Politik

SPIEGEL-Umfrage zu Thüringen

Linke, CDU und AfD liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen

Einen Monat vor der Thüringen-Wahl zeichnet sich einer SPIEGEL-Umfrage zufolge ein Dreikampf um die Spitzenposition ab. Das regierende rot-rot-grüne Bündnis hätte keine Mehrheit mehr.

Olaf Döring/ imago images

Lutherdenkmal in Eisenach zwischen Wahlkampfplakaten: Rot-rot-grünes Bündnis in Bedrängnis

Donnerstag, 26.09.2019   15:58 Uhr

Es läuft derzeit auf ein enges Rennen zwischen Linken, CDU und AfD hinaus. Vier Wochen vor der Landtagswahl in Thüringen am 27. Oktober liegen die drei Parteien nahezu gleichauf. Dies ergibt sich aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL.

Demnach liegt die Linke von Ministerpräsident Bodo Ramelow derzeit bei rund 25 Prozent, die CDU folgt mit etwa 24 Prozent und die AfD erreicht rund 22 Prozent. Der Stichprobenfehler liegt bei 2,7 Prozent.

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Ramelow regiert im fünften Jahr mit einem rot-rot-grünen Bündnis in Erfurt. Doch der SPIEGEL-Umfrage zufolge hat seine Koalition gegenwärtig keine Mehrheit mehr: die Partner erreichen nur knapp 43 Prozent.

Weil Linke und AfD stark sind, ist eine äußerst komplizierte Koalitionsbildung zu erwarten. So hätte etwa die in Sachsen und Brandenburg angestrebte Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen in Thüringen derzeit keine Mehrheit. Und Thüringens CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring hat sowohl eine Koalition mit der Linken als auch der AfD ausgeschlossen.

Die Grünen erreichen in der Umfrage rund neun Prozent, die SPD acht. Die FDP kämpft mit der Fünfprozentmarke. Befragt wurden 3035 Menschen im Zeitraum zwischen dem 2. und 26. September.

Wahl-O-Mat

Den Rechtspopulisten hat offenbar die neuerliche Debatte um ihren Spitzenkandidaten Björn Höcke vom völkisch nationalistischen "Flügel"-Netzwerk der Partei nicht geschadet. Höcke hatte ein Interview mit dem ZDF wiederholen wollen, weil er nach Angaben seines Sprechers nicht auf die Fragen vorbereitet gewesen sei. Der ZDF-Journalist wies diese Forderung als völlig unüblich zurück, woraufhin Höcke und sein Sprecher das Gespräch nach kurzer Diskussion abbrachen (mehr dazu lesen Sie hier, warum Höcke in seiner Partei an Bedeutung verliert, lesen Sie hier).

Thüringens CDU will nach fünf Jahren auf der Oppositionsbank in die Regierung zurück. Ziel bei der Landtagswahl sei es, stärkste Partei zu werden und wieder Verantwortung zu übernehmen, sagte CDU-Chef Mike Mohring vor wenigen Tagen. "Die Frage ist, wird Thüringen künftig von den Rändern regiert oder aus der Mitte", so Mohring mit Verweis auf Linke und AfD.

Landtagswahl Sachsen 2019

Endgültiges Ergebnis

Listenstimmenergebnis
Anteile in Prozent
CDU
32,1
-7,3
Die Linke
10,4
-8,5
SPD
7,7
-4,7
AfD
27,5
+17,7
Grüne
8,6
+2,9
FDP
4,5
+0,7
Freie Wähler
3,4
+1,8
Sitzverteilung
Insgesamt: 119
Mehrheit: 60 Sitze
14
10
12
45
38
Quelle: Landeswahlleiter

Laut den Umfrageergebnissen in Thüringen verstärkt sich auch dort - wie schon zuvor in den Landtagswahlkämpfen in Sachsen und Brandenburg - die Polarisierung zwischen den Regierungsparteien und der AfD. In Sachsen fiel die seit 1990 regierende CDU auf einen neuen Tiefstand (32 Prozent), die AfD kam auf 27,5 Prozent - ihr bestes Landtagswahlergebnis überhaupt.

Landtagswahl Brandenburg 2019

Endgültiges Ergebnis

Zweitstimmenergebnis
Anteile in Prozent
SPD
26,2
-5,7
CDU
15,6
-7,4
Die Linke
10,7
-7,9
AfD
23,5
+11,3
Grüne
10,8
+4,6
BVB / Freie Wähler
5
+2,3
FDP
4,1
+2,6
Sonstige
4,1
+0,2
Sitzverteilung
Insgesamt: 88
Mehrheit: 45 Sitze
10
25
10
5
15
23
Quelle: Landeswahlleiter

In Brandenburg holten die Sozialdemokraten 26,2 Prozent der Stimmen. Die AfD kam mit 23,5 Prozent knapp dahinter auf Platz zwei (2014: 12,2). Die in Brandenburg traditionell schwache CDU fiel mit 15,6 Prozent (2014: 23,0) auf ihr schlechtestes Landesergebnis und rangiert nun - wie schon bei der Europawahl im Mai - hinter der AfD auf Platz drei.



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vks

insgesamt 74 Beiträge
keine-#-ahnung 26.09.2019
1. "Den Rechtspopulisten hat offenbar die neuerliche Debatte ...
um ihren Spitzenkandidaten Björn Höcke vom völkisch nationalistischen "Flügel"-Netzwerk der Partei nicht geschadet." Offenbar nicht. Das ZDF-"Interview" war auch eher unterste journalistische [...]
um ihren Spitzenkandidaten Björn Höcke vom völkisch nationalistischen "Flügel"-Netzwerk der Partei nicht geschadet." Offenbar nicht. Das ZDF-"Interview" war auch eher unterste journalistische Schublade, gleichermassen billig wie durchschaubar. Die lernen es vermutlich nie ... man kommt mit dem Kopf nicht durch die Betonwand.
melnibone 26.09.2019
2. Ich hoffe Herr Ramelow ...
"gewinnt" diese Wahl! Ist als die Linke ... die stärkste politische Kraft in Thüringen. Diese Republik benötigt dauerhaft ein anderes Antlitz. Ich habe mich an CDU/CSU und SPD dauerhaft satt "getafelt".
"gewinnt" diese Wahl! Ist als die Linke ... die stärkste politische Kraft in Thüringen. Diese Republik benötigt dauerhaft ein anderes Antlitz. Ich habe mich an CDU/CSU und SPD dauerhaft satt "getafelt".
Harry Hutlos 26.09.2019
3. Verblüffend
Der Osten hat viele Probleme. Werden die kleiner, wenn man Investoren durch die Wahl einer fremdenfeindlichen Partei abschreckt? Erinnert mich an Teile Nordenglands, wo die Menschen immer noch für den Brexit sind, obwohl der [...]
Der Osten hat viele Probleme. Werden die kleiner, wenn man Investoren durch die Wahl einer fremdenfeindlichen Partei abschreckt? Erinnert mich an Teile Nordenglands, wo die Menschen immer noch für den Brexit sind, obwohl der einzige Arbeitgeber aufgrund des Brexits den Standort verlässt. Scheint eine Art Selbstzerstörungsvirus im Umlauf zu sein.
HerrPeterlein 26.09.2019
4. Wer jetzt noch AFD wählt, dem ist nicht zu helfen...
Die AFD, besonders Höcke hat doch klar seine Sympatien zum Lebensraum geäußert. Wer diese AFD noch wählt, dem ist nicht zu helfen. Wird eine Interessante Regierungsbildung, bei der jede Stimme zählt.
Die AFD, besonders Höcke hat doch klar seine Sympatien zum Lebensraum geäußert. Wer diese AFD noch wählt, dem ist nicht zu helfen. Wird eine Interessante Regierungsbildung, bei der jede Stimme zählt.
mostly_harmless 26.09.2019
5.
Ich find die These ja immer äusserst niedlich, Rechtsradikale wie Höcke oder Kalbitz würden die AfD Stimmen kosten. Die schlichte Wahrheit dürfte das Gegenteil sein: Im Osten ist die AfD WEGEN dieser Leute so stark. Und der [...]
Ich find die These ja immer äusserst niedlich, Rechtsradikale wie Höcke oder Kalbitz würden die AfD Stimmen kosten. Die schlichte Wahrheit dürfte das Gegenteil sein: Im Osten ist die AfD WEGEN dieser Leute so stark. Und der Beweis dafür ist, dass im Osten nur eine Minderheit von 42 Prozent die Demokratie für die beste Staatsform halten https://www.welt.de/politik/deutschland/article187530982/Umfrage-Demokratie-ueberzeugt-viele-Ostdeutsche-nicht.html Und die Kombination dieser beiden Dinge lässt ahnen, welche Staatform diese Leute präferieren.
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