Reise

Risikokarte für Geschäftsreisende

Wie sicher ist die Welt?

Wer reist, geht immer auch ein Risiko ein. Doch in welchem Land ist es wie groß? Und welche Gefahren drohen überhaupt? Experten bewerten 14 Länder für das kommende Jahr anders als bisher.

travelriskmap.com

Travel Risk Map: Die Karte zeigt die Einstufung des medizinischen Risikos für Reisende

Von
Montag, 18.11.2019   06:24 Uhr

Vor der maledivischen Insel Girifushi ist ein deutscher Tourist bei einer Bootsfahrt von einer Kugel getroffen worden. Ein Querschläger einer Militärübung verletzte den 41-Jährigen zum Glück nicht lebensbedrohlich. In Griechenland starben zwei Urlauber, als ihr Camper in einem Wirbelsturm über den Strand bei Sozopoli geschleudert wurde. Und in Kenia kollidierte ein zweimotoriges Touristenflugzeug bei der Landung mit zwei Gnus - die Insassen erlitten einen heftigen Schrecken.

Alles Unfälle der vergangenen Wochen, fern der Heimat, die vielleicht ungewöhnlich sind, aber geschehen. Wie hoch ist das Risiko, auf Reisen im Straßenverkehr, bei Naturkatastrophen oder bei politischen Unruhen verletzt zu werden oder etwa an Ebola zu erkranken? Und wie sieht die medizinische Versorgung dann aus?

Dies sind Fragen, mit denen sich Sicherheitsdienstleister wie International SOS beschäftigen. Bei ihnen sichern Unternehmen ihre Mitarbeiter ab - mit Beratungen, Tracking und im Notfall Evakuierungen.

"2019 ist die Welt nicht unsicherer und nicht sicherer geworden", sagt Martin Bauer, Regional Security Manager bei dem Unternehmen, das am Montag die neue Version der "Travel Risk Map" herausgibt. Tiefrot und mit extrem hohem Sicherheitsrisiko sind darauf Länder wie Jemen, Syrien oder Libyen eingezeichnet. Hoch ist das Risiko etwa in Venezuela und Teilen Indiens, mittel in Brasilien und Südafrika, niedrig in Marokko und Deutschland und unbedeutend in Slowenien oder Dänemark. (Hier geht es zur interaktiven Weltkarte.)

14 Veränderungen bei der Bewertung auf der Travel Risk Map hätten sich zum Vorjahr ergeben, sagt Bauer dem SPIEGEL:

2019 haben vor allem die Proteste in Hongkong für viele Anfragen von Firmenkunden gesorgt, sagt Bauer. In der Stadt sei Finanzindustrie aus vielen Ländern ansässig, dementsprechend viele Ausländer wohnen dort.

Auch die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Iran blieben im Blick: Wird es zu einem größeren Konflikt kommen? Gibt es weitere Anschläge auf Ölanlagen? Die Situation "verschafft uns viel Arbeit, weil viele Geschäftsreisende dort vor Ort sind", sagt Bauer. Genauso einige Naturkatastrophen wie Hurrikane, Brände und Überflutungen von den USA über Europa bis Indien.

Was kommt 2020?

Für 2020 rechnen die Experten mit steigender Tendenz der Naturkatastrophen, die Gefahrengebiete seien allerdings schwer vorhersagbar. Politisch rechnet der Sicherheitsmanager Martin Bauer mit diesen Unwägbarkeiten:

Medizinische Risiken: Herzinfarkt gefährlicher als Terror

Terroranschläge wie der auf dem Sinai erwecken zwar hohe Aufmerksamkeit - doch das Risiko, davon betroffen zu sein, ist gering. Ganz im Gegensatz zu Gefahren, die Reisende selbst mit im Gepäck haben: "Wenn wir in unsere Statistiken schauen, sind es vor allem die sogenannten Wohlstandserkrankungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte, Thrombosen, die dazu führen, dass wir Patienten evakuieren müssen", sagt Stefan Eßer, Ärztlicher Leiter Zentraleuropa bei International SOS. Zudem auch Unfälle im Straßenverkehr, bei der Arbeit oder in der Freizeit.

"Die Patienten bekommen den Herzinfarkt nicht, weil sie reisen, sondern statistisch während sie reisen", sagt er. "Der einzige Unterschied ist: Wenn man schon das Pech hat, einen Herzinfarkt zu erleiden, ist man natürlich in Frankfurt besser aufgehoben als in Ouagadougou, wo die Versorgung desaströs ist."

Auf der Travel Risk Map spielen bei der Bewertung der medizinischen Risiken daher Faktoren wie Gesundheits- und Rettungssysteme, Verfügbarkeit von Medikamenten neben der Verbreitung von Infektionskrankheiten wie Malaria und Cholera eine Rolle.

Deutliche Verbesserungen bei den Gesundheitssystemen innerhalb der letzten Jahre sieht der Mediziner zum Beispiel in der Türkei, Tunesien und Marokko. Auch in Algerien - bisher mit hohem medizinischen Risiko eingestuft - gibt es zumindest in den Städten im Norden gute private Einrichtungen. "In den osteuropäischen Ländern wie Bulgarien und Rumänien sehen wir einen langsamen, aber kontinuierlichen Anstieg in den letzten 10, 15 Jahren", sagt Eßer.

Zwar gebe es auch in Rumänien mäßig oder schlecht versorgte Regionen. Beeindruckt zeigt sich Eßer aber von einem Rettungssystem in der Hauptstadt Bukarest. "Aus den Krankenwagen werden zum Beispiel EKGs über Telemedizin in die Uni-Krankenhäuser geschickt. So weiß der leitende Notarzt, welche herzmedizinischen Probleme in den nächsten 20 Minuten in der Klinik eintreffen und kann entsprechend Rettung und Personal organisieren." Das gebe es selbst in Deutschland nur selten.


Die Travel Risk Map bietet nicht nur beruflich Reisenden und ihren Arbeitgebern einen Anhaltspunkt, sondern auch Urlaubern. Letztere sind mancherorts zum Teil allerdings höheren Risiken ausgesetzt, weil sie sich im Land bewegen und in weniger geschütztem Rahmen reisen. Beziehungsweise gibt es manche Länder auf der Welt, in die man wohl nur reist, wenn man dort arbeiten muss. Die Einschätzung des Auswärtigen Amts weicht daher für manche Länder ab.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version haben wir geschrieben, dass die Travel Risk Map in Kooperation von International SOS und Control Risk herausgegeben wurde. In diesem Jahr hat nur International SOS die Karte verfasst, das haben wir korrigiert.

insgesamt 28 Beiträge
lace 18.11.2019
1. Mexiko runtergestuft? Scherz?
"In Guanajuato etwa ist die mexikanische Regierung deutlich gegen die Drogenmafia vorgegangen" Soll das ein Scherz sein? Erst vor wenigen Wochen wurde auf Anweisung des Präsidenten Obrador der Sohn von Drogenbaron "El [...]
"In Guanajuato etwa ist die mexikanische Regierung deutlich gegen die Drogenmafia vorgegangen" Soll das ein Scherz sein? Erst vor wenigen Wochen wurde auf Anweisung des Präsidenten Obrador der Sohn von Drogenbaron "El Chapo" kurz nach dessen Festnahme gleich wieder freigelassen, nachdem Mitglieder des Kartells ganze Städte mit Waffengewalt tyrannisiert hatten um jenen Sohn freizupressen. Der neue Polizeichef von Celaya wurde letzte Woche vom Kartell erstmal mit einem Feuerüberfall auf seinen gepanzerten (!) Fahrzeugkonvoi "begrüßt". Alleine die Liste von Morden in Celaya ist für dieses Jahr schon ellenlang, Polizisten, Studenten, Ladenbesitzer - praktisch wöchentlich Horrormeldungen über Morde. Von "Bagatelldelikten" wie bewaffneten Raubüberfällen auf Autofahrer und Fussgänger rede ich hier erst gar nicht, das ist Tagesordnung. Zusammenfassung: die Lage in Mexiko hat sich unter dem aktuellen Präsidenten Obrador deutlich verschlechtert, da dieser eine "Appeasementpolitik" gegen die Kartelle fährt - mit demselben Resultat wie damals bei unsrem Adolf - die Kartelle lachen sich kaputt und werden immer aggressiver und dreister. Das die Milizen der Kartelle deutlich besser mit Waffen ausgestattet sind als die Polizei in Mexiko macht die Sache um so schlimmer. Dennoch kommt es selten zu Konflikten zwischen Polizei und Kartellen, da die meisten Polizisten durch Erpressung gefügig gemacht wurden. Durch den boomenden Handeln mit Kokain werden die Kartelle zudem immer mächtiger. Mexiko ist ein Land mit wundervollen Menschen, aber es leidet aktuell akut unter dem Krebs der Drogenkartelle und dem schlechten Einfluss bestimmter Nachbarländer.
Europeon 18.11.2019
2.
Eine hochauflösende Version der gezeigten Karte wäre sinnvoll gewesen...
Eine hochauflösende Version der gezeigten Karte wäre sinnvoll gewesen...
Hamberliner 18.11.2019
3. Doch, gibt's auch hochauflösend.
Die hier (https://www.spiegel.de/reise/aktuell/bild-1296154-1488823.html) ist in der Tat nicht hochauflösend, aber mit einigen Klick-Bemühungen stößt man auf die hier (https://www.travelriskmap.com/#/planner/map/security). [...]
Zitat von EuropeonEine hochauflösende Version der gezeigten Karte wäre sinnvoll gewesen...
Die hier (https://www.spiegel.de/reise/aktuell/bild-1296154-1488823.html) ist in der Tat nicht hochauflösend, aber mit einigen Klick-Bemühungen stößt man auf die hier (https://www.travelriskmap.com/#/planner/map/security). Unten kann man zwischen Karten nach verschiedenen Kriterien wählen, auch road security und medical. Da kann man nicht meckern.
Strangelove 18.11.2019
4. Der Link
zur interaktiven Karte ist im Artikel enthalten. Warum nicht erst lesen, dann meckern.
Zitat von EuropeonEine hochauflösende Version der gezeigten Karte wäre sinnvoll gewesen...
zur interaktiven Karte ist im Artikel enthalten. Warum nicht erst lesen, dann meckern.
Vadomar 18.11.2019
5. Brasilien relativ sicher ?!?
Kann nicht nachvollziehen, warum Brasilien als relativ sicheres Land eingestuft wird. Das mag für ländliche Regionen gelten, die Megastädte Sao Paulo und Rio sind dies nicht, musste ich am eigenen Leib erfahren. Und in den [...]
Kann nicht nachvollziehen, warum Brasilien als relativ sicheres Land eingestuft wird. Das mag für ländliche Regionen gelten, die Megastädte Sao Paulo und Rio sind dies nicht, musste ich am eigenen Leib erfahren. Und in den Städten im besonders armen Nordosten herrscht teilweise totale Anarchie.
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