Reise

Was Einheimische an Touristen nervt

Liebe Italien-Urlauber - hört auf, uns zu imitieren!

Deutsche Pseudoitaliener, Indien-Backpacker auf Selbstfindungstrip, geschwätzige Touristen in der Londoner U-Bahn: Manche Verhaltensweisen von Reisenden gehen Einheimischen ganz schön auf den Zeiger. Eine Auswahl.

REUTERS
Freitag, 28.07.2017   11:31 Uhr

Diese Antworten sitzen! Das Wissensportal Quora hat Nutzer auf der ganzen Welt gefragt: "Was sind die nervigsten Dinge, die Touristen in euren Ländern tun?" Und dabei hat sich herausgestellt, dass Urlauber Einheimische ganz schön auf die Palme bringen können. Wir haben eine Auswahl zusammengestellt, was Touristen im Ausland lieber lassen sollten:

Italien-Urlauber, bitte hört mit eurer Fuchtelei auf! Vor allem die italienischste aller Gesten, für die man die Fingerspitzen aneinanderdrückt, sie nach oben hält und dann energisch auf und ab bewegt, würde von Touristen übertrieben oft nachgeahmt, findet Karthik Venkathes aus Mailand. "Touristen benutzen sie sogar, wenn sie 'Ciao!' sagen. Idioten! Sie bedeutet: 'Was willst du von mir?'"

AFP

Alloooora! Die überbordenden Gesten der Italiener (hier: Silvio Berlusconi) werden gern von überassimilierten Touristen kopiert

Ihr plant einen Selbstfindungstrip nach Indien? Dann lauft besser nicht Prachi Vaity aus Mumbai über den Weg. Die kann den Satz "Ich bin in Indien, um mich selbst zu finden!" nicht mehr hören. "Mit dieser Hoffnung befeuert ihr vermutlich eure Pseudospiritualität. Kommt ruhig nach Indien, aber glaubt nicht, dass euer Selbst geduldig auf eure Ankunft in einem Ashram oder Tibetischen Kloster im Himalaya wartet", beschwert sie sich. "Wäre es nicht viel sinnvoller, ihr würdet euch das ganze Geld für die Reise sparen, in Ruhe zu Hause und aus den sozialen Medien wegbleiben und dafür Dinge tun, auf die ihr richtig Lust habt?"

Vaitys Landsmann Kulvir Sandhu hat ebenfalls einen Tipp - diesmal die exotische Kleiderordnung spirituell Reisender betreffend: "Meditieren kann man eigentlich so ziemlich in jeder Garderobe, man muss dafür nicht unbedingt ein indisches Outfit tragen."

Also bitte! Ruhe, jetzt!

Geschwätzige Touristen in der Londoner U-Bahn - für den Pendler Simon Millward ein unerträgliches Phänomen. Warum? Weil sich Einheimische auf ihrem täglichen Tube-Trip ohnehin schon sehr zusammenreißen müssten, um die "Folter" zu überstehen. "Es gibt keine Klimaanlage, entweder ist es zu heiß oder zu kalt. Wir sitzen da (oder noch wahrscheinlicher stehen wir), riechen fremden Achselschweiß und hoffen, dass die Fahrt schnell vorbei geht. Sich innerlich von der Außenwelt abzuschotten erfordert Konzentration und Willenskraft. Also bitte! Ruhe jetzt, seid leise!"

Und bleibt auf den Gehwegen! Dass Städtereisende im Urlaub herumschlendern, dagegen hat Andreas Rosendahl Hansen aus Kopenhagen nichts. Aber: Fußgänger, bleibt weg von den Radwegen! "In Kopenhagen sind Räder das Hauptverkehrsmittel, und Dänen haben es - anders als viele denken - eilig. Deshalb fahren wir schnell. Mit anderen Worten: Wenn ihr euch keine Feinde machen wollt oder, noch wichtiger, euren schwer verdienten Urlaub nicht in der Notaufnahme verbringen möchtet, seid ihr gut beraten, von den Radwegen weg zu bleiben. Es sei denn natürlich, ihr seid selbst mit dem Rad unterwegs."

Die Indonesierin Nariswari Khairanisa Nurjaman ist davon genervt, wie leicht es sich sogenannte "Beg-Packer" machen. Rucksackreisende, denen während ihres Südostasien-Trips das Geld ausgeht, und die sich dann bettelnd an die Straße setzen. Einheimische wie sie müssten oft monate-, oder gar jahrelang sparen, um ein Reisevisum überhaupt beantragen zu können - Erteilung unklar. "Beg-Packer" hingegen würden sich einfach ein One-Way-Ticket kaufen, und sich dann den Rückflug erbetteln. "Wenn das nicht nervig ist, was dann?"

Eine touristische Universal-Unart moniert zuletzt noch Te-Wheke Pai aus Neuseeland: "Laut sprechen und annehmen, dass man in seiner Muttersprache ja sowieso nicht verstanden wird."

ele

insgesamt 123 Beiträge
rips55 28.07.2017
1. Sprachignoranten
Leider arbeite ich zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor in Berlin und hab dort täglich mit Touristen zu tun. Mich nerven am Meisten die Reisenden, die in ihrer Heimatsprache umfangreiche Fragen stellen und Auskünfte [...]
Leider arbeite ich zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor in Berlin und hab dort täglich mit Touristen zu tun. Mich nerven am Meisten die Reisenden, die in ihrer Heimatsprache umfangreiche Fragen stellen und Auskünfte haben wollen, die sie mit zwei Klicks im Smartphone finden. Dabei fragen sie nicht mal ob man ihre Sprache kann und geben sich keinerlei Mühe verständlich zu sprechen.
kraftmeier2000 28.07.2017
2. Bin schon sehr viel
gereist in meinem Leben, und kann dieses seltsame nachahmen vieler Touristen z. B. die Begrüßung in Thailand, auch nicht nachvollziehen, meist sehen diese Menschen einfach nur lächerlich aus, und grüßen dann auch nicht [...]
gereist in meinem Leben, und kann dieses seltsame nachahmen vieler Touristen z. B. die Begrüßung in Thailand, auch nicht nachvollziehen, meist sehen diese Menschen einfach nur lächerlich aus, und grüßen dann auch nicht korrekt. Ich belasse es dabei freundlich zu grüßen, und verrenke mich dabei auch nicht, und es kommt an, und ist auch vollkommen ausreichend. Somit kann ich diese "Beschwerden" der einheimischen auch vollkommen verstehen.
serenity2012 28.07.2017
3. naja...
Ich finde es erstmal nicht verwerflich, wenn sich Touristen mit dem "Wai" (der thailändischen Begrüßung) versuchen. Immer wieder wird Touristen eingepaukt, sie sollen ein paar Worte der Landessprache lernen, sich mit [...]
Ich finde es erstmal nicht verwerflich, wenn sich Touristen mit dem "Wai" (der thailändischen Begrüßung) versuchen. Immer wieder wird Touristen eingepaukt, sie sollen ein paar Worte der Landessprache lernen, sich mit einheimischen Sitten vertraut machen, usw. aber dann ist es auch wieder nicht recht, wenn sowas dann versucht wird. Auch den Inder, der wegen der Kleidung rummeckert, finde ich grenzwertig. Rege ich mich auf, wenn Inder in Europa im Anzug statt im Dhoti und der Kurta unterwegs sind? Ich finde den indischen Salwar Kameez herrlich bequem und habe ihn in Indien auch gerne getragen. Klar, der Sari sieht an bleichen Westfrauen ein bisschen seltsam aus und würde mich hier in Deutschland auch zum Kichern anregen, aber warum in anderen Ländern nicht auch deren Kleidung tragen? Da kann ich eher den Herrn aus London verstehen, bzw. generell die Klage über laut in ihrer Muttersprache palavernde Touris, die meinen, sie werden eh nicht verstanden. Selbst wenn nicht, nervt die Lautstärke. Generell nervt mich auch (unabhängig von der Nationalität) wenn Touris in Großstädten langsam latschen, stehenbleiben und rumgaffen und dabei ständig den Einheimischen im Weg stehen. Ganz große Klasse in London: Die Leute, die in der U-Bahn direkt oben oder unten an der Rolltreppe stehenbleiben um sich zu orientieren oder ihren Trupp zu versammeln und dabei allen anderen im Weg stehen.
Max Super-Powers 28.07.2017
4.
Laufen wir im Ausland in Shorts+Socken+Sandalen herum, wird gemeckert Laufen wir im Ausland in einheimischer Kleidung herum, wird gemeckert Benehmen wir uns im Ausland wie typische Deutsche, wird gemeckert Benehmen wir uns im [...]
Laufen wir im Ausland in Shorts+Socken+Sandalen herum, wird gemeckert Laufen wir im Ausland in einheimischer Kleidung herum, wird gemeckert Benehmen wir uns im Ausland wie typische Deutsche, wird gemeckert Benehmen wir uns im Ausland mit Respekt vor den einheimischen Sitten, wird gemeckert Ehrlich, manchmal habe ich den Eindruck, wie man es macht, ist es falsch. Zumal ich mich eines Gedankens nicht erweren kann: Würde ein deutsches Magazin solche Klischees über ausländische Touristen schreiben, die hier zu Gast sind, dann ginge es aber rund...
weem 28.07.2017
5. Wenn man sich nicht sicher ist..
...einfach höflich in Deutsch bestellen oder grüßen. War selbst gerade für ein paar Tage in Italien. Hörte des öfteren in den Cafes die Bestellungen "due Expressos prego" oder beim verlasse des Lokals ein total [...]
...einfach höflich in Deutsch bestellen oder grüßen. War selbst gerade für ein paar Tage in Italien. Hörte des öfteren in den Cafes die Bestellungen "due Expressos prego" oder beim verlasse des Lokals ein total übertriebenes "Ciao ragazzo (a)". wobei regelmäßig die Endung falsch verwendet wurde...Gruselig!
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