Politik

SPON-Regierungsmonitor

Scholz und Scheuer verlieren an Popularität

Vizekanzler Scholz betont oft den Wert nüchterner Sacharbeit - die Wähler goutieren es nicht. In der SPON-Umfrage rutscht er ab. Die Dieseldebatte beschert auch Verkehrsminister Scheuer einen Malus.

AFP (2)

Olaf Scholz und Andreas Scheuer

Von
Dienstag, 20.11.2018   11:37 Uhr

Für die SPD lief es im Herbst nicht rund: Bei der Bayern-Wahl fuhren die Genossen ein historisch schlechtes Ergebnis ein, auch in Hessen herrschte nach dem Votum Frust. Die Sozialdemokraten versuchen sich deshalb seit Wochen an einem politischen Programm, das klarer und linker sein soll. Sie wollen den Sozialstaat reformieren und Hartz IV hinter sich lassen. Die Wähler hat das aber bislang offenbar noch nicht überzeugt.

Die Regierungspartei SPD rutscht im Vergleich zu September in der Beliebtheit weiter ab - um 34 Punkte. Die Union verliert im Vergleich nur rund drei Punkte. Das geht aus dem neuen SPON-Regierungsmonitor hervor. Auch Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) verliert deutlich. Im September war er der beliebteste Regierungspolitiker, nun liegt Scholz nun nur noch auf Platz sechs.

Der SPON-Regierungsmonitor zeigt in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung, den Koalitionsparteien und vor allem mit den einzelnen Ministern sowie der Kanzlerin. Um die repräsentativen Bewertungen vergleichen zu können, arbeitet Civey mit einem Scoringverfahren. (Lesen Sie hier mehr zu dem Verfahren). Der bestmögliche Index beträgt 200, das schwächste Ergebnis wäre -200.

Verkehrsminister Scheuer unbeliebt wie nie

Freuen können sich die Genossen dennoch ein bisschen: Platz eins belegt Familienministerin Franziska Giffey und Platz drei Außenminister Heiko Maas - beide SPD. Zwischen den beiden auf Platz zwei liegt Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Giffey gehört seit Beginn des SPON-Regierungsmonitors zu den beliebtesten Kabinettsmitgliedern, Maas dürfte von den traditionell hohen Beliebtheitswerten aller Außenminister profitieren.

Kanzlerin Angela Merkel landet auf Platz vier. Bemerkenswert: Sie selbst ist im Langzeitvergleich nicht viel beliebter geworden. Im April erreichte die scheidende CDU-Chefin -65 Punkte, nun -51 Punkte.

Die Erklärung: Viele ihrer Minister sind in der Zwischenzeit noch unbeliebter geworden.

Besonders für Innenminister Horst Seehofer geht es kontinuierlich bergab. Lag er im April noch auf Platz 3, liegt er mittlerweile nur noch auf Platz 13. Ein spannendes Detail: Rund 61 Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit "gar nicht zufrieden", gut zehn Prozent hingegen "sehr zufrieden" - der Spitzenwert im Kabinett.

Von Spitzenwerten ist sein Parteifreund Andreas Scheuer weit entfernt. Der CSU-Mann fällt von Platz 13 auf Platz 15 - und ist damit der unbeliebteste Politiker am Kabinettstisch. Dem Verkehrsminister dürfte in den vergangenen Wochen die Diesel-Debatte zum Verhängnis geworden sein.

DPA

Andreas Scheuer

Auch Svenja Schulze (SPD) fällt in der Gunst der Wähler, von Platz neun auf Platz elf. Als Umweltministerin ist sie qua Amt ebenso in die Diskussionen um Fahrverbotszonen und Hardwarenachrüstungen involviert. Gegenwärtig ist das offenbar kein Thema, um die eigenen Beliebtheitswerte zu steigern.



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
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Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

insgesamt 16 Beiträge
kizfonis 20.11.2018
1.
"Scholz und Scheuer verlieren an Popularität" - Erstaunlich, dass sie jemals welche hatten! :-) Norbert Sinofzik, Rheinstadt Uerdingen
"Scholz und Scheuer verlieren an Popularität" - Erstaunlich, dass sie jemals welche hatten! :-) Norbert Sinofzik, Rheinstadt Uerdingen
Bell412 20.11.2018
2. Scheuer? Der schon mal für nen Job als Berater bei Uber vorsorgt?
Warum sieht es die Union eigentlich als Gesetz an, dass ein Verkehrsminister von der CSU zu kommen habe? Nach Ramsauer, Dobrindt und jetzt Scheuer sollte eigentlich klar sein das das einfach niemals etwas werden kann.
Warum sieht es die Union eigentlich als Gesetz an, dass ein Verkehrsminister von der CSU zu kommen habe? Nach Ramsauer, Dobrindt und jetzt Scheuer sollte eigentlich klar sein das das einfach niemals etwas werden kann.
three-horses 20.11.2018
3. Ein feine Staatsdiener.
Da komme ich nicht mit. Gerade bei den Rentner war der Scholz Olaf sehr bekannt. Und somit auch Popular. In dem negativen Sinne halt.
Zitat von kizfonis"Scholz und Scheuer verlieren an Popularität" - Erstaunlich, dass sie jemals welche hatten! :-) Norbert Sinofzik, Rheinstadt Uerdingen
Da komme ich nicht mit. Gerade bei den Rentner war der Scholz Olaf sehr bekannt. Und somit auch Popular. In dem negativen Sinne halt.
Alexis_Saint-Craque 20.11.2018
4. Out
Neuschalträger Scheuer setzt ganz auf etablierte Kreativität, die vor zehn Jahren im Hochflor vielleicht noch so etwas wie Mut erfordert hätte. So wirkt steinalt, was trendy rüberkommen soll. Es erinnert an Dobrinds Vorliebe [...]
Neuschalträger Scheuer setzt ganz auf etablierte Kreativität, die vor zehn Jahren im Hochflor vielleicht noch so etwas wie Mut erfordert hätte. So wirkt steinalt, was trendy rüberkommen soll. Es erinnert an Dobrinds Vorliebe fürs Großkarierte oder an dessen Brillen, die man üblicherweise nicht im Gesicht trägt. Das ist immerhin etwas. Für Scholz gilt wie immer gar nichts.
micromiller 20.11.2018
5. Schade das Herr Scholz
im Fahrwasser seiner Kanzlerin paddelt. Waere doch wirklich eine nette Gelegenheit die Belange der verprellten Waehler wahrzunehmen und dabei an Format und Charisma zu gewinnen. Die SPD Granden sind bedauerlicherweise so endlos [...]
im Fahrwasser seiner Kanzlerin paddelt. Waere doch wirklich eine nette Gelegenheit die Belange der verprellten Waehler wahrzunehmen und dabei an Format und Charisma zu gewinnen. Die SPD Granden sind bedauerlicherweise so endlos farblos, einfallslos und handzahm wenn es um die Belange ihrer theoretischen Waehlerschaft geht. Es scheint ausschliesslich um den persoenlichen Machterhalt zu gehen, hoffentlich erlebt die SPD recht bald einen Reset aus den eigenen Reihen, es kann doch wirklich nicht angehen, das das was wir sehen .. alles sein soll....

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