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Lohnt sich die Versicherung gegen Flugverspätung?

Airlines tun sich häufig schwer, wenn sie Entschädigungen zahlen sollen. Zugleich nimmt die Zahl der Flugverspätungen zu. Versicherungen entdecken den Markt - mit fraglichen Angeboten.

DPA

Flughafen München: Flugstreichungen nach Terminalräumung

Von
Freitag, 13.09.2019   12:54 Uhr

Die Versicherungsbranche sieht in der wachsenden Zahl verspäteter Flüge eine Geschäftsidee. Nach der Axa will nun die Hanse Merkur Versicherung Reisende gegen Flugverspätungen versichern. Nach EU-Recht stehen Passagieren ab drei Stunden Verspätung Entschädigungen zu, und auch dann sträuben sich Fluglinien häufig, das Geld zu bezahlen.

Die Hanse-Tochter Berlin Direkt Versicherung will die EU-Entschädigung nach eigener Aussage direkt und garantiert auszahlen, die Kunden treten dafür ihre Rechte an das Unternehmen ab. Das treibt die Forderung von der Airline als Kostenausgleich ein und arbeitet dafür mit dem Hamburger Fluggastrechteportal Euflight zusammen.

Zudem sollen Versicherte auch bereits bei einer Verspätung von 60 Minuten pauschal 100 Euro erhalten - unabhängig vom Verspätungsgrund. Vermittelt werden sollen die Versicherungen nach Angaben der Berlin Direkt hauptsächlich über Onlinereisebüros, Reisebüroketten oder Reisevermittler.

Ob sich für die Passagiere eine solche Versicherungsart lohnt, ist allerdings fraglich. Die Prämie für Flyneo, so der Name des Produkts, wird dynamisch ermittelt. Unter anderem spielten Wetterdaten und eine Datenbank des Rückversicherers Swiss Re eine Rolle für die Preisbildung, sagt Mirko Kühne, Vorstand bei der Berlin Direkt.

So kann es sein, dass eine Versicherung pro Flug auch mal 30 Euro kostet. Besonders risikoreiche, weil häufig sehr wahrscheinlich verspätete Flüge, können automatisiert als nicht versicherbar abgelehnt werden. Zudem gibt für den Fall, dass eine Airline eine dem Passagier zustehende Entschädigung nicht bezahlen will, auch immer die Möglichkeit, sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zu wenden.

Automatisierte Software übernimmt Abwicklung

Das Problem der Verzögerungen im Luftverkehr ist gewaltig und wird weiter wachsen. 2018 hatte jeder 20. Flug in Europa eine Abflugverspätung von mehr als einer Stunde, gut 55 Prozent der Flugvorfalle wurden als höhere Gewalt eingestuft und lagen damit nicht im Einflussbereich der Fluglinie. Bis 2040 könnte die Zahl der langen Verspätungen von mehr als zwei Stunden um 700 Prozent zunehmen.

Um das Thema der Passagierentschädigungen in solchen Fällen hat sich eine ganze Industrie von Fluggastrechteportalen gebildet, die teils windig arbeiten. Sie gelten als ein Beispiel für die zunehmende Verbreitung von Legal Tech, also der in Teilen automatisierten Bearbeitung von juristischen Problemen mittels Software.

Auch die Versicherungen machen sich Software zunutze; die Axa setzt mit ihrer Verspätungsversicherung Fizzy zusätzlich auf die Blockchain-Technologie. Dabei wird der Abschluss der Versicherung in einer Ethereum-Blockchain dezentral und unveränderbar gespeichert. Das System gleicht automatisch mit Datenbanken die Pünktlichkeit des Fluges ab. Ist die Maschine mehr als zwei Stunden verspätet, erhält der Versicherungsnehmer ohne weiteres Zutun direkt nach der Landung eine Kompensationszahlung angewiesen.

insgesamt 9 Beiträge
Hans58 13.09.2019
1.
Wenn man sich mit den Konditionen näher befasst, kann man nur sagen : Finger weg. Das "Kleingedruckte" liest vermutlich aber keiner....
Wenn man sich mit den Konditionen näher befasst, kann man nur sagen : Finger weg. Das "Kleingedruckte" liest vermutlich aber keiner....
Sibylle1969 13.09.2019
2.
So eine Versicherung ist mit Verlaub Quatsch. Das Geld dafür kann man sich sparen.
So eine Versicherung ist mit Verlaub Quatsch. Das Geld dafür kann man sich sparen.
ned divine 13.09.2019
3. lohnt natürlich nicht, genau so wenig
eine Handyversicherung oder auch eine sogenannte Gepäckversicherung. Beide zahlen wenn überhaupt, wenn man nachweislich das Gepäckstück oder das Handy fest in der Hand hatte. Ich betone NACHWEISLICH, im Zweifel wird also wie [...]
eine Handyversicherung oder auch eine sogenannte Gepäckversicherung. Beide zahlen wenn überhaupt, wenn man nachweislich das Gepäckstück oder das Handy fest in der Hand hatte. Ich betone NACHWEISLICH, im Zweifel wird also wie so oft, nichts gezahlt auch nicht bei diesem nebulösen Modell. Wieder einmal wird deutlich, dass man nur die Versicherungen haben sollte, zu denen man per Gesetz leider gezwungen wird, KK, PV ... Alles andere ist nur schön für die Versicherung selbst und ein Gewinn, nicht für den "Versicherten". Denn es ist genau das Kalkül dieser sogenannten "Unternehmen". Schon mein Großvater wusste es, die einzigen wahren "Halsabschneider" damals vor 100 Jahren und noch heute ist das so, sind Banken und Versicherungen, daran hat sich nichts geändert.
bartnelke 13.09.2019
4. Kosten des Klimawandels
rechnen wir die bald steigenden Kosten der Versicherungswirtschaft gegen die geplante CO2-Steuer, ist die Steuer auf jeden Fall die günstigstere Alternative.
rechnen wir die bald steigenden Kosten der Versicherungswirtschaft gegen die geplante CO2-Steuer, ist die Steuer auf jeden Fall die günstigstere Alternative.
dummzeuch 14.09.2019
5. welchen Sinn hat das?
Der Sinn der Entschädigungszahlungen bei Flugverspätungen ist, dem Airlines einen größeren Anreiz zu geben pünktlich zu sein. Der Sinn einer Versicherung ist es, den finanziellen Schaden eines wie auch immer gearteten [...]
Der Sinn der Entschädigungszahlungen bei Flugverspätungen ist, dem Airlines einen größeren Anreiz zu geben pünktlich zu sein. Der Sinn einer Versicherung ist es, den finanziellen Schaden eines wie auch immer gearteten Ereignisses zu begrenzen. Aber was ist der Sinn dieser Versicherung gegen Verspätungen? Welchen finanziellen Schaden soll sie begrenzen? Eine Verspätung ist in der Regel kein finanzieller Schaden sondern einfach nur ärgerlich und stressig. Anders sieht es aus, wenn man deshalb den Anschluss verpasst oder eine Hotelübernachtung bezahlen muss, aber genau das wird anscheinend nicht versichert.

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