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Umweltaktivisten kaperten Kreuzfahrtschiff

In Kiel konnte ein Kreuzfahrtschiff erst mit sechs Stunden Verspätung auslaufen. Rund 50 Klimaaktivisten hatten das Schiff blockiert, einige waren auf Bug und Festmachleinen geklettert.

Thomas Eisenkrätzer/ DPA

Mit kleinen Booten kreuzten Aktivisten vor dem Bug und hinderten das Schiff am Auslaufen.

Montag, 10.06.2019   08:44 Uhr

Klimaaktivisten haben im Kieler Hafen ein Kreuzfahrtschiff blockiert und die Abfahrt stundenlang verzögert. Die Aktivisten näherten sich am Sonntag der am Ostseekai festgemachten "Zuiderdam", wie die Polizei mitteilte.

Indem die Demonstranten mit kleinen Botten vor dem Bug des Schiffes kreuzten, hinderten sie die "Zuiderdam" am Ablegen. Einige der etwa 50 Aktivisten kletterten zudem auf Bug und Festmacherleinen des Kreuzfahrers. Andere erklommen einen Baustellenkran, der sich auf dem Gelände des Kais befand.

"Polizeikräfte aus ganz Schleswig-Holstein, Feuerwehr und Rettungskräfte sowie die Bundespolizei wurden alarmiert und zum Einsatzort entsandt", erklärte die Polizeidirektion Kiel.

Mehr als 40 Aktivisten wurden demnach zwischenzeitlich in Gewahrsam genommen, unter ihnen zwei, die den Kran nicht verlassen wollten und von Höhenrettern in der Nacht abgeseilt wurden.

Mit sechs Stunden Verspätung abgelegt

Das Kreuzfahrtschiff legte schließlich um 21.50 Uhr mit knapp sechsstündiger Verspätung ab und machte sich auf die Fahrt nach Kopenhagen. Zunächst begleiteten mehrere Boote der Wasserschutzpolizei die "Zuiderdam".

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Die Demonstranten wurden im Verlauf der Nacht wieder freigelassen. Der Polizei zufolge missachteten jedoch mehrere einen anschließenden Platzverweis und wurden erneut in Gewahrsam genommen. Gegen die Aktivisten wurden Strafverfahren wegen des Verdachts der Nötigung, des Widerstandes und des Hausfriedensbruchs eingeleitet.

Die verantwortliche Gruppe "Smash Cruiseshit" erklärte, sie wollte mit der Aktion den Schadstoffausstoß des Kreuzfahrtschiffes unterbrechen. "Kreuzfahrtschiffe tragen zur Erhitzung des Planeten bei - durch Rußpartikel, die sich auf Eisbergen in der Arktis absetzen, schmilzt das Eis dort noch schneller", schrieb die Gruppe auf Twitter.

Verletzt wurde bei der Aktion laut Polizei niemand, "Smash Cruiseshit" schrieb auf Twitter hingegen von einigen Leichtverletzten. Die "Zuiderdam" bietet Platz für knapp 2000 Passagiere. Wie viele zum Zeitpunkt der Blockade auf dem Kreuzfahrtschiff waren, konnte die Polizei nicht sagen.

Kreuzfahrten stehen aber schon seit Längerem aufgrund ihrer Umweltbilanz in der Kritik. Ende 2018 hatte eine Untersuchung der Stiftung Warentest mit zwölf Kreuzfahrtschiffen ergeben, dass die Schiffe zwar sicher sind, aber deutlich mehr Emissionen vermeiden könnten.

irb/AFP

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