Reise

Geringere Mehrwertsteuer auf Bahntickets

"Das ist ein guter Weg"

Durch eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Fernverkehr-Bahntickets könnten Reisende viel Geld sparen. Doch das wäre nicht der einzige Vorteil, wie der Lobbyverband Allianz pro Schiene sagt.

Arnulf Hettrich/ imago images

ICE am Hauptbahnhof Frankfurt

Mittwoch, 17.04.2019   11:50 Uhr

Bahnfahren könnte attraktiver und das Klima geschützt werden: Sollte die Bundesregierung in Zukunft wirklich Bahntickets geringer besteuern als zuvor, hätte das positive Auswirkungen in vielerlei Hinsicht. So beurteilt der Lobbyverband Allianz pro Schiene den Vorschlag von Verkehrsminister Andreas Scheuer, die Mehrwertsteuer auf Fernverkehrstickets der Bahn von 19 auf 7 Prozent zu senken.

"Das ist ein guter Weg", sagte Geschäftsführer Dirk Flege dem Berliner Radiosender 105'5 Spreeradio. "Es macht Bahnfahren für Millionen Reisende billiger und ist ein Beitrag zur Entbürokratisierung." Derzeit müssten die Bahnunternehmen "mühsam die Mehrwertsteuer differenzieren zwischen Nah- und Fernverkehr". Im Fernverkehr gelten zurzeit 19, im Nahverkehr 7 Prozent. Das sei "eine Menge Verwaltungsaufwand".

Insgesamt werde Bahnfahren so auch attraktiver, deutlich mehr Fahrgäste seien zu erwarten. "Der Vorschlag ist auch in der von der Bundesregierung eingesetzten Verkehrskommission gekommen", betonte Flege. Er sei dort von fast allen Beteiligten empfohlen worden.

Günstigere Fahrpreise und Netzausbau

Ein Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn sagte zu der Idee: "Das freut uns." Damit erreiche Scheuer endlich einen Stand, den es in vielen anderen europäischen Ländern schon gebe. Er forderte zugleich von der Bahn, die mögliche Steuersenkung dann auch an die Kunden weiterzugeben. "Oder es muss, das wäre die andere Variante, definitiv dafür gesorgt werden, dass das in den weiteren Netzausbau gesteckt wird. Beides ist für uns Kunden eigentlich eine gute Sache." Günstigere Fahrpreise seien aber die Priorität.

Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist für die Senkung der Mehrwertsteuer. "Die Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsträgern sind immer noch zu Lasten der Schiene verzerrt", sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) verlangte, der Ankündigung schnell Taten folgen zu lassen. Auch die Trassenpreise, das sind Gebühren für die Nutzung der Schienen, müssten endlich gesenkt werden, sagte VZBV-Verkehrsexperte Gregor Kolbe dem "Handelsblatt".

Ersparnis für Bahnfahrer wäre beträchtlich

Die Forderung nach einer Absenkung der Mehrwertsteuer auf Fernverkehrstickets hatte es in der Vergangenheit wiederholt von den Grünen gegeben. Im öffentlichen Nahverkehr gilt bereits der geringere Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent.

Die Ersparnis für Bahnfahrer im Fernverkehr wäre beträchtlich. Sie könnten laut Scheuer um bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr entlastet werden. "Wem es mit dem Klimaschutz und dem Umstieg von Auto oder Flugzeug auf die Bahn ernst ist, der muss bei der Steuer ansetzen." Statt zu Verboten, Tempolimits oder dem Verteuern von Mobilität zu greifen, müssten Bahnverbindungen noch attraktiver gemacht werden, sagte Scheuer.

Zwischen Hamburg und Berlin fliege quasi niemand mehr, weil die Bahnverbindung gut sei. Eine positive Bilanz zieht der Minister zudem für die ICE-Strecke Berlin-München, wo sich die Fahrgastzahlen verdoppelt hätten. "Wir haben auf dieser Strecke schon 30 Prozent der Passagiere vom Inlandsflug zum Umstieg auf die Schiene bekommen."

jus/dpa

insgesamt 22 Beiträge
lenslarque 17.04.2019
1. Wenn nicht
gleichzeitig per Gesetz/Verordnung dafür gesorgt wird, daß die Mehrwertsteuersenkung auch weitergegeben wird, kann sich jeder selbst ausrechnen, was beim Fahrgast ankommen wird.
gleichzeitig per Gesetz/Verordnung dafür gesorgt wird, daß die Mehrwertsteuersenkung auch weitergegeben wird, kann sich jeder selbst ausrechnen, was beim Fahrgast ankommen wird.
kalsu 17.04.2019
2.
Die Bahn braucht Investitionen ins Netz, ins Personal und ins Material. Dafür braucht es Geld - viel Geld. Der Eigner der Bahn ist zu 100% der Bund. Reduziert man die MwSt. bekommt der Bund weniger Steuereinnahmen. Wovon will der [...]
Die Bahn braucht Investitionen ins Netz, ins Personal und ins Material. Dafür braucht es Geld - viel Geld. Der Eigner der Bahn ist zu 100% der Bund. Reduziert man die MwSt. bekommt der Bund weniger Steuereinnahmen. Wovon will der Bund dann in die Bahn investieren? Besser wäre es, die MwSt zu lassen wo sie ist, auf die jährliche Dividende von der Bahn in Höhe von 500-600 Mio € zu verzichten und die eine Milliarde in die Bahninfrastruktur zu stecken. Um so durch bessere Verbindungen und weniger Unzuverlässigkeit mehr Kunden zu gewinnen. Wie kompensiert der Bund die 400 Mio € Steuerausfall? Wer darf das zahlen oder wo wird gestrichen?
shardan 17.04.2019
3. Nicht der einzige Vorteil...
Der größte Vorteil einer Mehrwertsteuersenkung wird vermutlich kaum erwähnt: Man kann die Preise gleich lassen und gleich mal 12% des Preises zusätzlich kassieren. Ohnehin ist das nur eine Teillösung. Es kommen so viele [...]
Der größte Vorteil einer Mehrwertsteuersenkung wird vermutlich kaum erwähnt: Man kann die Preise gleich lassen und gleich mal 12% des Preises zusätzlich kassieren. Ohnehin ist das nur eine Teillösung. Es kommen so viele Probleme auf einmal zusammen, dass eine Steuersenkung - so sie beim Kunden überhaupt ankommt - wenig Wirkung entfalten wird. Beispiel: Ich muss mehrmals im Jahr dienstlich nach München. So alle Verbindungen funktionieren, beträgt die Fahrtdauer mit der Bahn ca 6 Stunden zzgl. Fahrt zum/vom Bahnhof. Sind die Verbindungen unpünktlich - das ist der Regelfall! - werden das sehr schnell auch 8 Stunden. Da das dienstliche Reisen sind, gilt die Arbeitszeitregelung. Heißt: Für einen Tag Tagung in München mit der Bahn muss ich zwei Übernachtungen einplanen, verliere drei Arbeitstage im Büro. Das Flugticken vom nächsten Regionalflughafen nach München kostet 2/3 der Bahntickets. Eine Strecke dauert incl(!) Anreise/Abreise zum Flughafen 3,5 Stunden, ich brauche nur eine Übernachtung, um das Arbeitszeitrecht einzuhalten, ich verliere nur etwa 1,5 Tage im Büro. Für was wird sich mein Chef wohl entscheiden?
heissSPOrN 17.04.2019
4.
Warum nicht beides (Nah- und Fernverkehr) auf 0%, gegenfinanziert durch eine längst überfällige Steuer auf Flugbenzin?
Warum nicht beides (Nah- und Fernverkehr) auf 0%, gegenfinanziert durch eine längst überfällige Steuer auf Flugbenzin?
o.b.server 17.04.2019
5. Flug Hamburg - Berlin?
Welche Airline bietet einen Direktflug an?
Welche Airline bietet einen Direktflug an?

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