Reise

Kunststoff-Skipiste in Kopenhagen

Die fahren auf Müll ab

Kopenhagen ist nicht bekannt für eine besonders hügelige Stadtstruktur. Trotzdem bekommt Dänemarks Hauptstadt nun eine Skipiste. Sie befindet sich auf einer Müllverbrennungsanlage.

AFP
Mittwoch, 13.02.2019   15:49 Uhr

450 Meter lang wird die Abfahrt sein, eine Art Förderlaufband soll Besucher auf bis zu 78 Meter Höhe bringen: In Kopenhagen entsteht derzeit eine Skipiste - und zwar auf einer Müllverbrennungsanlage. CopenHill heißt das Projekt, das den Dänen eine Alternative zu aufwendigen Wintersportreisen ins Ausland bieten soll.

"Wir haben rund 600.000 Skiläufer in Dänemark, die davon abhängig sind, nach Schweden oder Norwegen oder Österreich zu reisen, um Ski zu fahren", sagt Cecilie Nielsen von der Betreiberfirma. "Jetzt kann man das hier jeden Tag tun, das ganze Jahr über."

Öffnen sollte die Skipiste eigentlich bereits im Dezember. Wegen ungünstiger Wetterbedingungen verzögerte sich die Installation der grünen Plastikmatten auf der Anlage aber. Nun soll die Eröffnung im Frühjahr stattfinden, wenn auch die obersten Matten liegen.

Die Idee zu der Anlage entstand, als eine neue Fernwärmeanlage für die Großstadt nötig wurde. "Diese Anlage muss ziemlich nah an der Stadt liegen, damit mehr als 150.000 Haushalte mit Elektrizität und Wärme versorgt werden können", sagt Nielsen von CopenHill. Eine "hässliche Anlage" habe aber keiner gewollt. "Du willst, dass die Leute dorthin gehen und etwas daraus machen."

Ein Ski-Erlebnis der anderen Art

Sportler auf dem Dach - das klingt nach einer findigen Marketing-Strategie für die Müllverbrennungsanlage: "Die Skipiste soll den Menschen zeigen, dass die Anlage so sauber ist, dass man darauf sogar Ski fahren kann", sagt Nielsen. Amager Bakke sei die grünste Verbrennungsanlage ihrer Art weltweit.

Die Idee ist nicht ganz neu. Sogenannte Dry Slopes, wie die Pisten aus Kunststoffmaterial heißen, gibt es unter anderem auch in Wien, Budapest und in Norwich im Osten Englands.

Erste Gäste durften den unteren Teil der Anlage in der Nähe des Spitzenrestaurants Noma und der alternativen Wohnsiedlung Christiania bereits testen. Ein Familienvater, der mit seinem Sohn auf die Piste gekommen ist, zeigt sich begeistert: "Das macht tatsächlich richtig Spaß", sagt er. Die Schwünge seien aber etwas anders als im Schnee, alles sei etwas schneller auf dem Plastikbelag.

Auch einer jungen Snowboarderin fällt der Unterschied zum gewohnten Belag auf. "Es ist ein bisschen anders als normaler Schnee und es ist etwas schwieriger, Grip zu bekommen. Aber es macht Laune. Und der Blick von oben ist auch sehr nett." Sie freue sich darauf, wenn die gesamte Piste offen sei. "Wenn du in Kopenhagen lebst, fährst du ansonsten für eine Woche nach Norwegen, Schweden oder in die Alpen." Nun kann sie ihre Skier auch in der Stadt nutzen - sogar ohne Schnee.

sth/dpa

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