Reise

Seebeben in der Ägäis

Was Touristen jetzt wissen müssen

Beim Seebeben in der Ägäis gab es Tote und Verletzte, mehrere Hotels wurden beschädigt. Reiseveranstalter beruhigen die Kunden - und versprechen Kulanz.

REUTERS

Boote in der türkischen Provinz Mugla nach dem Seebeben in der Ägäis

Von und
Freitag, 21.07.2017   16:32 Uhr

Mario Köpers ist erleichtert. "Wir haben derzeit 6400 Deutsche auf Kos. Gott sei Dank sind die meisten mit dem Schrecken davongekommen, nur einzelne Gäste haben leichte Verletzungen durch herumfliegende Glasscherben erlitten", sagt der Sprecher von TUI Deutschland am Tag nach dem starken nächtlichen Seebeben in der Ägäis zwischen Kos und Bodrum.

"Die meisten unserer Gäste reagieren besonnen." Nach jetztigem Kenntnisstand gebe es an einigen wenigen Hotels zwar leichte Schäden, insgesamt laufe der Hotelbetrieb jedoch ohne Einschränkungen weiter, so Köpers. Für TUI-Gäste gilt: "Es gibt aktuell keine Einschränkungen auf die gebuchten Reiseleistungen, dementsprechend gelten die allgemeinen Reisebedingungen." In Bodrum habe es nach aktuellem Kenntnisstand keine nennenswerten Schäden gegeben. "Alle unsere 400 deutschen Gäste sind wohlauf."

Beschädigte und "nicht sichere" Hotels

Auch der Veranstalter Thomas Cook bestätigt: Alle Gäste in der Türkei und in Griechenland sind unverletzt, die meisten konnten wieder zurück in ihre Hotels. Ein Hotel auf Kos sei nach dem Beben allerdings als nicht sicher eingestuft worden. Den Namen der unbewohnbaren Unterkunft möchte Unternehmenssprecherin Isabella Partasides zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen. Betroffene Gäste würden in anderen Hotels untergebracht. Mit Urlaubern, die eigentlich in den nächsten Tagen oder Wochen in dem Hotel einchecken wollten, würde zügig Kontakt aufgenommen.

Foto: REUTERS

DER Touristik meldet auf Kos vier Hotels, die durch das Seebeben zum Teil stark beschädigt wurden: Das Continental Palace in Kos-Stadt ist nicht mehr bewohnbar, das Hypokratis in Pasalidi ist beschädigt, das Ausmaß der Schäden am Atlantis und Mitsis Ramira noch nicht bekannt. "Sollten wir Reisegäste haben, die vorzeitig zurückreisen wollen, so wird unsere Reiseleitung eine vorzeitige Rückreise - nach freien Kapazitäten - ermöglichen. Die nicht in Anspruch genommenen Leistungen werden erstattet", sagt Anne Schmidt, Pressesprecherin des Unternehmens. Für Kunden, deren Kos-Urlaub noch ansteht, gelten die regulären Allgemeinen Geschäftsbedingungen und damit die Storno- und Umbuchungsgebühren. Anreisen innerhalb der kommenden sieben Tage würden allerdings vom Servicecenter individuell auf Kulanzlösungen geprüft, so Schmidt.

Große Verspätungen am Flughafen

Ob eine geplante Reise nach einem Erdbeben kostenlos abgesagt werden kann, hängt vom Ausmaß der Schäden und von der Gefahrenlage vor Ort ab. Eine Absage ist dann möglich, "wenn es erhebliche Schäden gibt und die gesamte Infrastruktur betroffen ist", erklärt Reiserechtler Kay Rodegra aus Würzburg. So müssten zum Beispiel das gebuchte Hotel schwer beschädigt, der Eisenbahn-, Flug-, Fähr- und Busverkehr unterbrochen sowie Zufahrtswege für den Autoverkehr gesperrt sein.

Auf Kos hat der in der Nacht kurzzeitig geschlossene Flughafen Kos-Hippokrates den Betrieb wieder aufgenommen. Laut Informationen von Anne Schmidt, Pressesprecherin von DER Touristik, sollen im Laufe des Tages alle Flüge durchgeführt werden, es sei jedoch weiterhin mit großen Verspätungen zu rechnen. Ein Sprecher der griechischen Regierung sagte dem Fernsehsender ERT, die Lage auf der Insel scheine "vollständig unter Kontrolle" zu sein: "Der Flughafen ist betriebsfähig, die Straßen sind in guter Verfassung, und es gibt keine bedeutenden Schäden an der Infrastruktur."

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) bestätigt, dass die Durchführung von Reisen nicht nennenswert eingeschränkt sei. Die Veranstalter brächten Gäste bei Bedarf in anderen Hotels unter. Daher gelten für Reisende die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Veranstalter und damit die regulären Storno- und Umbuchungsgebühren.

Immer wieder bebt die Erde

Eine Frage, die die Touristen vor Ort umtreibt: Müssen sie mit weiteren Beben rechnen? "Griechenland ist gemeinsam mit der Türkei die erdbebenaktivste Region Europas", erklärt der Seismologe Marco Bohnhoff vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. Dass hier die Erde immer wieder beben wird, können er und seine Kollegen sicher sagen, aber nicht, wann. "Wir arbeiten daran, aber Erdbeben voraussagen können wir noch nicht", sagt er. Nachbeben hat es in der Ägais bereits gegeben, wenn auch weniger stark als das Hauptbeben, das sich in der Nacht auf Freitag um 01.31 Uhr Ortszeit ereignete. Auch in den nächsten Tagen müsse man weiterhin mit langsam schwächer werdenden Beben rechnen, sagt Bohnhoff.

Kos ist vor allem bei jüngeren Urlaubern beliebt. Behördenangaben zufolge sind derzeit etwa 85 Prozent der rund 100.000 Betten auf der Insel belegt.

Mit Material von dpa und AFP

insgesamt 2 Beiträge
erst nachdenken 21.07.2017
1.
Warum sollte es kostenlose Umbuchungen geben, wenn nichts passiert ist? Das ist halt eine Erdbebenregion, das weiß man.
Warum sollte es kostenlose Umbuchungen geben, wenn nichts passiert ist? Das ist halt eine Erdbebenregion, das weiß man.
narichten-leserin 22.07.2017
2. Ich war dabei
Genau. Ich auch. Leider. Als es bebte, waren wir auf Kos. Es war ca. 1:30 und Kosmetika fielen runter. Alle auf einmal. Ich wunderte mich. Dann rüttelte es so doll, das sich der Schreibtisch verschob. Es war laut. Sehr laut.Leute [...]
Genau. Ich auch. Leider. Als es bebte, waren wir auf Kos. Es war ca. 1:30 und Kosmetika fielen runter. Alle auf einmal. Ich wunderte mich. Dann rüttelte es so doll, das sich der Schreibtisch verschob. Es war laut. Sehr laut.Leute liefen auf die Straße, Kinder weinten.Doch dann war Klar: Es ist ein Seebeben. Es kam außerdem eine Tsunamiwelle.Die war aber nur 2-4m hoch.Nach ein paar Stunden legte sich alles. Am Abend bekamen wir alle sehr viel Lob,wir hätten uns gut verhalten. Es gab Cocktails,Musik,ein riesiges Maskottchen und alles war gut.LG eure narichten-Leserin.Bye!

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