Politik

Rastloser Politiker

Ex-Minister Gabriel hat neuen Nebenjob

Als einfacher Abgeordneter ist Sigmar Gabriel offenbar nicht ausgelastet. Nach SPIEGEL-Informationen will der Ex-SPD-Chef neben seinem Autorenjob künftig einen der wichtigsten Wirtschaftsprüfer weltweit beraten.

Jens Büttner/ DPA

Sigmar Gabriel

Von
Mittwoch, 27.03.2019   13:18 Uhr

Der frühere Bundesaußen- und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel will künftig das weltweit agierende Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte beraten. Nach SPIEGEL-Informationen soll der frühere SPD-Chef in den Beirat des Großunternehmens berufen werden. Am Mittwoch segnete das Bundeskabinett eine Vorlage der Ethikkommission ab, die mögliche Interessenkonflikte bei neuen Tätigkeiten früherer Minister prüft. Darin wurden gegen den neuen Nebenjob Gabriels keinerlei Bedenken geäußert.

Im Beirat von Deloitte sitzen diverse ehemalige Spitzenpolitiker wie der frühere Innenminister Otto Schily (SPD), Grünenpolitiker Rezzo Schlauch, die Medienunternehmerin Liz Mohn oder der Aufsichtsratsvorsitzende der Otto-Group, Michael Otto.

Das Gremium wird vom früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber geleitet und trifft sich nach Angaben des Unternehmens dreimal im Jahr. Die Persönlichkeiten beraten den Riesenkonzern "durch innovative Denkansätze bei der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells und der Optimierung des Marktauftritts", wie es auf der Website des Konzerns heißt.

Autor, Redner, Berater

Für Gabriel, der nach der letzten Bundestagswahl aus der ersten Reihe der Politik weichen musste, ist es nicht der erste Job neben dem Bundestagsmandat. So ist der talentierte Schreiber seit Sommer 2018 beim Holtzbrinck-Verlag unter Vertrag. Für Gastbeiträge im "Handelsblatt", im "Tagesspiegel" oder in "Der Zeit" bekommt er laut eigenen Angaben zwischen 15.000 und 30.000 Euro im Monat.

Zudem wird Gabriel vermutlich demnächst Vorsitzender der einflussreichen Atlantikbrücke, die sich um die transatlantischen Beziehungen bemüht und als einflussreicher Thinktank und Treffpunkt für wichtige Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gilt.

Deloitte auch in Ministerien tätig

Eine Anfrage bei Deloitte nach der Honorierung der Beiräte blieb am Mittwochmorgen zunächst unbeantwortet. Normalerweise erstatten große Konzerne ihren Beiräten nur eine Aufwandsentschädigung und die Reisekosten.

Für Deloitte ist der Beirat eine Art Aushängeschild. Der ursprünglich in Großbritannien gegründete Konzern ist einer der größten Wirtschaftsprüfer weltweit. Allein in Deutschland, einem der 150 Standorte von Deloitte, erwirtschaftete das Unternehmen mit rund 8000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro.

Zu den vielen Kunden von Deloitte zählen nicht nur große Konzerne, auch die Bundesministerien werden immer wieder von Deloitte geprüft.

Unterwegs in Nordkorea

Gabriel selbst war für eine Stellungnahme zu seinem neuen Job nicht erreichbar. Derzeit bereist der frühere Chefdiplomat das noch immer weitgehend abgeschottete Nordkorea, sein Mobiltelefon funktioniert dort nicht. Mit der Reise, die laut Gabriel rein privat ist, erfüllt sich der SPD-Politiker einen lang gehegten Wunsch. Schon als Außenminister wollte er unbedingt zumindest die Grenzregion zu Nordkorea besuchen.

Vom Regime in Nordkorea wird Gabriel keineswegs wie ein Tourist wahrgenommen. Schon kurz nach seiner Ankunft in der Hauptstadt Pjöngjang empfing einer der wichtigsten Außenpolitiker den deutschen Ex-Minister. Dem Vorsitzenden des außenpolitischen Ausschusses der Obersten Volksversammlung übergab Gabriel auch ein Geschenk für den Staatschef.

Kurze Zeit später meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA, der "oberste Führer Kim Jong Un" habe das Präsent erhalten. Worum es sich handelt, verriet die Staatsagentur nicht.

insgesamt 79 Beiträge
khwherrsching 27.03.2019
1. Es sei ihm vergönnt,
aber sein Abgeordnetenmandat sollte er dann aufgeben.
aber sein Abgeordnetenmandat sollte er dann aufgeben.
gigi76 27.03.2019
2. offen oder verdeckter Lobbyismus
Bei derart hohen Bezügen stellt sich die Frage, ob eine solcher Mensch noch in irgendeiner Form einen Bezug zur Lebenswirklichkeit eines Normalverdieners oder wie die SPD immer sagt, des "kleinen Mannes" entwicklen [...]
Bei derart hohen Bezügen stellt sich die Frage, ob eine solcher Mensch noch in irgendeiner Form einen Bezug zur Lebenswirklichkeit eines Normalverdieners oder wie die SPD immer sagt, des "kleinen Mannes" entwicklen kann. Nichts gegen Gabriels Kompetenzen im privatwirtschaftlichen Sektor, aber er sollte sich dann konsequenterweise komplett aus der Politik und Parteiarbeit vollständig zurückziehen.
hajueberlin 27.03.2019
3. Moin
Was ich bei diesem Thema nicht verstehe, ist, dass die das dürfen. Die Begründung für die hohe "Entlohnung" als MdB ist doch, dass die nicht so anfällig für Bestechungen sein sollen. Und dann sowas. Meiner Meinung [...]
Was ich bei diesem Thema nicht verstehe, ist, dass die das dürfen. Die Begründung für die hohe "Entlohnung" als MdB ist doch, dass die nicht so anfällig für Bestechungen sein sollen. Und dann sowas. Meiner Meinung nach besteht da ein Interessenkonflikt. Politiker sollen diesen Firmen (meiner Ansicht nach) eigentlich mit Gesetzen Vorgaben machen, also NICHT mit ihnen fraternisieren. Sie sollen Volksvertreter sein und nicht die Vertreter irgendwelcher Firmen. Es sind ja nicht nur Mitglieder der spd. Wer wissen möchte, wo die Politikverdrossenheit herrührt... Andersherum: wenn wir uns für Politik interessieren, z. B. "Friday for Future", reagieren "die da oben" abwehrend. Irgendetwas stimmt hier in diesem Land nicht. Ich könnte dazu noch viel mehr schreiben, hoffe aber, dass auch so klar wird, was ich ausdrücken möchte. hajueberlin
SchlandGottes 27.03.2019
4. Korruption
Anders kann man das nicht bezeichnen. Entweder man dient den Menschen oder der Wirtschaft. Wenn Herr Gabriel sein Mandat nicht ausfüllt, bitte abgeben und jemanden anders ranlassen. Als ob Herr Gabriel beide Jobs gleichzeitig [...]
Anders kann man das nicht bezeichnen. Entweder man dient den Menschen oder der Wirtschaft. Wenn Herr Gabriel sein Mandat nicht ausfüllt, bitte abgeben und jemanden anders ranlassen. Als ob Herr Gabriel beide Jobs gleichzeitig ausfüllen könnte. Das ist ein eindeutiger Interessenkonflikt. Entweder oder. Beides geht nicht.
MisterD 27.03.2019
5. Die Jobs kann er ja gerne machen...
und von mir aus auch im Bundestag sitzen bleiben. Aber seine Diäten sollte man ihm streichen. Wer alleine mit den Zeitungsbeiträgen 15.000 EUR/Monat verdient, braucht die Abgeordnetendiät nicht mehr... Man kann Siggi das ja [...]
und von mir aus auch im Bundestag sitzen bleiben. Aber seine Diäten sollte man ihm streichen. Wer alleine mit den Zeitungsbeiträgen 15.000 EUR/Monat verdient, braucht die Abgeordnetendiät nicht mehr... Man kann Siggi das ja so erklären, wie man es auch den Hartz IV-Beziehern erklärt, die Reform hat er ja mal mitgetragen: Wenn man staatliche Leistungen erhält und dann was dazu verdient, dann wird der Verdienst selbstverständlich auf die Leistungen angerechnet. Wieso soll das nicht auf für Diäten gelten?

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