Politik

Wirtschaftsweiser über Kevin Kühnert

"Steile, unfundierte Thesen"

Der Chef der Wirtschaftsweisen kritisiert die Ideen von Juso-Chef Kühnert, der unter anderem Immobilienbesitz einschränken will. Wichtiger sei eine Debatte über das volkswirtschaftliche Gelingen der Energiewende.

REUTERS

Juso-Chef Kevin Kühnert

Sonntag, 05.05.2019   11:25 Uhr

Seit Juso-Chef Kevin Kühnert vorgeschlagen hat, große Unternehmen wie BMW zu kollektivieren und den Besitz von Immobilien einzuschränken, haben sich diverse Politiker und Unternehmer zu seinen Ideen geäußert. Nun auch der Chef der Wirtschaftsweisen Christoph M. Schmidt. "Der Versuch, durch ebenso steile wie unfundierte Thesen Aufmerksamkeit zu erheischen, sollte uns nicht von unseren wirklichen Problemen ablenken", sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Lieber über Energiewende, Demografie und Europa diskutieren

"Wir sollten lieber darüber diskutieren, wie man die Energiewende volkswirtschaftlich effizient umsetzen, im demografischen Wandel die Stabilität der sozialen Sicherungssysteme sicherstellen, den Zusammenhalt in Europa anreizkompatibel fördern und die liberale Welthandelsordnung bewahren kann", sagte Schmidt, der auch Präsident des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor an der Ruhr-Universität Bochum ist.

Niedersachsens SPD-Chef Stephan Weil hält die Debatte über die umstrittenen Sozialismus-Thesen von Juso-Chef Kevin Kühnert für überzogen. "Die Diskussion über eine solche Aussage eines Juso-Vorsitzenden finde ich wirklich überraschend. Ich glaube, alle seine Vorgänger werden sich irgendwann mal ähnlich geäußert haben", sagte der niedersächsische Ministerpräsident. Inhaltlich stellte er sich gegen Kühnert: "In der Sache bin ich allerdings ganz anderer Auffassung."

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Soziale Marktwirtschaft, fairer Wettbewerb und die Kluft zwischen Arm und Reich seien sehr wichtige Themen, die die SPD auch laufend bearbeite, sagte Weil. "Die Diskussion über Verstaatlichung von Unternehmen lenkt davon eher ab."

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erklärte derweil bei einem Parteitag der NRW-CDU in Düsseldorf, wenn über Enteignungen diskutiert werde als handele es sich um "eine normale gesetzliche Maßnahme", dürfe das nicht heruntergespielt werden.

wbr/dpa

insgesamt 293 Beiträge
sametime 05.05.2019
1. Endlich...
... hat die SPD mal jemand, der schön provozieren kann. Die bösen Reaktionen darauf zeigen, dass der Coup absolut gelungen ist. Die alten SPD-Granden, die teilweise wie die politischen Gegner darauf reagieren, sollte man in die [...]
... hat die SPD mal jemand, der schön provozieren kann. Die bösen Reaktionen darauf zeigen, dass der Coup absolut gelungen ist. Die alten SPD-Granden, die teilweise wie die politischen Gegner darauf reagieren, sollte man in die Wüste schicken und mit den Kühnerts einen Neuanfang machen, dann ist diese Partei auch wieder wählbar.
bikerrolf 05.05.2019
2. Experten am Werk
Man mag ja über Kühnerts Ansichten denken, was man will. Allerdings sind die Reaktionen darauf vor allem eines: peinlich. Nicht nur dass die SPD sich wieder mal an ihr eigenes Programm nicht erinnern mag, die Bild-Zeitung den [...]
Man mag ja über Kühnerts Ansichten denken, was man will. Allerdings sind die Reaktionen darauf vor allem eines: peinlich. Nicht nur dass die SPD sich wieder mal an ihr eigenes Programm nicht erinnern mag, die Bild-Zeitung den erwartbaren Senf dazu gibt, der Patron der E-Roller, Andreas Scheuer, den Verteidiger der freien Marktwirtschaft spielt, statt sich um seine Schwachstellen Bahn und Internet zum kümmern - auch der Chef der Wirtschaftsweisen sieht sich bemüßigt, seine warnende Stimme zu erheben. Dabei hätte es gerade dieser Professoren-Club bitter nötig, eher über die Fehlerquote der eigenen Prognosen nachzudenken, statt sich in den Interview-Zirkus zu stürzen.
claus7447 05.05.2019
3. Eines verstehe ich nicht!
WARUM wird die Aussage KK's ausschließlich an BMW aufgehängt. Tauschen wir doch mal BMW gegen Vonovia oder gegen Namen von Privat-Kliniken, deren Profit auf den Schultern der Krankenschwestern und Ärzte basiert. Und [...]
WARUM wird die Aussage KK's ausschließlich an BMW aufgehängt. Tauschen wir doch mal BMW gegen Vonovia oder gegen Namen von Privat-Kliniken, deren Profit auf den Schultern der Krankenschwestern und Ärzte basiert. Und grundsätzlich Enteignung ist ein Reizwort - tauschen wir es doch gegen Tauschgeschäft aus - Besitz gegen Geld.
hamburger62 05.05.2019
4. Bürgerfern
Schön zu sehen, wie weit die Wirtschaftsweisen von den akuten Schmerzen der Bürger entfernt sind. Wer für sich und seine Familie trotz Vollzeitjob keine bezahlbare Wohnung findet, dem ist die Energiewende erst Mal wurscht. Und [...]
Schön zu sehen, wie weit die Wirtschaftsweisen von den akuten Schmerzen der Bürger entfernt sind. Wer für sich und seine Familie trotz Vollzeitjob keine bezahlbare Wohnung findet, dem ist die Energiewende erst Mal wurscht. Und wer noch nicht einmal einen unbefristeten Vollzeitjob hat, dem erst Recht. Von der diesen Menschen bevorstehenden Altersarmut mal ganz zu schweigen.
antelatis 05.05.2019
5. Nicht sehr weise
Hört sich für mich so an, als hätte dieser Weise der Wirtschaft ziemliche angst vor dem, was Kühnert da anspricht. Anstatt zu Argumentieren, versucht er nur abzulenken und das Gesagte ins Lächerliche zu ziehen ... das ist das [...]
Hört sich für mich so an, als hätte dieser Weise der Wirtschaft ziemliche angst vor dem, was Kühnert da anspricht. Anstatt zu Argumentieren, versucht er nur abzulenken und das Gesagte ins Lächerliche zu ziehen ... das ist das typische Verhalten von Leuten, die wissen, dass sie im Unrecht sind.

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