Reise

Test in Frankfurt

Was die Passagierkontrolle am Flughafen schneller macht

Wie gerne würde man am Flughafen an der Passagierkontrolle die langsamen Mitreisenden überholen! Künftig könnte das möglich sein - dank eines neuen Systems, das die Bundespolizei derzeit testet.

Getty Images

Wartende am Flughafen

Freitag, 01.02.2019   17:44 Uhr

Die Kontrolle des Handgepäcks und des eigenen Körpers empfinden die meisten Passagiere als zwar notwendigen, aber auch lästigen Teil ihrer Flugreise. Besonders nervenaufreibend wird die Prozedur, wenn sich an den Schaltern lange Warteschlangen bilden und der Abflugtermin immer näher rückt.

Im vergangenen Jahr haben zu Stoßzeiten Tausende Passagiere nicht nur in Frankfurt ihre Flüge verpasst, die Kontrollen haben ihren Teil dazu beigetragen. Doch ein neues System, das gerade an den Flughäfen in Hamburg und Frankfurt getestet wird, verspricht nun Besserung.

Der Kniff scheint simpel, denn eigentlich geht es nur darum, an der Kontrolle überholen zu dürfen. Schon am Eingang der neuen Konfiguration können drei Passagiere gleichzeitig ihr Handgepäck sortieren, Flüssigkeiten und Computer rausnehmen und auflegen. Der erfahrene Vielflieger muss nicht mehr warten, bis der Flugneuling endlich das Deo gefunden und in die vorgeschriebene Klarsichttüte gepackt hat. Auch im weiteren Verlauf haben die Kontrolleure die Möglichkeit, einzelne Gepäckstücke und Passagiere rauszuholen, ohne alle anderen aufzuhalten.

Die federführende Bundespolizei stand 2018 in der heftigen Kritik von Flughäfen und Airlines - allen voran der Lufthansa. Die deutschen Kontrollen seien zu teuer und zudem im internationalen Vergleich nicht effektiv genug, schimpfte der Frankfurter Flughafenchef Stefan Schulte. In München kam es im Sommer zu einer folgenschweren Sicherheitspanne: Eine Frau konnte durch eine Sicherheitsschleuse gehen, ohne vorher kontrolliert zu werden. Daraufhin räumte die Bundespolizei zwei Abflughallen, 330 Flüge wurden abgesagt, mehr als 30.000 Passagiere waren betroffen.

Die großen Flughäfen wollen den Einsatz der privaten Sicherheitskräfte an den Bändern künftig selbst steuern und möglichst auch die Anlagen selbst planen. Die Bundespolizei solle nur noch die Fachaufsicht führen, lautet der Vorschlag, für den aber das Luftsicherheitsgesetz geändert werden müsste.

Wie sind die Ergebnisse der Tests?

Die Bundespolizei will nun beweisen, dass sie es auch besser kann. Die beiden neuen Kontrollspuren seien deutlich effizienter als die bisherigen, berichtete die Frankfurter Direktion am Freitag. Genaue Zahlen gibt es noch nicht, doch dem Vernehmen nach geht es in den neuen Spuren mindestens doppelt so schnell wie bislang.

Allerdings benötigen die neuen Anlagen mehr Platz als die alten: In einem zum Sommer geplanten Anbau am Frankfurter Terminal 1 sollen statt zehn herkömmlicher Linien für rund 10 Millionen Euro sieben neue Reihen eingebaut werden. Die Stundenleistung könnte von rund 800 auf etwa 1500 Passagiere steigen. Dies würde insbesondere die Abläufe am Flugsteig A beschleunigen, der vor allem von Lufthansa genutzt wird.

Technisch ist noch mehr möglich. Die an deutschen Flughäfen eingesetzten Röntgengeräte kommen alle aus einer Industriehalle im Wiesbadener Ortsteil Erbenheim. Rund 600 Menschen entwickeln, bauen und vertreiben hier für den britischen Mischkonzern Smiths jährlich rund 4000 hochempfindliche Scanner für militärische und zivile Anwendungen. Ob hochgesicherte Konferenzen wie in Davos, Gerichte und Gefängnisse, Großveranstaltungen wie die Fußball-WM oder eben die Sicherheitsbereiche der Flughäfen: Überall stehen Geräte der Smiths Detection, die sich selbst als europäischen Marktführer sieht. Die Exportrate liegt bei über 80 Prozent.

DPA

Passagierkontrolle am Frankfurter Flughafen

Für Entwicklungschef Rainer Henkel steht außer Frage: Die derzeit an den deutschen Flughäfen installierten Scanner könnten einen wesentlich höheren Durchsatz pro Stunde schaffen. "Der Flaschenhals entsteht nicht am Gerät, sondern davor und dahinter", sagt der Ingenieur.

Computertomografie für Handgepäck

Einen weiteren Komfortsprung könnte die nächste, gerade erst zum Jahresende 2018 zertifizierte Generation der Smiths-Scanner bringen, sagt Henkel. Erstmals wird die aus der Medizin bekannte Technik der Computertomografie (CT) für Handgepäck angewendet. Statt vier Aufsichtsbildern wie bislang entstehen ohne Tempoverlust bis zu 800 Aufnahmen des Gepäckstücks, was am Bildschirm dreidimensionale Ansichten und die schichtweise Durchleuchtung der Gegenstände ermöglicht.

Laptops und Flüssigkeiten könnten künftig im Handgepäck bleiben, denn mit nur einem Mausklick kann der Operator sie am Bildschirm ausblenden. Bisher wurden sie aussortiert, um das Röntgenbild zu vereinfachen.

Die CT-Technik wird beim Aufgabegepäck bereits seit 2012 verwendet, die neuen, in Europa bereits zugelassenen Handgepäck-Scanner werden unter anderem in den USA, Australien und in Amsterdam erprobt. Bleiben Flüssigkeiten, Laptops und anderes technisches Gerät künftig im Koffer, wäre das für die Passagiere komfortabler und hätte den erwünschten Nebeneffekt, dass die Zahl der zu überprüfenden Gepäckwannen sinkt.

Die neuen Geräte sind teurer als ihre Vorgänger, räumt Smiths-Detection-Vertriebschef Alexander Rund ein. Ob sie auch an deutschen Flughäfen eingesetzt werden, hängt von der Entscheidung des Bundesbeschaffungsamts ab.

Auch mit den neuen Spuren wird es in Frankfurt noch Wartezeiten geben, schließlich stehen im Sommer den neun neuen Einheiten 180 mit der alten Technik gegenüber. Die Bundespolizei forderte Fraport nun auf, für die größeren Kontrollspuren auch an den anderen Zugängen zusätzliche Flächen bereitzustellen - doch dies ginge möglicherweise zu Lasten lukrativer Ladenflächen. Auch die Fluggesellschaften könnten ihren Beitrag für schnellere Kontrollen leisten, wenn sie Handgepäckmengen über ihre Ticketpolitik reduzierten.

Christian Ebner, dpa

insgesamt 33 Beiträge
Karacho 01.02.2019
1. Ganz kalter Kaffee....
Was hier als Neuheit verkauft wird, ist in anderen Ländern bereits Standard. z. B. London Heathrow. Bis zu 3 Personen können nebeneinander vor dem Band vor dem Gepäckröntgen ihre Sachen vorbereiten und haben auch jeder ein [...]
Was hier als Neuheit verkauft wird, ist in anderen Ländern bereits Standard. z. B. London Heathrow. Bis zu 3 Personen können nebeneinander vor dem Band vor dem Gepäckröntgen ihre Sachen vorbereiten und haben auch jeder ein eigenes Kistenfach und können so viele Kisten befüllen wie sie wollen.....
stefanmargraf 01.02.2019
2. Der Flaschenhals ist oft die Flasche vor dem Scanner
Wenn der Mitarbeiter nicht konzentriert ist und in der Gegend herumschaut oder mit Kollegen schwätzt, dann steht das Band sehr oft einfach. Kann man sich anschauen, man hat ja Zeit....
Wenn der Mitarbeiter nicht konzentriert ist und in der Gegend herumschaut oder mit Kollegen schwätzt, dann steht das Band sehr oft einfach. Kann man sich anschauen, man hat ja Zeit....
Denki Groove 01.02.2019
3. TSA Pre
Wird Zeit das man mal was positives aus den USA übernimmt und damit den Ferienflieger vom Vielflieger trennt. Funktioniert relativ gut drüben.
Wird Zeit das man mal was positives aus den USA übernimmt und damit den Ferienflieger vom Vielflieger trennt. Funktioniert relativ gut drüben.
dummzeuch 01.02.2019
4. Rumdoktern an Symptomen
Das Sicherheitstheater wurde immer wieder ad Absurdum geführt, wenn Leute Wege an den Kontrollen vorbei fanden oder sich durchmogelten. Insbesondere die Beschränkung von Flüssigkeiten ist irrsinnig, sie sorgt nur für höhere [...]
Das Sicherheitstheater wurde immer wieder ad Absurdum geführt, wenn Leute Wege an den Kontrollen vorbei fanden oder sich durchmogelten. Insbesondere die Beschränkung von Flüssigkeiten ist irrsinnig, sie sorgt nur für höhere Umsätze für Getränke im "Sicherheitsbereich" und in den Flugzeugen. Wer sich mit Chemie auskennt, bekommt auch jetzt noch problemlos aus mehreren Komponenten bestehenden Sprengstoff durch die Kontroll oder kauft sie sich erst danach. Aber man muss dem Bürger ja zeigen, wie wichtig die "Sicherheit" ist, also spielt man Theater.
Naghhghas 01.02.2019
5.
und offensichtlich auch sicherheitstechnisch erfolgreich. Aber sowas ist in Deutschland nicht denkbar, hier darf man keine Vorteile haben, jeder ist gleich ob man nun Vielflieger ist oder einmal alle 5 Jahre fliegt. Aber [...]
Zitat von Denki GrooveWird Zeit das man mal was positives aus den USA übernimmt und damit den Ferienflieger vom Vielflieger trennt. Funktioniert relativ gut drüben.
und offensichtlich auch sicherheitstechnisch erfolgreich. Aber sowas ist in Deutschland nicht denkbar, hier darf man keine Vorteile haben, jeder ist gleich ob man nun Vielflieger ist oder einmal alle 5 Jahre fliegt. Aber was aus den USA kommt ist sowieso immer schlecht nach Meinung der meisten Deutschen :)

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