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Brandenburg

SPD-Europakandidat räumt Täuschung ein

Der Brandenburger SPD-Europakandidat Simon Vaut inszenierte sich als lokal verankerter Politiker - dabei wohnt er in Berlin-Mitte. "Es tut mir leid", sagt er dem SPIEGEL. Seinen Wahlkampf stoppt er nun.

SPD

SPD-Politiker Simon Vaut

Von und
Dienstag, 26.03.2019   14:46 Uhr

Der Europakandidat der Brandenburger SPD, Simon Vaut, hat eingeräumt, seine eigene Partei bei seiner Aufstellung getäuscht zu haben. "Im Laufe der Kandidatur habe ich mich in Unwahrheiten verstrickt", sagte Vaut dem SPIEGEL. So stellte er seine Lebensumstände falsch dar und gab sich trotz seines Berliner Wohnsitzes in der Öffentlichkeit als Brandenburger aus. Als Konsequenz kündigte Vaut an, seine Wahlkampfaktivitäten einzustellen.

"Die Vorwürfe treffen zu: Ich habe nie in Brandenburg an der Havel gewohnt, sondern immer in Berlin", sagte Vaut. "Vor allem möchte ich um Verzeihung bitten, dass ich meine damalige aus Brandenburg stammende, aber ebenfalls in Berlin wohnende Freundin für meine Europakandidatur instrumentalisiert habe. Es tut mir leid für sie, für die SPD in Brandenburg und für alle, die mich ehrenamtlich unterstützt haben."

Er habe sich aus Überzeugung während des Studiums in Potsdam und wieder seit 2017 in Brandenburg für die SPD politisch engagiert, so Vaut: "Um weiteren Schaden von der SPD abzuwenden, stelle ich meine Wahlkampfaktivitäten ein."

Zuvor hatte der private Fernsehsender SKB TV aus Brandenburg an der Havel über den Fall berichtet. Vaut hatte bei seiner Nominierung im September angegeben, seinen Lebensmittelpunkt bei seiner Freundin in Brandenburg an der Havel zu haben. Diese wohnt allerdings wie Vaut in Berlin.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) rückte am Dienstag von Vaut ab: "Ich bin persönlich schwer enttäuscht", sagte er in Potsdam. "Sollte er in das EU-Parlament gewählt werden, dann erwarte ich, dass er das Mandat nicht annimmt." Die Vortäuschung eines "Wohnsitzes einer Partnerin, um Vorteile im innerparteilichen Nominierungsverfahren zu bekommen", sei moralisch zu verurteilen, teilte der SPD-Landesverband mit. Gesetze seien nicht verletzt worden.

Tausch der Kandidaten nicht mehr möglich

Vaut war im September 2018 überraschend zum Kandidaten der Brandenburger SPD für das Europaparlament gewählt worden. Er setzte sich dabei gegen die Kandidatin des Landesvorstands, Maja Wallstein, durch. Sie wurde zur Ersatzkandidatin gewählt.

Vaut, Beamter im Bundeswirtschaftsministerium, hat sich für den Wahlkampf Urlaub genommen. Er steht auf Platz 22 der SPD-Liste für die Europawahl und würde bei einem SPD-Ergebnis um die 22 Prozent ins Europaparlament einziehen. Ein nachträglicher Tausch der Kandidaten ist nicht mehr möglich, die Frist dafür ist am 15. März abgelaufen. Sollte Vaut gewählt werden und das Mandat nicht annehmen, rücke Wallstein nach, sagte Landeschef Woidke.

Für Brandenburgs SPD ist der Fall im Wahljahr unangenehm. Am 26. Mai finden in dem Bundesland neben der Europawahl auch Kommunalwahlen statt. Am 1. September wählen die Brandenburger einen neuen Landtag.

insgesamt 39 Beiträge
sober 26.03.2019
1. Mandatsverzicht fällig
So, so, als Konsequenz stellt er also seine Wahlkampf-Aktivitäten ein. Respekt und schöne freie Zeit.
So, so, als Konsequenz stellt er also seine Wahlkampf-Aktivitäten ein. Respekt und schöne freie Zeit.
nickleby 26.03.2019
2. Lügen haben kurze Beine
Besonders im digitalen Zeitalter müsste doch die Erkenntnis gereift sein, dass man heute nichts mehr geheim halten kann. Die Handlung dieses SPD-Mannes war nicht nur ein Fehler, sondern Dummheit Die SPD als Gesamtpartei muss [...]
Besonders im digitalen Zeitalter müsste doch die Erkenntnis gereift sein, dass man heute nichts mehr geheim halten kann. Die Handlung dieses SPD-Mannes war nicht nur ein Fehler, sondern Dummheit Die SPD als Gesamtpartei muss nun wieder einmal leiden, schade
brooklyner 26.03.2019
3.
Als ich das vor ca. einem halben Jahr hörte, fragte ich mich, wie man nur eine derart blöde Idee haben kann und dass das, wenn es an die Öffentlichkeit gelangt, völlig nach hinten los geht. Die Lüge war auf derart dünnem Eis [...]
Als ich das vor ca. einem halben Jahr hörte, fragte ich mich, wie man nur eine derart blöde Idee haben kann und dass das, wenn es an die Öffentlichkeit gelangt, völlig nach hinten los geht. Die Lüge war auf derart dünnem Eis gebaut und barg so eine hohe Wahrscheinlichkeit, aufzufliegen, dass dem selbst mein SPD Gegenüber nur mit Ratlosigkeit begegnete.
Besser_Meyer 26.03.2019
4. Kann doch nicht so schwer sein
Einfach mal die Meldeadresse im Ausweis überprüfen.
Einfach mal die Meldeadresse im Ausweis überprüfen.
oliver61 26.03.2019
5. Lustig!
Lustig, lustig! So kennen wir unsere Sozis. Da sprechen die Genossen von Globalisierung, offenen Grenzen, Mulitkulti. Und dann ist es ein Problem, daß einer paar Kilometer weiter weg wohnt, halt in Berlin statt in Brandenburg. [...]
Lustig, lustig! So kennen wir unsere Sozis. Da sprechen die Genossen von Globalisierung, offenen Grenzen, Mulitkulti. Und dann ist es ein Problem, daß einer paar Kilometer weiter weg wohnt, halt in Berlin statt in Brandenburg. Und jetzt wende keiner ein, das Problem sei seine kleine Lüge gewesen. Zumindest war es bei der Nominierung ein Vorteil, angeblich in Brandenburg zu wohnen.

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