Reise

Meerblick

Wenn auf Mauritius die Palmen stören

Wo Meerblick draufsteht, muss auch freie Sicht auf die Wellen drin sein. Andernfalls können Reisende ihr Geld - zumindest teilweise - zurückbekommen.

Donnerstag, 03.08.2000   12:27 Uhr

Düsseldorf - Wer für einen Aufpreis ein Hotelzimmer mit Meerblick bucht, vor Ort aber eine verstellte Aussicht vorfindet, kann vor Gericht ziehen - und gegen den Reiseveranstalter gewinnen, wie ein Urteil des Amtsgerichts München zeigt. Darauf macht die Rechtschutzversicherung Arag aufmerksam.

Im konkreten Fall hatte sich eine Mauritius-Touristin den Ausblick auf das Meer 400 Mark extra kosten lassen. Als sie am Urlaubsort ankam, war die erhoffte Aussicht auf Wellen und Wasser durch einen Palmenhain verdeckt. Ein anderes Zimmer mit unversperrtem Ausblick war nicht frei.

Nach ihrer Rückkehr klagte die Frau gegen den Reiseveranstalter und forderte den Aufpreis zurück. Mit dem Argument des Veranstalters, bisher hätten die Palmen noch niemanden gestört, wollte sie sich nicht abspeisen lassen.

Das Gericht gab der Klägerin Recht. Der freie Blick aufs Meer sei eine "zugesicherte Eigenschaft" der Reise gewesen, die nur "bruchstückhaft" gewährleistet gewesen sei. Die erbrachte Leistung des Veranstalters sei daher "teilweise mangelhaft".

Allerdings: Einen gewissen Erholungswert wollte das Amtsgericht dem Palmenhain wohl doch nicht absprechen. Von den bezahlten 400 Mark bekommt die Touristin, so das Urteil, lediglich 300 Mark zurück.

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