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Tipps zum Kauf

Welche Bahncard passt zu mir?

Welche Bahncard sich lohnt, ist von mehr Kriterien abhängig als nur von der Häufigkeit der Fahrten. Ein Überblick über die Angebote - und für welche Fahrgewohnheiten sie sich rechnen.

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Donnerstag, 18.04.2019   05:38 Uhr

Bahnfahren ist kein billiges Vergnügen: Wer von Hamburg nach München fährt, gibt für eine Hin- und Rückfahrkarte zum normalen Preis mehr als 300 Euro aus. Da liegt es nahe, sich über Sparmöglichkeiten zu informieren - und eine davon sind die Bahncard-Angebote der Deutschen Bahn. Ganz ohne Rabattkarte ist das Bahnfahren auch mit Sparpreisen günstiger, doch die gelten nur für bestimmte Züge und sind oft schon ausgebucht.

Welche Bahncard sich für wen lohnt, ist nicht sofort ersichtlich. Dies ist nicht nur davon abhängig, wie oft die Bahn genutzt wird. Fahrt- und Buchungszeitpunkt, Regelmäßigkeit der Fahrten und die zu fahrenden Strecken spielen auch eine Rolle. Hier ist eine Übersicht über die wichtigsten Fragen und Kriterien:

Welche Bahncard-Möglichkeiten gibt es?

Hat ein Kunde der Deutschen Bahn eine Bahncard 25, gehen vom Ticketpreis 25 Prozent ab - unabhängig davon, ob man zum Sparpreis oder den zum Flexpreis genannten Normalpreis kauft. Sie kostet für die zweite Klasse 62 Euro, für die erste Klasse 125 Euro für ein Jahr. Bei einer Bahncard 50 für 255 Euro in der zweiten Klasse und 515 Euro in der ersten Klasse, spart der Kunde 50 Prozent auf den Flexpreis. Bei beiden Karten gibt es Ermäßigungen für Senioren und schwerbehinderte Menschen.

Die Bahncard 100 ist keine klassische Rabattkarte, sondern ermöglicht zum Pauschalpreis Reisen in Deutschland ohne Fahrkartenkauf. Sie lohnt sich vor allem für Langstreckenpendler, da sie unbegrenzt und sehr flexibel Züge der Deutschen Bahn nutzen können. Nahverkehrsmittel der Bahn und vieler Verkehrsverbände sind im Preis ebenfalls inbegriffen. Die Bahncard 100 kostet für die zweite Klasse 4395 Euro, für die erste Klasse 7435 Euro für ein Jahr. Bei monatlicher Ratenzahlung ist sie etwas teurer.

SPIEGEL ONLINE; van Hove

Welche Bahncard passt zu meinem Verhalten?

Eine Bahncard 50 ist nicht in jedem Fall die ideale Rabattkarte für Vielfahrer, für die eine Bahncard 100 nicht infrage kommt. Denn sie hat eine Besonderheit: So gilt der Rabatt von 50 Prozent ausschließlich auf den Flexpreis. Ergattert der Kunde mit einer Bahncard 50 ein Ticket zum Sparpreis oder Super Sparpreis, so erhält er mit dieser Bahncard trotzdem nur 25 Prozent Ermäßigung - so wie mit der Bahncard 25.

Die Bahncard 25 lohnt sich daher für diejenigen, die langfristig planen und Wochen im Voraus buchen und öfter auf einen Sparpreis zurückgreifen können. Vielfahrer, die sich erst kurzfristig festlegen können und Wert darauf legen, keine Zugbindung wie bei den Sparpreisen zu haben, sollten sich eher für die Bahncard 50 entscheiden.

Ab wann lohnt sich eine Bahncard?

Kostet eine Fahrt mit dem Intercity auf der Strecke Hamburg - Köln den regulären Flexpreis, lohnt sich der Kauf einer Bahncard 25 schon bei der zweiten Hin- und Rückfahrt, der einer Bahncard 50 ab der dritten.

Bei ausschließlich zum Sparpreis gekauften Tickets lohnt sich die 25-Prozent-Rabattkarte erst ab der siebten Fahrt. Denn obwohl grundsätzlich gespart wird, fallen die 25 Prozent Ermäßigung auf den Sparpreis nicht besonders ins Gewicht. Da es mit der Bahncard 50 ebenfalls nur 25 Prozent Rabatt auf Sparangebote gibt, sparen diese Kunden mit ausschließlich Sparpreistickets erst ab der 27. Fahrt, mit einem Ticket zum Super Sparpreis sogar erst ab der 34. Fahrt. (An einzelnen Reisetagen kann der reguläre Flexpreis von 93 Euro für eine Fahrt auf dieser Strecke abweichen.)

SPIEGEL ONLINE; van Hove

Welche Kriterien sind außerdem wichtig bei der Wahl der Bahncard?

Tipp eins: Ticket für den Nahverkehr ist inklusive - aber nicht für alle

Seit August 2018 müssen Kunden mit einem Sparpreis- und Flexpreis-Ticket bei einer zurückgelegten Strecke von mehr als hundert Kilometern kaum noch eine Fahrkarte im öffentliche Nahverkehr lösen. Denn für sie ist in mehr als 120 Städten das sogenannte City-Ticket inkludiert, das mit "+City" auf der Fahrkarte vermerkt ist. Bisher war dies Bahncard-Kunden vorbehalten. Ausgenommen sind aber die Kunden des Super Sparpreises.

Tipp zwei: Hauptreisetage beim Bahncard-Kauf beachten

Ein Kriterium bei der Wahl der Bahncard sind auch die Tage, an denen der Zug vorwiegend genutzt wird: Wer häufig montags, freitags und sonntags fährt, ist wahrscheinlich mit der Bahncard 50 besser bedient. Denn an diesen Tagen ist das Reiseaufkommen der Bahn zufolge besonders hoch und Sparpreis-Fahrkarten sind schnell vergriffen.

Tipp drei: Bei Auslandfahrten zum Sparpreis profitieren jetzt auch Bahncard-50-Inhaber

Auf Auslandfahrkarten gibt es auf den Flexpreis den jeweiligen Rabatt der Bahncard. Seit Dezember 2018 gibt es bei Buchungen für den Sparpreis Europa für Bahncard-Inhaber eine Ermäßigung in Höhe von 25 Prozent auf den Streckenanteil innerhalb Deutschlands.

Bis dahin gab es bei den Sparpreisen eine Regelung zum Nachteil für Kunden der Bahncard 50: Die 25 Prozent Ermäßigung gab es für sie nur, wenn sich die Fahrt auf Deutschland begrenzte. Bei Auslandsfahrten gab es weder einen Rabatt auf den deutschen noch auf den Auslandsstreckenteil - der Kunde profitierte gar nicht von der Rabattkarte. Bei der Bahncard 25 gab es den Rabatt zumindest auf den deutschen Streckenanteil. Damit rechnete sich die Bahncard 50 nicht, wenn viel ins Ausland gereist wurde.

Tipp vier: Die Bahncard gibt es auch billiger

Diejenigen, die sich nicht auf ein ganzes Jahr festlegen wollen oder die Bahncard nur für einen kurzen Zeitraum benötigen, können die Probe Bahncard - sowohl in der 25-Prozent-Kategorie als auch in der 50-Prozent-Kategorie - kaufen. Diese gilt nur für drei Monate und kann immer wieder neu gekauft werden. Allerdings sollte auch hier die Kündigungsfrist beachtet werden, sonst geht sie direkt in ein reguläres Abonnement der jeweiligen Bahncard über.

Für Bahnkunden unter 27 Jahren gibt es mit der My Bahncard 25 für 39 Euro und mit der My Bahncard 50 für 69 Euro ermäßigte Rabattkarten. Doch Kunden, die kurz vor ihrem 27. Geburtstag stehen, sollten aufpassen: Nach einem Jahr wird das Ticket in diesem Fall nicht automatisch als My Bahncard verlängert, sondern geht automatisch in das reguläre Abonnement über. Dann könnte es also unerwartet teuer werden. Wer unter 19 Jahre alt ist, kann die Jugend BahnCard 25 für zehn Euro kaufen.

Wenn der Lebenspartner eine Bahncard hat, kann ebenfalls gespart werden: Für die Bahncard 25, 50, 100 und die My Bahncard gibt es Partnerkarten zum ermäßigten Preis. Bedingung ist, dass die Inhaber in einem Haushalt leben. Wer eine Partnerkarte hat, kann auch ohne Probleme allein reisen und muss nicht immer mit dem Besitzer der Hauptkarte zusammen fahren.

Die Partnerkarte für die BahnCard 25 kostet 41 Euro in der zweiten und 81 Euro in der ersten Klasse. Bei Kunden der Bahncard 50 kann für 127 Euro eine Partnerkarte in der zweiten und für 252 Euro in der ersten Klasse gekauft werden. Partner von Bahncard-100-Kunden können sowohl Bahncard 25 als auch Bahncard 50 zu den jeweilig entsprechenden Preisen kaufen. Auch für die My Bahncard können Partnerkarten erworben werden. Die Klassen der Partnerkarte sind dabei immer abhängig von der Hauptkarte.

insgesamt 10 Beiträge
sonstwer 18.04.2019
1. Ergänzungen
Da ich mich aus beruflichen Gründen vor Kurzem mit dem Thema befassen mußte, hier ein paar Ergänzungen speziell zur Bahncard 100: - auch die Bahncard 100 gibt es als Probe-Bahncard für 3 Monate - ein Abo der Bahncard 100 [...]
Da ich mich aus beruflichen Gründen vor Kurzem mit dem Thema befassen mußte, hier ein paar Ergänzungen speziell zur Bahncard 100: - auch die Bahncard 100 gibt es als Probe-Bahncard für 3 Monate - ein Abo der Bahncard 100 kann man nur zum Monatsersten beginnen, die Bahn braucht dabei eine Vorwarnzeit von knapp einem Monat. Diese Einschränkung gilt nicht für die komplett im voraus bezahlten Versionen. - anders als bei den niedrigeren Stufen gibt es bei der Bahncard 100 kein Upgrade; z.B. beim Wechsel von Bahncard 50 auf Probe-Bahncard 100, oder beim Wechsel von Probe-Bahncard-100 auf die reguläre Version geht jeweils der Restwert verloren - die Bahncard 100 beinhaltet automatisch noch den "BahnComfort"-Status, also erlaubt Zugang zur Lounge und Zugriff auf bestimmte dafür reservierte Sitzkontingente HTH
derfriemel 18.04.2019
2. Meine Meinung
Ich nutze keine Bahncard mehr. Mich regen diese dreckigen Züge auf. Die schreienden Kinder und diese wichtigen Manager, kann ich auch nicht mehr sehen oder hören. Ich fahre jetzt seit über einem Jahr mit dem Auto. Ist besser [...]
Ich nutze keine Bahncard mehr. Mich regen diese dreckigen Züge auf. Die schreienden Kinder und diese wichtigen Manager, kann ich auch nicht mehr sehen oder hören. Ich fahre jetzt seit über einem Jahr mit dem Auto. Ist besser für die Nerven und den Geldbeutel. Ich höre die Musik, die mir gefällt. Habe meine Ruhe, wenn ich es will. Kann an den Orten aussteigen, wenn ich einen schönen sehe und kann dort verweilen. Muss nicht alles von Bahnhof zu Bahnhof schleppen. Und die Staus auf seiner Strecke kennt man auch sehr schnell. Natürlich weiß man meistens auch vorher, wie man diese umfahren kann. Mit einer guten Tankkarte und einem guten Servicevertrag beim Freundlichen sind sogar die Folgekosten sehr gering. Dazu ist man in Abfahrt und Ankunft relativ pünktlich. Und...ganz wichtig...Mein Auto fährt auch bei Schnee, Nachts und bei Sonnenschein. Die Klimaanlage und Heizung gehen auch immer. Also geht mir weg, mit Bahn fahren und deren Bahncards. Selbst wenn ich für letztes Jahr die Bahncard 100 rechne, bin mit dem Auto günstiger und Stressfreier dran gewesen. Soll Bahn fahren wer will (und ich hoffe es wollen viele. Weil dann sind die Straßen noch freier). Ich mache dieses Chaos und diese hohen Preise nicht mehr mit.
robinlott 18.04.2019
3.
Das gewollte Tarifchaos ist eine absolute Zumutung für die Kunden. Das schreckt ab.
Das gewollte Tarifchaos ist eine absolute Zumutung für die Kunden. Das schreckt ab.
libily 18.04.2019
4. Bahncard ist in meinen Augen eine Frechheit
Die Idee, erst einmal Geld zu zahlen und dann so durch ein selbstverlängerndes Abo von den im Gegensatz zu früher erheblichen Preiserhöhungen verschont zu bleiben, ist eine Zumutung. Wer hat's erfunden? Wahrscheinlich die [...]
Die Idee, erst einmal Geld zu zahlen und dann so durch ein selbstverlängerndes Abo von den im Gegensatz zu früher erheblichen Preiserhöhungen verschont zu bleiben, ist eine Zumutung. Wer hat's erfunden? Wahrscheinlich die üblichen Verdächtigen unter den Consulting Unternehmen. Die Bahnpreise gehören vereinfacht und müssen ohne Bahncard für alle bezahlbar sein.
isar56 18.04.2019
5. mit der
bahncard 25 können sie nicht 1. klasse fahren, war eine auskunft am fahrkartenschalter
bahncard 25 können sie nicht 1. klasse fahren, war eine auskunft am fahrkartenschalter
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