Reise

Neues Messner-Museum in Südtirol

Das ist ja die Höhe

Für Reinhold Messners neues Museum hat Stararchitektin Zaha Hadid den Fels aushöhlen lassen. Sie schuf unterirdische Räume mit Aussichtsbalkons - und Wänden, die dem berühmten Schirmherr "viele weiße Haare" bescherten.

KRONPLATZ-ZAHA HADID
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Freitag, 24.07.2015   05:06 Uhr

Gleich am Eingang des Museumsgebäudes, das eher Bergtunnel ist als Berghütte, steht eine Aluminiumleiter. Ein immer häufiger gebrauchtes Hilfsmittel, mit dem Berge präpariert werden, damit beispielsweise am Mount Everest auch weniger begabte Bergsteiger weit nach oben kommen. Die Leiter ist ein Symbol für die Erschließung hoher Gipfel für den Tourismus, ein Symbol für die Art von Bergabenteuer, die Museumspate Reinhold Messner immer wieder kritisiert.

Nun eröffnet er am Freitag sein sechstes und laut eigener Aussage letztes "Messner Mountain Museum". Auf dem Kronplatz-Gipfel in Südtirol, 2275 Meter hoch. Um hierher zu kommen, braucht niemand eine Aluleiter, ganz bequem geht's per Seilbahn, zu Fuß braucht man vom Tal aus vier Stunden. Der Kronplatz ist mit seiner umfangreichen Wintersport-Infrastruktur ein Paradebeispiel für die Erschließung der Alpen für den Massentourismus.

Ausgerechnet hier ließ nun Stararchitektin Zaha Hadid eine größtenteils unterirdische Betonstruktur in den Berg treiben, die ein Museum beherbergt, in dem es um den traditionellen Alpinismus geht. "Dorthin gehen, wo alle anderen nicht sind, und auf viele technische Hilfsmittel verzichten", so definiert Reinhold Messner die Urform des Bergsteigens, die für ihn seit 250 Jahren die Königsdisziplin des Alpinismus darstellt: "Weder nur Sport noch Tourismus, sondern eigenverantwortliches Unterwegssein ohne Netz und doppelten Boden."

Um die Geschichte dieser Art von Abenteuer geht es im Kronplatz-Museum. Kernstück des neuen Museums, das von örtlichen Liftbetreibern finanziert wird, die auf eine bessere Auslastung im Sommer hoffen, ist die laut Messner "weltgrößte Kletterhakensammlung von 1880 bis heute". Jedes Exponat ist mit Datum und Ort der Benutzung gekennzeichnet, wodurch die Entwicklung der Absicherung auf Bergtouren erzählt wird.

Probleme bei der Raumausstattung

Für Messner ist die Zeit der Pioniertaten in den Bergen noch längst nicht vorbei. "Es gibt immer noch Hunderttausende Möglichkeiten", sagt Messner. "Allein im indischen Ladakh sind Zehntausende Gipfel unbestiegen. Und es gibt Wände wie die Masherbrum-Nordwand in Pakistan, wo sich die heutigen Spitzenbergsteiger die Zähne ausbeißen. Dort geht es immer noch darum, möglich zu machen, was bislang für unmöglich gehalten wurde."

Die Architektur des tunnelartigen Hadid-Gebäudes an exponierter Stelle ist spektakulär, die Zeitung "Financial Times" sprach schon von "einem der auffälligsten neuen Gebäude in den Alpen". An mehreren großen Fenstern und Balkonen können Besucher weite Blicke auf die umliegenden Berge genießen, wie ein Ausguck für Außerirdische wirkt das Bauwerk von außen. Als er die Räume ausstatten sollte, hatte Messner allerdings einige Schwierigkeiten: Die meisten Wände sind nämlich nicht gerade, sondern abgerundet, häufig auch überhängend.

Dort musste der berühmte Bergsteiger nun Bilder, Modelle und sonstige Exponate verteilen. Vor einiger Zeit nannte er die Museumsprojekte seinen "15. Achttausender". Dieses wird ihm wohl besonders in Erinnerung bleiben: "Ich habe noch nie so viele weiße Haare bekommen wie in den letzten drei Wochen", sagt Messner.

Matterhorn-Quiz

insgesamt 83 Beiträge
janvanwerth 24.07.2015
1. Zaha Hadid--die Erste
Ich konnte mich noch nie für Zaha Hadids Innenräume erwärmen (ich bin selber Architekt). Eins muss man ihr aber lassen: Sie ist die erste Frau in der Kunstgeschichte überhaupt (!!!), die es als Architektin zu Weltruhm gebracht [...]
Ich konnte mich noch nie für Zaha Hadids Innenräume erwärmen (ich bin selber Architekt). Eins muss man ihr aber lassen: Sie ist die erste Frau in der Kunstgeschichte überhaupt (!!!), die es als Architektin zu Weltruhm gebracht hat. Warum die Architektur, die sich doch eigentlich so fortschrittlich gibt, da hinter allen Kunstrichtungen auf fast schon groteske Weise hinterherhinkt, sollte mal einer, der mehr weiß als ich, erklären.
Worldwatch 24.07.2015
2. Ein weiterer Schnickschnack im Berg ...
.... den kein Mensch dort braucht, noch etwas mit alpinem Natur- wie Kulturschutz zu tun hat. Messner's Ego, versus Oeko. Und dies fuer sehr ueberschaubare Informations- wie Konsumfreudenzuwaechse. Und noch mehr [...]
.... den kein Mensch dort braucht, noch etwas mit alpinem Natur- wie Kulturschutz zu tun hat. Messner's Ego, versus Oeko. Und dies fuer sehr ueberschaubare Informations- wie Konsumfreudenzuwaechse. Und noch mehr 'Baukunst', wo viele denken, "Kunst" waere, das vermieden zu haben oder beseitigen zu koennen!"
nadja_romanowa 24.07.2015
3. Gleicher als gleich.
Warum hat denn der Reinhold nun graue Haarr bekommen? Etwa weil er seit Monaten an Rechtfertigungen bastelt, wie der Bau zu seinen früheren Aussagen passt? Oder weil die Architektur nun doch nicht die Überraschung ist? [...]
Warum hat denn der Reinhold nun graue Haarr bekommen? Etwa weil er seit Monaten an Rechtfertigungen bastelt, wie der Bau zu seinen früheren Aussagen passt? Oder weil die Architektur nun doch nicht die Überraschung ist? Irgendwie wiederholt sich Frau Hadid nur noch selbst. Gerade das Bild 2 könnte auch 'ne Innenaufnahme aus dem BMW Werk Leipzig sein. Obwohl der Bau an sich gut in die Landschaft passt.
sojetztja 24.07.2015
4.
Messners Kritik am Bergtourismus und dessen Folgen ist einfach scheinheilig. Letzten Endes sind das die Geister, die er rief und weiter ganz bewusst ruft (und an denen er nebenbei sehr gut verdient). Alles Heuchelei.
Messners Kritik am Bergtourismus und dessen Folgen ist einfach scheinheilig. Letzten Endes sind das die Geister, die er rief und weiter ganz bewusst ruft (und an denen er nebenbei sehr gut verdient). Alles Heuchelei.
applefan 24.07.2015
5. Hässlicher gehts kaum noch!
Hässlicher gehts kaum noch! Wie man die Berge mit so etwas verschandeln kann, kann ich nicht verstehen! Nur dadurch, weil es der Herr Messner macht, wird die Zerstörung der Natur auch nicht besser und legitimiert ein solches [...]
Hässlicher gehts kaum noch! Wie man die Berge mit so etwas verschandeln kann, kann ich nicht verstehen! Nur dadurch, weil es der Herr Messner macht, wird die Zerstörung der Natur auch nicht besser und legitimiert ein solches Verbrechen auch nicht.
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