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Flüge, Bargeld, Hoteltransfer

Was Griechenland-Urlauber wissen müssen

Die Pauschalreise nach Griechenland ist gebucht, aber rundum sorglos fühlt sich anders an. Wegen der drohenden Staatspleite stellen sich Urlauber viele Fragen. Wie viel Bargeld muss mit? Wie komme ich vom Flughafen zum Hotel? Die wichtigsten Antworten.

AP

Blau, weiß, Griechenland: "Für herzliche Gastfreundschaft bekannt"

Montag, 29.06.2015   16:50 Uhr

In Deutschland beginnen die Sommerferien, Hunderttausende Urlauber werden bald in ein Flugzeug steigen und nach Griechenland reisen. Doch können sie angesichts der eskalierten Schuldenkrise überhaupt noch ihre Ferien auf dem Peloponnes, auf den Kykladen oder rund um die Akropolis genießen? Wie können sie Souvenirs bezahlen? Werden die Sehenswürdigkeiten zugänglich sein?

Alles, was Touristen jetzt wissen müssen, im Überblick:

Wie komme ich vor Ort an Bargeld?

Griechen dürfen ab sofort maximal 60 Euro pro Tag an den Geldautomaten abheben. Touristen sind davon nicht betroffen. Sie können unbegrenzt Geld abheben - vorausgesetzt, die Automaten sind nicht leer. Das Auswärtige Amt rät deutschen Urlaubern, ausreichend Bargeld mitzubringen. Denn wegen der Schließung aller Banken könne es zu längeren Wartezeiten an Automaten kommen, heißt es auf der Webseite der Behörde.

Laut ADAC und dem Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz sind Zahlungen mit EC- und Kreditkarten weiterhin theoretisch möglich. Es könnte allerdings sein, dass Geschäfte oder Restaurants auf Bargeld bestehen. Wenn alle Stricke reißen und Urlauber dringend Geld benötigen, ist laut Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV) ein letzter Ausweg der Geldtransfer. Über Unternehmen wie Moneygram oder Western Union kann man sich Geld nach Griechenland schicken lassen.

Gibt es Einschränkungen bei Sehenswürdigkeiten?

Derzeit noch nicht. Sollte das Land aber zahlungsunfähig werden, könnte die Regierung wohl keine Gehälter mehr zahlen. Dann müssten laut ADAC wohl auch viele staatliche Museen schließen. Auch im Verkehr dürfte es Probleme geben, zum Beispiel bei den Fähren.

Wie sieht es mit der medizinischen Versorgung aus?

Laut ADAC behandeln viele Ärzte bereits derzeit nur gegen Bargeld. Urlauber sollten deshalb auf jeden Fall eine Auslandskrankenversicherung abschließen. So bekommen sie nach der Reise ihr Geld zurück.

Welchen Einfluss hätte ein Grexit auf meine Pauschalreise?

So schlimm die Folgen eines möglichen Staatsbankrotts oder eines Austritts des Landes aus der Eurozone für die Griechen sein könnten - für Urlauber hätte ein Grexit nur geringe Auswirkungen. Gebuchte Reisen wären nicht beeinträchtigen, versichert Marktführer TUI. Touristische Leistungen wie Flüge, Hotels oder Bustransfers seien eingekauft und vertraglich abgesichert.

Gleiches gilt bei Thomas Cook: Die Leistungsverträge mit den griechischen Hoteliers seien schon vor längerer Zeit abgeschlossen worden, und die Preise stünden fest, hatte Unternehmenssprecher Christian Schmicke erklärt.

Meiden die deutschen Urlauber jetzt Griechenland?

Danach sieht es nicht aus. Zwar zeigte sich der Verband der griechischen Tourismusunternehmen zuletzt besorgt. Doch die deutschen Veranstalter berichten von einer anhaltend guten Nachfrage. Nach Angaben vom DRV lässt sich eine Buchungszurückhaltung oder Ablehnung nicht erkennen. Die Zahl der Buchungen habe sich bei den deutschen Veranstaltern zwischen Januar und Mai auf dem sehr hohen Niveau des Vorjahres bewegt. Im Mai gab es sogar noch einmal einen leichten Zuwachs im Vergleich zum vergangenen Jahr.

2014 reisten 2,5 Millionen Deutsche nach Griechenland. Das war ein Rekord nach dem zwischenzeitlichen Einbruch der Vorjahre.

Werden deutsche Touristen noch freundlich empfangen?

Ja, betonen die Veranstalter. Griechenland sei für seine "herzliche Gastfreundschaft bekannt", heißt es beim DRV. Deutschland ist für griechische Hoteliers der wichtigste Markt. Sie tun alles für deren Wohlbefinden. Trotz vereinzelter gegen Deutschland gerichteter politischer Kampagnen brauchen sich deutsche Urlauber keine Sorgen zu machen.

Wie ist es mit Kundgebungen und Streiks?

Protestkundgebungen und Streiks gab es in Griechenland nach Angaben des Auswärtigen Landes zuletzt bei weitem nicht mehr so häufig. Prinzipiell raten Behörden und Reiseveranstalter ohnehin dazu, Demonstrationen und ähnliche Versammlungen im Ausland lieber zu meiden - egal wo.

Falls es in den kommenden Tagen und Wochen wieder zu mehr Protesten kommen sollte, werden diese sich vor allem wohl in Athen und anderen Großstädten abspielen. Die Touristenzentren auf den griechischen Inseln etwa dürften kaum betroffen sein.

Und wenn ich meine Reise trotzdem stornieren will?

Leere Geldautomaten sind aus rechtlicher Sicht noch kein Grund dafür, dass Urlauber ihre Reise kostenlos stornieren dürfen. "Ich fliege ja nicht ausschließlich dorthin, um Geld abzuheben", so Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Anders sehe die Situation aus, falls in den kommenden Tagen oder Wochen eine Art Dominoeffekt einsetzen sollte und zum Beispiel kein Benzin mehr für die Ausflugsbusse vorhanden ist oder es in den Hotels kein Essen mehr gibt. "Dann kann ich den Vertrag mit dem Veranstalter wegen Schlechtleistung kündigen." Er wäre dann verpflichtet, die Reisenden nach Hause zu befördern.

Alternativ können sich Urlauber vor Ort beim Reiseleiter beschweren und eine Minderung des Reisepreises verlangen. Bis es soweit ist, bleibt Urlaubern, die ihre geplante Griechenland-Reise nicht antreten möchten, nur die Hoffnung auf Kulanz des Veranstalters oder die reguläre Stornierung. Dann fallen jedoch in der Regel Stornogebühren an.

jus/AFP/Michael Zehender/dpa

insgesamt 12 Beiträge
archback 29.06.2015
1. Strandurlaub mit Scheinen im Schuh?
Die Taschendiebe werden sich freuen, wenn jetzt alle große Mengen Bargeld dabei haben. Viel Spaß am Strand!
Die Taschendiebe werden sich freuen, wenn jetzt alle große Mengen Bargeld dabei haben. Viel Spaß am Strand!
Nepheron 30.06.2015
2. @archback
Man muss nicht gleich wieder übertreiben... Es gibt nur wenige (dumme oder extrem reiche) Leute, die sich mit 1.000 Euro an den Strand legen. Es gibt Hotelsafes. Und Taschendiebe gibt's auch in Köln am Hauptbahnhof zur Genüge.
Man muss nicht gleich wieder übertreiben... Es gibt nur wenige (dumme oder extrem reiche) Leute, die sich mit 1.000 Euro an den Strand legen. Es gibt Hotelsafes. Und Taschendiebe gibt's auch in Köln am Hauptbahnhof zur Genüge.
udok 30.06.2015
3. Hotelsafe
Na ja, die Zimmersafes sind ja nicht sicher, da gibt es für Teile des Personals immer die Möglichkeit, den aufzumachen. Hotelsafes: gehen wir mal von € 1.000 Bargeld pro Urlauberpaar aus, die in den zentralen Hotelsafe [...]
Na ja, die Zimmersafes sind ja nicht sicher, da gibt es für Teile des Personals immer die Möglichkeit, den aufzumachen. Hotelsafes: gehen wir mal von € 1.000 Bargeld pro Urlauberpaar aus, die in den zentralen Hotelsafe gelegt werden. Da kommen dann selbst in kleinen und mittleren Hotels Beträge zusammen, die einen Einbruch lohnend machen. Ob diese Safes auf echte Profis ausgelegt sind?
miso77 30.06.2015
4.
Man kann natürlich auch sein Bargeld in kleinen Tütchen runterschlucken. Da ist es auf jeden Fall sicher. Dann braucht man nur noch ein bißchen Abführmittel und man ist schnell wieder liquide. Außer man wird auf der [...]
Zitat von udokNa ja, die Zimmersafes sind ja nicht sicher, da gibt es für Teile des Personals immer die Möglichkeit, den aufzumachen. Hotelsafes: gehen wir mal von € 1.000 Bargeld pro Urlauberpaar aus, die in den zentralen Hotelsafe gelegt werden. Da kommen dann selbst in kleinen und mittleren Hotels Beträge zusammen, die einen Einbruch lohnend machen. Ob diese Safes auf echte Profis ausgelegt sind?
Man kann natürlich auch sein Bargeld in kleinen Tütchen runterschlucken. Da ist es auf jeden Fall sicher. Dann braucht man nur noch ein bißchen Abführmittel und man ist schnell wieder liquide. Außer man wird auf der Straße überfallen und aufgeschlitzt. Dann schaut's natürlich schlecht aus... Also mal ehrlich, auch dem Personal eines Hotels ist es sicherlich ein Anliegen, dass das Geld der Gäste nicht wegkommt. Wenn plötzlich das Geld aller Hotelgäste weg wäre, dann könnte das Hotel komplett schließen, weil da keiner mehr hingeht. So viel Vertrauen sollte man schon noch in die Menschen haben. Sonst kann man sich gleich zu Hause einschließen. Mir ist übrigens in 37 Jahren Griechenland nie etwas gestohlen worden.
jjgiphone 30.06.2015
5. Woanders
Man kann aber auch woanders Urlauben, zB Türkei oder Deutschland
Man kann aber auch woanders Urlauben, zB Türkei oder Deutschland

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