Politik

Sozialismus-Thesen

Kühnert legt nach

Die massive Kritik lässt Kevin Kühnert kalt: Im SPIEGEL erneuert der Juso-Chef sein antikapitalistisches Plädoyer, fordert seine SPD auf, sich jetzt nicht wegzuducken - und erhält Zuspruch von namhaften Genossen.

Michael Kappeler/ DPA

Juso-Chef Kevin Kühnert: "Ich habe das sehr ernst gemeint, was ich formuliert habe"

Freitag, 03.05.2019   05:09 Uhr

Juso-Chef Kevin Kühnert fordert seine Partei auf, die von ihm angestoßene Debatte über eine Überwindung des Kapitalismus in seiner jetzigen Form offensiv zu führen. "Ich habe keine Lust mehr darauf, dass wir wesentliche Fragen immer nur dann diskutieren, wenn gerade Friedenszeiten sind, und im Wahlkampf drum herumreden", sagte Kühnert dem SPIEGEL. Wenn man ernsthaft einen anderen Politikstil wolle, "dann können wir uns nicht immer auf die Zunge beißen, wenn es um die wirklich großen Fragen geht". Damit reagierte er auf den Vorwurf, er habe wenige Wochen vor der Europawahl den falschen Zeitpunkt für seinen Vorstoß gewählt.

"Ich habe das sehr ernst gemeint, was ich formuliert habe", sagte Kühnert. Der Kapitalismus sei "in viel zu viele Lebensbereiche" vorgedrungen: "So können wir auf keinen Fall weitermachen."

Kühnert wandte sich gegen die massive Kritik an seinen Thesen. "Die empörten Reaktionen zeigen doch, wie eng mittlerweile die Grenzen des Vorstellbaren geworden sind", sagte er. "Da haben 25 Jahre neoliberaler Beschallung ganz klar ihre Spuren hinterlassen."

Video: So reagiert Olaf Scholz auf Kühnerts Vorschläge

Foto: REUTERS

In der SPD stoßen Kühnerts Forderungen auf überraschend viel Zustimmung. "Wir müssen die Debatte aufnehmen. Wir brauchen ein grundlegend neues Wirtschaftsmodell", sagte Sebastian Hartmann, Chef der wichtigen nordrhein-westfälischen SPD. "Der ungeregelte Markt ist unser Gegner. Ungleichheit ist der Sprengstoff unserer Zeit."

Auch die Bielefelder Bundestagsabgeordnete Wiebke Esdar, Mitglied im SPD-Bundesvorstand, lobte Kühnert: "Wenn wir glaubhaft von Erneuerung sprechen wollen, müssen wir über den Widerspruch von Arbeit und Kapital reden", sagte sie. Seit Jahren erstarke der Neoliberalismus und wachse die Ungleichheit zwischen Arm und Reich: "Da kann sich die SPD nicht mit dem Status quo zufriedengeben."

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Kühnert hatte zunächst in einem Interview mit der "Zeit" seine Vorstellungen eines demokratischen Sozialismus dargelegt. Dabei hatte er unter anderem eine Kollektivierung des Autokonzerns BMW ins Gespräch gebracht und angeregt, dass niemand mehr als eine Immobilie besitzen sollte. Sowohl aus dem konservativen Lager wie von einigen Sozialdemokraten war ihm dafür massive Kritik entgegengeschlagen.



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cte/hic/vme

insgesamt 752 Beiträge
barbara.schaepers 03.05.2019
1. Jetzt wird die SPD
für mich plötzlich wieder interessant. Mehr Ideen von Herrn Kühnert als Diskussions- und Entscheidungsgrundlage. Es müssen definitiv Änderungen am Wirtschaftssystem durchgeführt werden und die sind immer schmerzhaft.
für mich plötzlich wieder interessant. Mehr Ideen von Herrn Kühnert als Diskussions- und Entscheidungsgrundlage. Es müssen definitiv Änderungen am Wirtschaftssystem durchgeführt werden und die sind immer schmerzhaft.
mumuwilli1975 03.05.2019
2. Noch schöner
Jetzt muss ich mir wohl noch von einem Jüngelchen sagen lassen, dass ich nicht mehr als ein Eigentum besitzen darf. Gut, bringe ich mein Geld im Ausland unter, z.b. in Immobilien.
Jetzt muss ich mir wohl noch von einem Jüngelchen sagen lassen, dass ich nicht mehr als ein Eigentum besitzen darf. Gut, bringe ich mein Geld im Ausland unter, z.b. in Immobilien.
Newspeak 03.05.2019
3. ....
Ja, man sollte über die Grenzen des Kapitalismus sprechen. Es gäbe sehr viel zu regulieren. Trotzdem sollte man im linken Lager mal realisieren, dass der Sozialismus in Reinform zu millionenfachem Mord und Elend geführt hat. [...]
Ja, man sollte über die Grenzen des Kapitalismus sprechen. Es gäbe sehr viel zu regulieren. Trotzdem sollte man im linken Lager mal realisieren, dass der Sozialismus in Reinform zu millionenfachem Mord und Elend geführt hat. Man muss doch nur nach Venezuela schauen. Nordkorea. DDR. UdSSR. Es funktioniert nicht. Kollektivierung funktioniert nicht. Die DDR Bonzen waren genau dieselben Bonzen wie im Westen, nur noch spiessiger. Auch der Nationalsozialismus war nebenbei ein Sozialismus. Es gibt vielleicht eine Ausnahme, die spanische Kommune, aber niemand weiss, ob dieses Modell länger funktioniert hätte. Dagegen ist eines auch klar. Der Kapitalismus entfesselt Kräfte, die, reguliert, zu allgemeinem Wohlstand führen können. Nannte sich soziale Marktwirtschaft. Sozial UND Markt. Es wäre schon hinreichend, wenn die SPD das erkennen würde. Nur war das damals gar keine SPD Erfindung. Erhard war CDU. Und die Sozialgesetze sind von Bismarck. Die SPD hat dagegen Hartz IV verbrochen.
manny190 03.05.2019
4. Schwachsinn
Was bildet der sich eigentlich ein? Jeder soll soviel besitzen wie er mag. Und warum große Firmen verstaatlichen? So ein Schwachsinn.
Was bildet der sich eigentlich ein? Jeder soll soviel besitzen wie er mag. Und warum große Firmen verstaatlichen? So ein Schwachsinn.
puzzleteil 03.05.2019
5. Wohnrecht gehört zum Grundrecht
Da muss was passieren, auch Marktwirtschaft muss ihren Grenzen haben. Das was in großen Städten passiert, ist nicht mehr zumutbar und Grundgesetz relevant. Wie sollen die Rentner und Alleinerziehende das zahlen.
Da muss was passieren, auch Marktwirtschaft muss ihren Grenzen haben. Das was in großen Städten passiert, ist nicht mehr zumutbar und Grundgesetz relevant. Wie sollen die Rentner und Alleinerziehende das zahlen.

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