Politik

Liberale Moschee in Berlin

Bundesregierung weist Kritik aus Türkei und Ägypten zurück

In Ägypten und der Türkei wird Stimmung gegen die liberale Moschee von Seyran Ates gemacht - von der Bundesregierung erhält sie nun Rückendeckung. Angriffe auf die Religionsfreiheit würden in Deutschland nicht geduldet.

DPA

Seyran Ates in der liberalen Moschee

Freitag, 23.06.2017   16:32 Uhr

Seyran Ates wird angefeindet. Der Grund: Die Frauenrechtlerin und Anwältin hat vor einer Woche in Berlin eine liberale Moschee gegründet. Türkische Medien stellen das Gebetshaus seither als Projekt der Gülen-Bewegung dar, die ägyptische Fatwa-Behörde lehnt es in jeder Hinsicht ab. Die Bundesregierung hat die Kritik nun mit scharfen Worten zurückgewiesen.

"Wie, wo, wann und in welcher Weise" Menschen in Deutschland ihre Religion ausübten, sei ihnen ganz alleine überlassen, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts. Angriffe auf die Religionsfreiheit in Deutschland werde man nicht dulden.

Die von Ates gegründete Ibn-Rushd-Goethe-Moschee unterscheidet sich von vielen anderen muslimischen Gotteshäusern. Dort beten Männer und Frauen gemeinsam nebeneinander (Lesen Sie hier ein SPIEGEL ONLINE-Interview mit Seyran Ates).

Das Gotteshaus steht außerdem Sunniten, Schiiten und Aleviten offen, Homosexuelle sind genauso willkommen wie Gläubige anderer Religionen. Das erste Freitagsgebet leiteten ein Mann und eine Frau gemeinsam - die Imamin trug kein Kopftuch.

Liberale Muslime werden in Deutschland ausgegrenzt

Die türkische Religionsbehörde Diyanet hatte kritisiert, mit diesem Vorgehen würden "die Grundsätze unserer erhabenen Religion missachtet". Es handele sich um Bemühungen, die Religion "zu untergraben und zu zerstören". Die Behörde rief "gläubige Brüder" auf, sich nicht provozieren zu lassen.

Moscheegründerin Ates sieht liberale Muslime in Deutschland Bedrohungen aus der eigenen Glaubensgemeinschaft ausgesetzt. "Die meisten Muslime haben Angst", sagte Ates der Tageszeitung "Die Welt". "Sie sagen: Wenn ich mich als moderner Muslim zeige, dann werde ich mit Mord bedroht oder beschimpft, oder meiner Familie passiert etwas."

Dies sei auch der Grund dafür, dass sich nur wenige Muslime an einem Friedensmarsch gegen Gewalt und islamistischen Teror am vergangenen Wochenende in Köln beteiligt hätten.

dop/dpa

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