Reise

Die größten Segeljachten der Welt

Superschiffe für Superreiche

Welche ist die größte Neue? Welche hat die grünste Technik? Alle zwei Jahre listet die Zeitschrift "Boote Exclusiv" die 200 längsten Segeljachten der Welt auf. Hier sind die Spitzenreiter.

Peter Seyfferth/ TheYachtPhoto.com
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Mittwoch, 28.08.2019   05:01 Uhr

Nur die Länge zählt - jedenfalls beim Ranking des Fachmagazins "Boote Exclusiv", das alle zwei Jahre die Rangliste der 200 größten Segeljachten der Welt erstellt. Im nun veröffentlichten neuen Ranking gibt es zwölf Neuzugänge - doch keiner davon schafft es in die Spitzengruppe. Die wird weiter von der "Sailing Yacht A" angeführt, dem Dreimaster des russischen Milliardärs Andrej Melnichenko.

Das vor zwei Jahren fertig gestellte Schiff wurde bei German Naval Yards in Kiel gebaut, das Design stammt von Philippe Starck. Mit 142,81 Metern Länge ist der Luxussegler nach wie vor die Nummer eins unter den Mega-Segeljachten.

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Superjachten: Die Größte, die Grünste - und welche ist die Schönste?

Wobei man natürlich darüber streiten könnte, ob der Begriff Segeljacht hier noch zutrifft. Das Lloyd's Schiffsregister führt den Pott als "Motorjacht mit Segelunterstützung" - einerseits. "Andererseits", sagt Martin Hager, Chefredakteur der Zeitschrift "Boote Exclusiv", "gibt es keinen Grund, ein Schiff mit rund 4500 Quadratmetern Segelfläche und drei knapp hundert Meter hohen Masten nicht als Segeljacht anzusehen."

Nicht nur die schiere Größe oder das martialisch-minimalistische Design beeindrucken, sondern auch Extravaganzen wie die Unterwasserlounge im Kiel des Schiffs sowie das bordeigene Mini-U-Boot. Es heißt, der Koloss habe rund 400 Millionen Euro gekostet.

Am Bau waren Hunderte teils hochspezialisierte Firmen beteiligt. Die "Sailing Yacht A" bietet etwa 50 Arbeitsplätze für die Crew an Bord sowie einige weitere an Land, um den Betrieb des Schiffs sicherzustellen. Im Grunde sind Jachten dieses Kalibers kleine mittelständische Betriebe auf See.

Segeln mit Solarstrom

Und mitunter sogar ökologisch orientiert. So wie die "Black Pearl", mit 106 Metern Länge das zweitgrößte Schiff des aktuellen Rankings. Nahezu ein gesamtes Deck des Dreimasters ist für insgesamt 384 Lithium-Ionen-Akkupakete reserviert.

Sie dienen als Stromspeicher für den CO2-freien Hotelbetrieb des Schiffes, also all das, was nicht unmittelbar mit dem Vorankommen auf See zu tun hat. Geladen werden die Batterien, indem bei gutem Wind der Propeller unterm Heck von der Wasserströmung angetrieben wird und so mittels eines Generators Strom erzeugt.

"Künftig sollen die Segel mit einer Gesamtfläche von rund 2900 Quadratmetern mit Hightech-Solarpaneelen bestückt werden", sagt Hager. Dann erzeugt die "Black Pearl" auch aus Sonnenenergie Elektrizität und könnte komplett emissionsfrei unterwegs sein - sogar bei schwacher Brise.

Der höchstplatzierte Neueinsteiger im aktuellen Ranking sortiert sich auf Platz 23 ein. Es ist der 60-Meter-Dreimaster "Seven" des italienischen Eigners Ennio Doris. Das Schiff mit einer Segelfläche von 2097 Quadratmetern wird von einer neunköpfigen Crew bedient. Unter Deck befinden sich unter anderem fünf luxuriöse Gästekabinen. Gebaut wurde das Schiff auf der Werft Perini Navi in Viareggio.

Der Trend geht zur Motorjacht

Was auffällt in der Welt der Superschiffe für Superreiche: Unter den rund 800 Booten mit einer Länge von mehr als 24 Metern, die derzeit weltweit gebaut werden, sind lediglich 50 Segeljachten. Wer sich eine Luxusvilla auf dem Wasser gönnt, entscheidet sich also meist für die bequemere und schwankungsärmere Art des Seereisens.

Dennoch wird es, wenn in zwei Jahren die nächste Superjacht-Rangliste erscheint, eine Neuordnung in der Spitze geben. Die "Sailing Yacht A" dürfte zwar auf absehbare Zeit ihre Topplatzierung behalten, doch auf der niederländischen Werft Oceano ist gerade eine 125 Meter lange Segeljacht im Bau - mutmaßlich die künftige Nummer zwei. Und beim ebenfalls niederländischen Unternehmen Royal Huisman entsteht derzeit ein 81-Meter-Schoner - mutmaßlich die künftige Nummer sieben.

Dass es auch ganz anders kommen könnte, zeigt allerdings das Beispiel der "Dream Symphonie". Das in der Türkei auf Kiel gelegte Segelschiff mit 141 Metern Länge sollte komplett aus Holz gebaut werden. Der Rumpf ist längst fertig, doch der weitere Bau ist ins Stocken geraten. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren, vielleicht ist dem Auftraggeber die Begeisterung abhanden gekommen - oder aber das Geld.

insgesamt 15 Beiträge
Hupert 28.08.2019
1. Wow
Die Russen müssen sehr reiche Bürger mit einer hervorragend funktionierenden Ökonomie sein. Anders kann ich mir die beiden ersten beiden Plätze nicht erklären, denn sonst wäre ja kein Geld für derartige Spielzeuge der [...]
Die Russen müssen sehr reiche Bürger mit einer hervorragend funktionierenden Ökonomie sein. Anders kann ich mir die beiden ersten beiden Plätze nicht erklären, denn sonst wäre ja kein Geld für derartige Spielzeuge der russischen Wirtschaftselite vorhanden.
fatherted98 28.08.2019
2. völlig...
....nutz und sinnlose Industrie und Wirtschaftszweig der einzig dem Protzen dient....die meisten dieser Yachten werden nicht mal 4 Wochen im Jahr genutzt.....da sollte Greta und Co. mal anfangen....aber ihre Fans (siehe [...]
....nutz und sinnlose Industrie und Wirtschaftszweig der einzig dem Protzen dient....die meisten dieser Yachten werden nicht mal 4 Wochen im Jahr genutzt.....da sollte Greta und Co. mal anfangen....aber ihre Fans (siehe Segelbegleiter aus Monaco) haben ja selbst solche Dinger im Hafen liegen.
kohle+reibach 28.08.2019
3. Verstehe den Sinn nicht
All diese Yachten kannst Du nur mit einer großen Crew fahren, auch wenn vieles elektrisch/elektronisch sein wird, d.h. Segel setzen usw. macht man nicht mehr von Hand. Wenn ich jetzt Milliardär wäre und meine kostbare Freizeit [...]
All diese Yachten kannst Du nur mit einer großen Crew fahren, auch wenn vieles elektrisch/elektronisch sein wird, d.h. Segel setzen usw. macht man nicht mehr von Hand. Wenn ich jetzt Milliardär wäre und meine kostbare Freizeit dann auch noch mit einer bezahlten Crew teilen muss und mein Schiff nicht nur mit meiner Familie bewegen kann, dann ist der Sinn und Freizeitwert diese Boote für mich nicht gegeben. Oder sehe ich das falsch?
jupiter_jones 28.08.2019
4. Eos
Die eos ist mein lieblingsschiff. Klassische linien find ich schoener und zeitloser. Finde es auch gut wenn milliardaere zumindest geschmack beweisen. Die sailingyacht A mag zwar eine segelyacht sein, aber optisch hat sie zuviel [...]
Die eos ist mein lieblingsschiff. Klassische linien find ich schoener und zeitloser. Finde es auch gut wenn milliardaere zumindest geschmack beweisen. Die sailingyacht A mag zwar eine segelyacht sein, aber optisch hat sie zuviel von einer motoryacht. Nicht mein ding.
irritation 28.08.2019
5.
Was hilft denn dieser Kommentar? Eine nichtfunktionierende Ökonomie kann genauso gut für einige wenige die perfekte Voraussetzung sein. So ein Boot ist ein Alleinstellungsmerkmal, das verdeutlicht finanzielle Ungleichheit. [...]
Zitat von HupertDie Russen müssen sehr reiche Bürger mit einer hervorragend funktionierenden Ökonomie sein. Anders kann ich mir die beiden ersten beiden Plätze nicht erklären, denn sonst wäre ja kein Geld für derartige Spielzeuge der russischen Wirtschaftselite vorhanden.
Was hilft denn dieser Kommentar? Eine nichtfunktionierende Ökonomie kann genauso gut für einige wenige die perfekte Voraussetzung sein. So ein Boot ist ein Alleinstellungsmerkmal, das verdeutlicht finanzielle Ungleichheit. Genau darum geht es bei der Anschaffung eines Bootes dieser Klasse auch. Das Geld kommt von der Ausbeutung (Bodenschätze und Menschen).
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