um den CDU-Parteivorsitz vor. "Die CDU braucht Ordnung und Erneuerung", sagte Merz. "Wir dürfen nicht hinnehmen, dass sich am rechten und linken Rand unserer Gesellschaft Parteien etablieren, die unsere Gesellschaft spalten. Hier hilft keine Wählerbeschimpfung, sondern ein klares politische Profil und politische Lösungen." Als größte Herausforderungen für die Politik nannte Merz die Themen Migration, Globalisierung, Klimawandel und Digitalisierung.

Die Volksparteien seien zutiefst verunsichert und brauchten neue Orientierung. Die Union müsse sich Klarheit schaffen über ihren Markenkern, sagte Merz. "Wir müssen verstehen, was die Menschen im Land bewegt und dürfen sie nicht mit Floskeln abspeisen."

"Zu versöhnen gibt es nichts"

Merz wollte seine Kandidatur ausdrücklich nicht als Bruch mit der Politik von Angela Merkel verstanden wissen. "Wir brauchen keinen Umsturz", sagte Merz. "Angela Merkel verdient wirklich großen Respekt und Anerkennung für ihre Leistungen in den vergangenen 18 Jahren." Zu Merkels Entscheidung, Merz im Jahr 2002 den Fraktionsvorsitz zu entziehen und diesen Posten selbst zu übernehmen, sagt er. "Die Entscheidung damals hat mir nicht gefallen, war aber richtig."

Stimmenfang #72 - Merkels Rückzugsplan und wer ihn torpedieren kann

Über sein persönliches Verhältnis zur Bundeskanzlerin sagte Merz: "Zu versöhnen gibt es nichts. Wir haben uns mehrfach getroffen und gut verstanden. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir miteinander auskommen und klarkommen werden."

In puncto Europa- und Außenpolitik betonte Merz: "Vor Ihnen steht ein überzeugter Europäer, ein überzeugter Transatlantiker. Die Demokratien des Westens sind unsere wichtigsten Verbündeten."

Angesprochen auf seine Arbeit in der Wirtschaft in den vergangenen Jahren, sagte Merz: "Ich werde meine beruflichen Erfahrungen auf nationaler und internationaler Ebene einbringen." Er betonte, dass er den deutschen Ableger des Vermögensverwalters Blackrock nicht führe, sondern lediglich die Führung als Aufsichtsratschef beaufsichtige. Die Bezeichnung "neoliberal" für seine Person wies Merz zurück. Er bemängelte aber, dass es in Deutschland viel zu wenige Aktienbesitzer gebe.

Merz sagte, er stehe im Kontakt mit Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn, die beim Parteitag am 7. Dezember in Hamburg ebenfalls für den CDU-Vorsitz kandidieren. Er brachte CDU-Regionalkonferenzen ins Spiel, auf denen er mit seinen Kontrahenten diskutieren wollte.

syd

insgesamt 114 Beiträge
claude 31.10.2018
1. junge Wählerschaft ?
Herr Merz ist ein Kandidat, der bei der jungen Wählerschaft durchfällt bzw. kaum bekannt ist, währrend er bei den älteren Semestern punktet. Das kann schwerlich eine Erneuerung sein. Die CDU wird zuhnehmend zur Rentnerpartei.
Herr Merz ist ein Kandidat, der bei der jungen Wählerschaft durchfällt bzw. kaum bekannt ist, währrend er bei den älteren Semestern punktet. Das kann schwerlich eine Erneuerung sein. Die CDU wird zuhnehmend zur Rentnerpartei.
markniss 31.10.2018
2. Souverän
Das war souverän. Ich freue mich auf mehr! Mir kommt es vor, als ob ein frischer Wind durch's Land wehen würde.
Das war souverän. Ich freue mich auf mehr! Mir kommt es vor, als ob ein frischer Wind durch's Land wehen würde.
Watschn 31.10.2018
3. Kein Umsturz. Vielleicht kommt gar ein wirts.-neoliberaler Merkel 2.0
Merz kommt klar von der wirts.neoliberalen Ecke. Und wenn er sich (vom Hörensagen) in der Politik (ausser dem Stil) kaum von Merkel unterscheidet? (Befürwortung ihrer Migrationspolitik der offenen, unkontr. Grenzen/u. JA [...]
Merz kommt klar von der wirts.neoliberalen Ecke. Und wenn er sich (vom Hörensagen) in der Politik (ausser dem Stil) kaum von Merkel unterscheidet? (Befürwortung ihrer Migrationspolitik der offenen, unkontr. Grenzen/u. JA Deutschlands zum Globalen Migration-Pakt der UN - zwecks Aufrechterhaltung von Lohndrückerei/Niedriglohnstrukturen, JA zur sog. 'Eurorettungspolitik' mit der folglich immensen dt. Haftungsspirale/u. JA zur EZB-Nullzinspolitik, JA zur Schuldenunion mit europ. Vergemeinschaftung der dt. Spareinlagen?; ....Dann wird er schlicht zu Merkel 2.0, im wirts.-neoliberalem Gewande. Wenn die CDU ihn unter solchen Gesichtspunkten trotzdem als Parteivorsitzender/Kanzler will, na denn...wohl bekomm's Dann wird die AfD erleichtert aufatmen, frohlocken, feixen, u. den Kurs zur stärksten deutschen bürgerlich-nationalkonservativen Volkspartei an dieser (weiter konservativ-vernachlässigenden) CDU vorbei...., aufnehmen können. Machen wir uns ehrlich, das Personaltableau der CDU ist nicht sehr üppig. Da wäre auf der rechts-neoliberalen Seite: Merz, Linnemann Auf der eher rechts-konservativen Seite: Spahn, Brinkmann Auf der eher mittelinks-liberalen Seite: Röttgen, Laschet Auf der eher linksgrün-liberalen Seite: AKK, Günther (evtl. noch Altmaier) Alles nicht so sehr überzeugend. M.E. sind Merz u. Linnemann aufgrund ihrer primär wirts.-neoliberalen Ausrichtung eher untendurch. Spahn u. Brinkmann anhand ihrer Mängel in Exekutiverfahrungen irgendwie noch nicht reif für das Kanzleramt. Röttgen hat den Exekutivtest nicht bestanden, fällt durch. Laschet ist dem Kanzleramt von seiner Statur her nicht gewachsen. AKK, Günther u. evtl. Altmaier sind viel zu linkslastig und fallen als Merkels 2.0 ebenfalls aus dem konservativ-geschärfteren CDU-Raster... Nun, Horst Seehofer (man kann da monieren was man will), hat bravouröse Exekutiverfahrungen (bayr. MP, einmal mit absoluter Mehrheit gewählt) u. ist in der Politik durch versch. Ressorts (Gesundheit, Landwirtschaft) gestählt u. international polit. versiert und gut vernetzt. Ausserdem bürgerlich-konservativ aber nicht neoliberal, sondern eher sozial gesinnt! Würde mal sagen; ...nicht schlecht als Interimskanzler für eine Unions-Kanzlerübergangsphase, oder eine Berliner Legislatur.
trantow15 31.10.2018
4. Ist Friedrich Merz nicht mehr der fiese Fritz?
Herr Merz war es,der einen Regelsatz von 132 Euro per Monat forderte - das wäre genug zum Leben. Dieser feine Herr soll Vorsitzender der CDU nach eigenem Bekunden werden, zumindest will er es! Für mich ist Merz ein Wolf im [...]
Herr Merz war es,der einen Regelsatz von 132 Euro per Monat forderte - das wäre genug zum Leben. Dieser feine Herr soll Vorsitzender der CDU nach eigenem Bekunden werden, zumindest will er es! Für mich ist Merz ein Wolf im Schafpelz, der momentan Kreide gefressen hat.
volkerrachow 31.10.2018
5. Der Merz, der Merz ist da
Bringt uns... Ja, was eigentlich? Spinnen wir mal rum. Wenn der Merz Parteivorsitzender wird, und die Chancen stehen verdammt gut, und dann noch Übergangskanzler, dann hat Otto Normalbürger nichts mehr zu lachen. Denn der ist [...]
Bringt uns... Ja, was eigentlich? Spinnen wir mal rum. Wenn der Merz Parteivorsitzender wird, und die Chancen stehen verdammt gut, und dann noch Übergangskanzler, dann hat Otto Normalbürger nichts mehr zu lachen. Denn der ist nur für die nächste BTW wichtig. Merz ist der Traum aller Wirtschaftsbosse. Und für die wird das trojanische Pferd Merz alles tun. Ind bezahlen wird es der normale Bürger. Wer das nicht sieht, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann.

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