Politik

INF-Abrüstungsvertrag

Neue US-Marschflugkörper in Europa - aber erst 2023

Die US-Regierung will im Streit mit Russland neue Marschflugkörper in Europa stationieren. Nach SPIEGEL-Informationen erwarten BND-Analysten jedoch, dass deren Entwicklung noch Jahre dauert.

Getty Images

US-Marschflugkörper (Archivbild von Februar 1985)

Samstag, 08.12.2018   08:03 Uhr

Die USA haben nach Einschätzung deutscher Experten nur wenige Optionen, um auf den angeblichen Bruch des INF-Vertrags durch Russland zu reagieren. Kürzlich hat US-Sicherheitsberater John Bolton das Verteidigungsministerium angewiesen, landgestützte Marschflugkörper (GLCM) "so schnell wie möglich" zu entwickeln und in Europa zu stationieren.

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Analysten im Bundesnachrichtendienst gehen nach SPIEGEL-Informationen jedoch davon aus, dass ein neues US-Waffenprogramm mindestens fünf Jahre Entwicklungszeit benötigt. Um den Europäern die Zustimmung zu erleichtern, sollen die neuen GLCM einen konventionellen Sprengkopf erhalten.

Washington wirft Moskau seit Jahren vor, den INF-Vertrag von 1987 zu verletzen, was Russland bestreitet. Der Vertrag verbietet Russen und Amerikanern GLCM mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern. Die Nato hat sich diese Woche den US-Vorwurf zu eigen gemacht, wonach die Russen mehrere Bataillone mit jeweils 24 nuklearfähigen Marschflugkörpern vom Typ SSC-8 stationiert haben.

Die USA halten das inzwischen nicht mehr nur für einen Vertragsbruch, sondern auch für eine ernsthafte militärische Bedrohung. Die US-Regierung hat angekündigt, den INF-Vertrag in zwei Monaten zu suspendieren, sollten die Russen bis dahin nicht alle SSC-8 verschrotten.

In der Nato gilt ein solches Nachgeben als ausgeschlossen. Kanzlerin Angela Merkel hatte US-Präsident Donald Trump auf dem G20-Gipfel in Buenos Aires trotzdem die Zweimonatsfrist abgerungen, damit sichtbar werde, dass allein Russland für die Eskalation verantwortlich sei.

Bei der Nato rechnet man damit, dass die Amerikaner schon beim Treffen der Verteidigungsminister im Februar über eine Beteiligung der Allianz an den Kosten für die neuen GLCM reden wollen. Als die Nato von 1983 bis 1987 GLCM in Europa stationierte, kostete die sogenannte Nachrüstung nach heutigen Preisen knapp 18 Milliarden Dollar. Etwa 96 Prozent trugen die USA.

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klw

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