Reise

Passagierrekord

Kreuzfahrten bei Deutschen so beliebt wie nie

Der Boom kennt keine Grenzen: 2018 reisten so viele deutsche Urlauber wie noch nie an Bord von Kreuzfahrtschiffen - 2,26 Millionen waren es. Das beliebteste Ziel war nicht das Mittelmeer.

Donnerstag, 07.03.2019   14:10 Uhr

Kreuzfahrten stehen bei deutschen Urlaubern seit Jahren hoch im Kurs - aber so viele Passagiere wie 2018 hat es noch nie gegeben. Die Reedereien zählten insgesamt 2,26 Millionen deutsche Passagiere auf Hochseeschiffen. Das teilten der Branchenverband Clia Deutschland und der Deutsche Reiseverband auf der Reisemesse ITB in Berlin mit.

Allerdings lag das Wachstum bei den Schiffsreisen mit 3,5 Prozent diesmal etwas niedriger als noch 2017 (8,4 Prozent). Als Grund dafür nannte Clia-Chef Karl J. Pojer, dass ein Teil der neuen Schiffe erst spät im Jahr 2018 auf den Markt gekommen sei und sich entsprechend wenig auf die Zahlen ausgewirkt hätte. "Daher rechnen wir 2019 mit einem erneut deutlich stärkeren Wachstum", sagte Pojer.

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Kreuzfahrt-Boom: Wohin die Reise geht

Insgesamt 18 Hochseekreuzfahrtschiffe mit mehr als 34.000 Betten hätten die Reedereien 2018 in Dienst gestellt. Dieses Jahr sollen 25 Schiffe mit rund 43.000 Betten hinzukommen.

Nicht nur die Zahl an Urlaubern stieg im vergangenen Jahr. Auch die Reisedauer verlängerte sich leicht. Sie betrug 2018 im Durchschnitt neun Tage, das entspricht einem erwarteten Anstieg von etwa 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei diesen Zahlen handelt es sich um Schätzungen. Die endgültigen Ergebnisse zum deutschen Hochseekreuzfahrtmarkt 2018 wird Clia im April veröffentlichen.

Wohin die Reise geht

Nordeuropa bleibt das beliebteste Reiseziel für Kreuzfahrturlauber aus Deutschland. 28 Prozent aller Hochseereisen führten im Jahr 2018 dorthin. Dahinter folgen das westliche Mittelmeer (24 Prozent), die Kanarischen Inseln (11 Prozent) und die Karibik (10 Prozent), das östliche Mittelmeer (9 Prozent) und die Ostsee (5 Prozent).

Es ist hinlänglich bekannt, dass

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Kreuzfahrt-Boom: Wohin die Reise geht

Kreuzfahrten die Umwelt extrem belasten, sie gelten Kritikern als "Dreckschleudern". Die Reedereien setzen nach eigenen Angaben jedoch verstärkt auf umweltfreundliche Technologien und wollen ihren CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2030 um 40 Prozent im Vergleich zu 2008 senken.

Ein wichtiger Baustein dabei ist laut Clia-Deutschland-Chef Helge Grammerstorf, dass zunehmend Schiffe mit Flüssiggasantrieb (LNG) in Dienst gestellt werden. Die "Aida Nova" war 2018 das erste solche Schiff, 25 Schiffe weltweit sollen es bis 2027 sein.

Zudem verfügten 111 von derzeit 253 Schiffen über Abgasnachbehandlungssysteme. Weitere werden den Angaben zufolge umgerüstet oder es sind Umrüstungen bei ihnen geplant. Das Problem: Diese Systeme werden ausgeschaltet, wenn sie beispielsweise nicht für die Einhaltung von Schwefelgrenzwerten benötigt werden. Sie sind schlicht nicht permanent in Betrieb. (Lesen Sie hier mehr zur Problematik der Abgasreinigung.)

"Die Kreuzfahrtbranche hat das Ziel, ihren Beitrag zum maritimen Umweltschutz weiter auszubauen", sagte Grammerstorf.

Boom auch bei Flusskreuzfahrten

Auch bei den Flusskreuzfahrten gibt es Höchststände: Rund 496.000 Urlauber aus Deutschland entschieden sich 2018 für diese Reiseform. Das bedeutet laut dem Branchenverband IG River Cruise ein Plus von 5,5 Prozent im Vergleich zu 2017. Laut Vizepräsident Alexander Nothegger ist das besonders bemerkenswert, weil die Branche im Sommer 2018 mit dem extremem Niedrigwasser zu kämpfen hatte.

Den seit vielen Jahren bestehenden Zweikampf um das beliebteste Flussfahrtgebiet entschied 2018 der Rhein für sich (35,9 Prozent), die Donau hatte mit 35,2 Prozent der Reisen ganz knapp das Nachsehen. Deutliche Zuwächse gab es bei Flussreisen in Frankreich, einen starken Rückgang um rund 50 Prozent in allen außereuropäischen Fahrtgebieten.

In der Flusskreuzfahrt gab es noch zwei bemerkenswerte Entwicklungen. Zum einen ist das Alter der Passagiere im Schnitt deutlich gesunken. Nothegger sprach von einer "deutlichen Verschiebung". Größte Gruppe bleiben zwar die 66- bis 75-Jährigen mit einem Anteil von 31 Prozent. 2017 waren es aber noch über 39 Prozent. Deutliche Zuwächse gab es bei den 41- bis 55-Jährigen (von 11,8 auf 18,3 Prozent) und bei den 26- bis 40-Jährigen (von 2,0 auf 8,3 Prozent).

Daneben zeichnet sich ein Trend zum Premium- und Luxussegment ab. Budget- und Standardschiffe verloren dagegen. Dadurch sei auch der durchschnittliche Reisepreis gestiegen.

jus/dpa

insgesamt 32 Beiträge
muellerthomas 07.03.2019
1.
"Das beliebteste Ziel war nicht das Mittelmeer." Doch: "Nordeuropa bleibt das beliebteste Reiseziel für Kreuzfahrturlauber aus Deutschland. 28 Prozent aller Hochseereisen führten im Jahr 2018 dorthin. [...]
"Das beliebteste Ziel war nicht das Mittelmeer." Doch: "Nordeuropa bleibt das beliebteste Reiseziel für Kreuzfahrturlauber aus Deutschland. 28 Prozent aller Hochseereisen führten im Jahr 2018 dorthin. Dahinter folgen das westliche Mittelmeer (24 Prozent), die Kanarischen Inseln (11 Prozent) und die Karibik (10 Prozent), das östliche Mittelmeer (9 Prozent)" Also 33% Mittelmeer gegenüber 28% Nordeuropa.
Haarfoen 07.03.2019
2. CO² - Emissionen
Es stimmt traurig, dass diese Form des CO²- intensiven Tourismus weiter auf dem Vormarsch ist und sich die Deutschen weiterhin einer Verhaltensänderung zum (dringenden) Schutz unseres Planeten verweigern. Eine 10-tägige [...]
Es stimmt traurig, dass diese Form des CO²- intensiven Tourismus weiter auf dem Vormarsch ist und sich die Deutschen weiterhin einer Verhaltensänderung zum (dringenden) Schutz unseres Planeten verweigern. Eine 10-tägige Kreuzfahrt in einem Schiff der Kategorie + 3.000 Passagiere setzt pro Person 2,35 t CO² frei, der von der UNO errechnete Maximalverbrauch pro Person zur Vermeidung einer Klimakatastrophe liegt bei ca. 2.5 t. Es wird also ein Jahreskontingent "verschleudert". Und dies unter der Annahme, dass das Schiff nicht mit dem Flugzeug erreicht werden muss. Ein Kreuzfahrtschiff stößt am Tag etwa so viel CO² aus, wie 84.000 PKW, Vergleichswert der Stickoxide liegt bei 421.000 PKW und Schwefeloxide im Vergleich zu 376 Mio Autos - was an der schlechten Qualität der Treibstoffe liegt. Warum man das mitmacht, verstehe ich nicht. Es sei den Menschen ja Urlaub gegönnt, aber warum dieser Urlaub auf diesen Dreckschleudern stattfinden muss, kann sich nur in der Ignoranz dieser Menschen begründen. Es wäre dringend erforderlich, Schiffstypen zu entwerfen, die ausschließlich mit Segel- oder Solarkraft bewegt werden. Bis CO²- neutrale Schiffe nicht in Betrieb sind, sollte man ein Schiff nicht mehr betreten: Man wird Mittäter eines Verbrechens an der Atmosphäre unseres Planeten.
janne2109 07.03.2019
3. schade
ich gönne jedem soviel Urlaub wie er sich leisten kann -- aberrrr es freut mich gar nicht, dass immer mehr Menschen Schiffsreisen machen. der dicke Bauch schiebt sich ans Bufett, die Teller werden geknallt bis zum runterfallen [...]
ich gönne jedem soviel Urlaub wie er sich leisten kann -- aberrrr es freut mich gar nicht, dass immer mehr Menschen Schiffsreisen machen. der dicke Bauch schiebt sich ans Bufett, die Teller werden geknallt bis zum runterfallen der Lebensmittel einschließlich der Garnitur, die auch noch mitgeschaufelt wird. Wogende Massen lassen sich vom Animateur zum schunkeln bringen, es gibt keinen Ort an Bord ( außer die Kabine und der kleine Balkon) auf dem es mal ruhig und beschaulich ist. AIDA-nie wieda, für sehr teure Reisen ( z. B. MS Europa) reicht leider mein Geld nicht.
Nania 07.03.2019
4.
Ich zähle mich nicht zu der hier beschriebenen Gruppe - aber auch diese Reisenden wollen so Urlaub machen. Ich sehe da auch eher ein generelles Haltungsproblem der Menschen, die so sind, wie Sie beschreiben: Es ist nicht [...]
Zitat von janne2109ich gönne jedem soviel Urlaub wie er sich leisten kann -- aberrrr es freut mich gar nicht, dass immer mehr Menschen Schiffsreisen machen. der dicke Bauch schiebt sich ans Bufett, die Teller werden geknallt bis zum runterfallen der Lebensmittel einschließlich der Garnitur, die auch noch mitgeschaufelt wird. Wogende Massen lassen sich vom Animateur zum schunkeln bringen, es gibt keinen Ort an Bord ( außer die Kabine und der kleine Balkon) auf dem es mal ruhig und beschaulich ist. AIDA-nie wieda, für sehr teure Reisen ( z. B. MS Europa) reicht leider mein Geld nicht.
Ich zähle mich nicht zu der hier beschriebenen Gruppe - aber auch diese Reisenden wollen so Urlaub machen. Ich sehe da auch eher ein generelles Haltungsproblem der Menschen, die so sind, wie Sie beschreiben: Es ist nicht die Kreuzfahrt, die hier den Ausschlag gibt. Die Leute verhalten sich in Buffetrestaurants genauso und würden auch den Urlaub in einem deutschen All-Inclusive-Hotel an der Ostsee so verbringen.
betonklotz 07.03.2019
5. was soll der Reiz bei einer Kreuzfahrt sein?
Das habe ich nie verstanden. Von den Ländern und Leuten sieht man ja nichts, im Wesentlichen hängt man auf dem Schiff rum und kriegt Bespaßung aus der Konserve. So eine Art Zauberberg auf dem Wasser und teuer noch dazu.
Das habe ich nie verstanden. Von den Ländern und Leuten sieht man ja nichts, im Wesentlichen hängt man auf dem Schiff rum und kriegt Bespaßung aus der Konserve. So eine Art Zauberberg auf dem Wasser und teuer noch dazu.
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