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American Airlines

Bordpersonal will Frau wegen Outfit nicht mitfliegen lassen

Ein sommerliches Outfit wurde für eine US-amerikanische Ärztin zum Problem: Die Airline-Crew verweigerte der Frau zunächst den Mitflug. Diese postete darauf auf Twitter ein Foto und löste eine Debatte über Diskriminierung aus.

Donnerstag, 11.07.2019   12:53 Uhr

Als Latisha Rowe mit ihrem achtjährigen Sohn an Bord ihres American-Airlines-Fluges von Jamaica nach Florida gehen will, wird sie vom Bordpersonal aufgehalten. Sie müsse sich bedecken, wenn sie im Flugzeug mitfliegen wolle, sagte ein Airline-Mitarbeiter laut CNN im Hinblick auf ihren kurzen Jumpsuit zu ihr.

Rowe postete später ein Foto ihres Outfits auf Twitter: Sie trug einen ärmellosen, bunten Einteiler aus dünnem Stoff und kurzen Shorts. "Das hier habe ich getragen, als American Airlines mich dazu zwang, das Flugzeug zu verlassen", schrieb sie in dem Post.

"Ich wurde aufgefordert, mich zu bedecken. Als ich mein Outfit verteidigt habe, haben sie mir Angst gemacht, mich nicht mehr ins Flugzeug zu lassen." Rowe habe sich schließlich in eine Decke hüllen und damit den Gang im Flugzeug entlang laufen müssen.

"Haben Sie eine Jacke?"

Rowe schilderte dem "Business Insider" was am 30. Juni kurz vor Abflug geschehen sein soll: Sie sei schon an Bord des Flugzeugs gewesen und habe fast ihren Sitzplatz erreicht, als eine Flugbegleiterin zu ihr kam und sie um ein Gespräch im vorderen Teil des Flugzeugs bat. Sie sei aus dem Flugzeug begleitet worden. "Sie haben mir nicht erklärt, warum ich aus dem Flugzeug steigen muss", sagte sie. "Alles, was sie gesagt hat war: Haben Sie eine Jacke?"

Als sie das verneint habe, teilte ihr die Stewardess mit, dass die Crew denke, ihr Outfit sei unangemessen, und dass sie nicht zurück ins Flugzeug dürfe, wenn sie sich nicht umziehe oder bedecke. Da sie gesehen habe, dass ihr Sohn Tränen in den Augen hatte, habe sie einfach nur der Situation entfliehen wollen und um die Decke gebeten, sagte Rowe.

Dabei sei an ihrem Outfit nichts unangemessen gewesen. Sie habe ihr Aussehen vor dem Abflug sogar noch einmal im Spiegel auf der Toilette geprüft. "Ich bin in einem sehr konservativen Haushalt aufgewachsen und mein Vater hat mich nie aus dem Haus gelassen, wenn meine Shorts zu kurz waren", sagte sie. "Das ist also etwas, das ich gewohnt bin."

Vorwurf der Diskriminierung

Rowe glaubt vielmehr, dass es sich beim Vorgehen der Airline nicht um Vorschriften, sondern um Diskriminierung handelt. "Ich habe einen sehr kurvigen Körper und ich bekleide mich gerne mit bunten Farben, damit man ihn sieht", sagte sie. "Aber das ist nicht vulgär. Es ist nicht unangemessen." Wenn man jemanden mit einer kleineren Kleidungsgröße in das gleiche Outfit stecke, würde sich niemand belästigt fühlen.

Mehr als 6000 User kommentierten den Post der Ärztin und spekulierten ebenfalls, dass die Airline-Mitarbeiter aus rassistischen und sexistischen Motiven gehandelt hätten. "Ich habe weiße Jungs mit Flipflops, Badehosen und ärmellosen Shirts in Flugzeuge steigen sehen", schrieb eine Userin. Eine andere forderte American Airlines dazu auf, sich bei Rowe zu entschuldigen: "Für die Art, wie Sie eine afroamerikanische Frau hypersexualisiert und verurteilt und ihren Sohn traumatisiert haben."

In einem zweiten Tweet schrieb Rowe: "Meine Shorts haben ALLES bedeckt, aber anscheinend war das zu ablenkend, um das Flugzeug zu betreten." Und in einem weiteren: "Unsere weiblichen Körper werden übersexualisiert und wir müssen uns ANPASSEN, damit sich alle um uns herum wohlfühlen. Ich habe weiße Frauen mit wesentlich kürzeren Hosen gesehen, die ins Flugzeug gestiegen sind, ohne dass jemand mit der Wimper gezuckt hat. Wahrscheinlich ist es okay, wenn es ein 'netter Arsch' ist und kein Serena-Po."

Rowe schaltete nun ihren Anwalt ein. American Airlines sagte laut CNN, man untersuche den Fall. "Wir entschuldigen uns bei Dr. Rowe und ihrem Sohn für das, was sie erlebt haben", hieß es demnach. Man habe den vollen Reisepreis erstattet.

Der Anwalt der Familie sagte, der achtjährige Sohn sei nach dem Vorfall am Boden zerstört gewesen und habe sein Gesicht mit der Decke bedeckt, in die zuvor seine Mutter gehüllt war, als die beiden ihre Sitzplätze erreicht hätten.

kry

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