Reise

Vier Kriterien für den gelungenen Wellnessurlaub

Nofretetes Albtraum

Wellnesshotels versprechen Entspannung und eine Auszeit vom stressigen Alltag. Doch manchmal kommt es anders: Lärm, mangelnde Hygiene und Tagesgäste können einem die Erholung vermiesen. Auf diese Kriterien sollten Sie bei der Buchung achten.

Thüringer Tourismus / SRT
Freitag, 06.02.2015   12:13 Uhr

Nichts ist der Erholung abträglicher als Ärger. Und wer in einem Wellnesshotel absteigt, sollte neben gutem Service jede Menge Entspannung erwarten dürfen - schließlich zahlt er dafür einen höheren Zimmerpreis. Im Schnitt sind das 116 Euro pro Person.

Oft jedoch kommt es anders. Lärm, mangelnde Hygiene, Nonsense-Massagen und Tagesgäste können einem den Aufenthalt richtig vermiesen. Auf genau diese Problempunkte testet der Relax Guide aus Wien Wellnesshotels in Deutschland und Österreich seit 15 Jahren. Wer einen gelungenen Spa-Urlaub erleben will, sollte bei diesen vier Kriterien genauer in die Prospekte schauen:

1. "Lage, Lage, Lage" - dieses Motto entscheidet nicht nur über den Wert einer Immobilie, sondern auch über die Entspannung in einem Wellnesshotel. Schließlich wollen die Gäste meist lauten, hektischen Städten und stressigen Jobs entkommen.

Ruhe und eine schöne Umgebung - würde man denken - sind da angesagt. Das bestätigt eine Umfrage der Wellness-Hotels & -Resorts, der zufolge für 84 Prozent der Befragten bei einem Wellnesshotel eine schöne Landschaft, ein Garten oder ein Park "wichtig bis sehr wichtig" sind.

Umso mehr verwundert es, dass laut Relax Guide von den über 1300 in Deutschland getesteten Häusern im Schnitt 13 Prozent an verkehrsreichen Straßen liegen, "auch, wenn es Prospekt oder Hotel-Websites verschweigen", schreibt der Hotelführer. "Das ist fatal", kritisiert Christian Werner, Herausgeber des Relax Guide, "Ruhe und unverpestete Atemluft sind Grundbedürfnisse in einem Wellnesshotel".

Vor allem in Sachsen und Sachsen-Anhalt stehen mehr als 20 Prozent der Wellnesshotels an verkehrsreichen Straßen. Nicht so in Brandenburg und Schleswig-Holstein, da sind es nur 2,5 beziehungsweise 6,0 Prozent.

2. Der Spa-Bereich ist das Herz jedes Wellnesshotels. Vor allem die Pool-Anlagen entscheiden oft darüber, wie wohl sich der Gast fühlt. Doch die Tests für den aktuellen Relax Guide haben ergeben, dass fast zwei Drittel der Wasser- und Schwimmbecken nicht den Hygienevorschriften entsprechen.

Basis der Messungen bildet die 2012 novellierte Bäderhygieneverordnung. Untersucht wurden der Gehalt an freiem und gebundenem Chlor, der pH-Wert sowie die Leitfähigkeit als Indikator für die Frischwasserzufuhr. "Werden die vorgeschriebenen Toleranzen überschritten, etwa durch mangelnde Wartung, so besteht für die Badegäste akute Infektionsgefahr", erklärt Werner.

Innerhalb der Beckenbereiche gibt es darüber hinaus noch feine Unterschiede: Besondere Vorsicht ist bei Saunatauchbecken geboten, sie schnitten am schlechtesten ab, gefolgt von Innen-Whirlpools. Etwas besser in Sachen Sauberkeit kamen die Außen-Whirlpools weg. Insgesamt lagen bei den Hygienetests die Hallenbäder deutlich vor den Freibecken.

Am saubersten und somit sichersten sind Hotelpools übrigens mittags zwischen 11.30 und 14 Uhr. Morgens lässt die Wasserqualität oft zu wünschen übrig. Der Grund dafür ist oft der Umstand, dass die Chlorvorräte aufgebraucht sind oder die Anlagen über Nacht abgeschaltet wurden, um Strom, Frischwasser und Chemikalien zu sparen.

Landal Green Parks / SRT

Spa-Bereich: Am saubersten sind Pools in der Mittagszeit

3. Exotisch klingende Anwendungen und Massagen sind ein Trend, der seit circa vier Jahren um sich greift - "Nofretetes Traum" oder "Afrikanische Isis-Massage mit Kaviar" lauten die Angebote. Schuld daran ist der hohe Kostendruck. Gespart wird also nicht nur an der Wartung des Wellnessbereichs, sondern auch an den Personalkosten.

Phantasieanwendungen und Nepp-Massagen sind nur der Versuch, weniger gut ausgebildete und daher billigere Mitarbeiter zu kaschieren. Immer häufiger werden sogar Massagen ganz aus dem Programm gestrichen und durch "kosmetische" Behandlungen ersetzt. Somit wird der Physiotherapeut komplett überflüssig.

Eine professionelle Massage ist jedoch für viele Gäste die Grundvoraussetzung für ein gutes Wellnesshotel. Dafür bedarf es mehrerer Masseure, die diesen Namen auch verdienen. Aber die haben ihren Preis, schließlich müssen sie eine zweijährige Schule, Praktika und eine staatliche Prüfung absolvieren. Experte Werner vom Relax Guide kritisiert: "Hier wird buchstäblich am Rücken des Gastes gespart."

4. Tagesgäste können in immer mehr Wellnessherbergen für einen Bruchteil des Hotelpreises die Spas nutzen. Auch diese um sich greifende Unsitte ist dem Spardiktat und der ständigen Suche nach neuen Einkommensquellen geschuldet. Während in Österreich nur rund zwölf Prozent der Hotels externe Gäste in ihren Wellnessbereichen erlauben, sind es in der Bundesrepublik 60 Prozent.

Besonders ärgerlich sind die zusätzlichen Tagesgäste in den teuren Fünf-Sterne-Häusern. "Die Gäste zahlen dort sehr viel Geld, um ihre Ruhe zu haben und sich zu erholen. Sie haben ein gutes Recht darauf, sich nicht mit Scharen von Tagesbesuchern das Spa teilen zu müssen", sagt Werner.

Vor allem bei den Liegen in den Ruhezonen kommt es nicht selten zu Stress. Die sind meist sowieso Mangelware: Im Schnitt kommt eine Liege auf zehn Hotelgäste.

Tinga Horny/srt/abl

Sagen Sie Ihre Meinung!
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP