Reise

Mandelernte im Spätsommer

Mallorcas süßeste Seite

Aus den weißen Blüten des letzten Winters sind Früchte geworden - und die holen Mallorcas Mandelbauern nun vom Baum. Auf Gut Biniagual allerdings nur noch zum Vergnügen, denn der Anbau lohnt nicht mehr.

Helge Sobik
Von Helge Sobik
Dienstag, 13.09.2016   05:06 Uhr

Wenn Pere Coll einen Baum pflanzen dürfte, nur einen - was wäre das für einer? Er lacht: "Die Frage ist zu schwierig. Wahrscheinlich einen Mandelbaum. Vielleicht aber auch eine Olive. Oder einen Granatapfelbaum."

Alle drei gedeihen in Mallorcas Klima prächtig, alle drei gehören hierher. Als Lieblingsfotomotiv in die Urlauberalben, aber auch in die Prospekte, in die Reisekataloge und auf unzählige Hotel-Webseiten hat es nur die Mandel geschafft - nie zur Ernte-, immer zur Blütezeit.

Im Spätsommer und Herbst aber sind es nicht mehr die Farben, um die es geht. Dieses strahlende Weiß, dieses zarte Rosa. Es ist nun der Geschmack. Und ein bisschen ist es auch das Erlebnis, Männern wie Pere Coll beim Ernten zuschauen zu können. Die Blüten aus Januar und Februar sind längst ferne Vergangenheit - diese Vorboten jedes Frühlings, die die Wanderer in die Mandelhaine locken und auf Fotos synonym für das milde Klima Mallorcas stehen.

Dieselben Bäume sind jetzt dünn belaubt, etliche Blätter zur Erntezeit, die von September bis in den November hineinreicht, schon abgefallen. Die Äste schimmern in blassem Grau und bis in die Krone hinauf hängen die hellbraunen Schalenfrüchte, deren weichere äußere Hülle nun meist schon abgeplatzt ist.

Mandelernte lohnte sich nicht mehr

Pere Coll und Unai Gallardo legen den Kopf weit in den Nacken, schauen nach oben und jonglieren mit langen Metallstangen, um mit genau dem richtigen Kraftaufwand an genau der richtigen Stelle anzusetzen. Sie schlagen damit die Bäume, die sie so schätzen, stochern zwischen den Ästen herum, versuchen, die Früchte herunterzuschmettern, herabzuschütteln, vom Zweig zu stoßen. Es ist Mandelernte auf dem Gut Biniagual bei Inca östlich der Ausläufer des Tramuntana-Gebirges - und überall sonst auf Mallorca.

Etwa 750.000 Mandelbäume gibt es Schätzungen zufolge auf der Insel - vor allem im Südosten und in der Mitte. Vor einem Vierteljahrhundert waren es noch doppelt so viele. Die Anbaufläche hat sich von 30.000 auf 15.000 Hektar halbiert, und viele Jahre lang lohnte es sich nicht mal mehr, die Mandeln zu ernten: Zu tief war der Preis auf dem Weltmarkt in den Keller gefallen - vor allem angesichts eines gewaltigen Überangebots aus Kalifornien.

Allein die Kosten für die Erntehelfer lagen bereits oberhalb des Verkaufspreises von gerade mal knapp über zwei Euro pro Kilo - die Bewässerungskosten der Monate zuvor und alle Pflege gar nicht mitgerechnet. Nur EU-Subventionen hielten die mallorquinischen Mandelbauern in den schlimmsten Jahren am Leben, und der Anbau anderer Erzeugnisse.

Coll und Gallaordo ernten seit Jahren schon auf eigene Rechnung. Die Gutsbesitzer von Biniagual nicht weit vom Städtchen Binissalem verdienen ihr Geld mit Wein und Oliven und verschenken die Mandeln an die Mitarbeiter: Wer mag, darf von den Bäumen ernten, so viel er will, und kann selbst entscheiden, ob er es für den Privatgebrauch tut oder die Ausbeute weiterverkaufen will.

Sogar die Spezialmaschinen des Gutes können die Mitarbeiter unentgeltlich benutzen, um die Mandeln damit automatisiert zu knacken: "Uns geht es dabei darum, die Bäume zu erhalten, das Landschaftsbild und die Kultur der Insel zu bewahren", erzählt Gutsverwalterin Charlotte Miller. "Nie würden wir unsere Mandelbäume einfach abholzen. So ist es ein ganz guter Weg. Die Früchte verkommen nicht, und es freut sich jemand daran."

"Die besten Mandeln der Welt"

Pere Coll hat die Haut eines Mannes, der sein Berufsleben in der Sonne verbracht hat und die großen, rauen Hände eines Menschen, der viel auf den Feldern gearbeitet hat. Diesen Herbsttag greift er damit auf das Netz, das rund um den größten Mandelbaum ausgebreitet ist.

Helge Sobik

Er formt die Handflächen zu einer Schüssel, füllt sie mit Mandeln. Und er strahlt dabei: "Es ist nicht nur so, dass ich sie gern esse - am liebsten frisch geknackt abends nach Feierabend zu einem Gläschen Rotwein. Für mich stehen sie für das ganze Leben. Sie stehen für Mallorca. So wie jetzt habe ich sie seit der Kindheit aufgeklaubt."

Die derzeitige Dürre in Kalifornien spielt den mallorquinischen Bauern inzwischen in die Hände. In diesem Jahr rechnen sie mit einem Kilopreis für geschälte Mandeln von fünf Euro. Die Sache fängt an, sich wieder zu rechnen. Auf Biniagual aber ändert sich nichts: Die Mandeln "gehören" den Mitarbeitern. Coll, Gallaordo und all den anderen. Ihre Mütter backen Kuchen damit, fabrizieren zu Hause Marzipan und eine Mandelmasse, die traditionell zwischen zwei Oblaten gestrichen wird und als "Neules de Mallorca" eine Adventsspezialität ist.

An manchen Wochenenden stellen sie sich auf die Märkte und verkaufen die Früchte. Wer sie ihnen abnimmt? Oft sind es Urlauber. "Weil kaum etwas besser schmeckt als frische handgepflückte Mandeln und weil die mallorquinischen die besten der Welt sind" - meint Pere Coll und knackt sich schnell mit dem Hammer auf einem Stein noch ein paar davon. Wo genau sie am besten schmecken? "Hier. Gleich auf dem Feld. Und in der Küche meiner Mutter."

insgesamt 8 Beiträge
pejoachim 13.09.2016
1. Verrückte Welt!
Spanische Mandeln schmecken nach Mandeln. Kalifornische erinnern nur entfernt an deren würzigen Geschmack. Dennoch sind die spanischen Mandeln in unseren Lebensmittelgeschäften bei den billigen Produkten und die kalifornischen [...]
Spanische Mandeln schmecken nach Mandeln. Kalifornische erinnern nur entfernt an deren würzigen Geschmack. Dennoch sind die spanischen Mandeln in unseren Lebensmittelgeschäften bei den billigen Produkten und die kalifornischen bei den Marken zu finden. Völlig abartig: Selbst auf Mallorca und anderen Regionen Spaniens finden sich in den Supermärkten oft nur die geschmacklosen aber großen kalifornischen Mandeln. Leute, kauft die guten Mandeln, achtet darauf, wo sie produziert wurden. Die spanischen sind besser!
Newspeak 13.09.2016
2. ...
Anekdoten. Was genau soll diesen pauschalen Unterschied bewirken? Man sollte nicht anfangen, den eigenen Lügen zu glauben. Was der Beitrag schildert ist das typische gefühlige Bild, das man den Touristen gerne [...]
Zitat von pejoachimSpanische Mandeln schmecken nach Mandeln. Kalifornische erinnern nur entfernt an deren würzigen Geschmack. Dennoch sind die spanischen Mandeln in unseren Lebensmittelgeschäften bei den billigen Produkten und die kalifornischen bei den Marken zu finden. Völlig abartig: Selbst auf Mallorca und anderen Regionen Spaniens finden sich in den Supermärkten oft nur die geschmacklosen aber großen kalifornischen Mandeln. Leute, kauft die guten Mandeln, achtet darauf, wo sie produziert wurden. Die spanischen sind besser!
Anekdoten. Was genau soll diesen pauschalen Unterschied bewirken? Man sollte nicht anfangen, den eigenen Lügen zu glauben. Was der Beitrag schildert ist das typische gefühlige Bild, das man den Touristen gerne vermitteln will. Alles schöne Natur, dort in Spanien, die Mandeln werden noch von alten Männern mit derber, sonnenverwöhnter Haut und rauhen, von Arbeit geprägten Händen aufgelesen und dann ganz sicher mit viel Liebe auf einem schon jahrtausende bestehenden Gut und mit Technik aus der Römerzeit verarbeitet, um daraus die traditionellen Irgendwas herzustellen, ganz so wie bei Mama. Schmacht. Der übliche Werbeschmonzens im Kapitalismus. Wer's glaubt.
mannofrau 13.09.2016
3. Newspeak
Sie haben wohl noch nie mallorcinische Mandeln gegessen? Die schmecken auf jeden Fall besser als die kalifornischen.
Sie haben wohl noch nie mallorcinische Mandeln gegessen? Die schmecken auf jeden Fall besser als die kalifornischen.
ovhaag 13.09.2016
4. Frische Früchte sind besser!
(@2 .. Was genau soll diesen pauschalen Unterschied bewirken? ..) Bei Mandeln kenne ich mich nicht aus. Aber bei vielen anderen Früchten habe ich festgestellt, dass frische Früchte besser schmecken als gelagerte und [...]
(@2 .. Was genau soll diesen pauschalen Unterschied bewirken? ..) Bei Mandeln kenne ich mich nicht aus. Aber bei vielen anderen Früchten habe ich festgestellt, dass frische Früchte besser schmecken als gelagerte und transportierte. Ich vermute daher, dass hier in Europa, und ganz besonders auf Mallorca mallorcinische Mandeln besser schmecken als übers Meer geschipperte kalifornische. In Kalifornien ist es möglicherweise umgekehrt.
Egbert.Quirl 13.09.2016
5. Leben & Geniessen !
Selbst beim Blick auf die wunderschöne Mandelernte kommt gleich Kritik, warum nur? Es ist harte Arbeit mit den Mandeln, genauso wie mit Oliven, Feigen oder den wunderbaren Johannisbrotfrüchten, wie immer auf dem Land. Meine [...]
Selbst beim Blick auf die wunderschöne Mandelernte kommt gleich Kritik, warum nur? Es ist harte Arbeit mit den Mandeln, genauso wie mit Oliven, Feigen oder den wunderbaren Johannisbrotfrüchten, wie immer auf dem Land. Meine alte Nachbarin hat immer alles geerntet, auch wenn der Preisim Keller war, einfach deshalb weil sie mit ihrer Familie jeden Baumselbst gesetzt hat, diese Generation schaute mit Dankbarkeit aufdie Bäume, die ihnen jahrzehntelang ein sicheres Zubrot gab. Kalifornien leidet unter einer extremen Wassernot, die logische Folge eines überdimensionierten Anbaus ohne ausreichende Wasserreserve, Mallorca steht vor demselben Wasserproblem durch den Tourismus. Wer Mandeln nicht verkauft, wässert sie schlicht nicht, das gibt es aufdem Land nicht, der Madelbaum zeichnet sich gerade dadurch aus,dass er starke Trockenperiode bewältigt. Von jeder angelieferten Ladung wird teilweise von jedem Sack eineStichprobe gezogen, um in etwa den Aussschuss für die Produktion hochzurechnen. In der Mühle wird knallhart sortiert und nach der vor- handenen Qualität geprüft, anders geht es nicht. Mein Tip: Geniesst doch einmal die Mandelblüte im Januar, wenn ganze Seitentäler für 3-4 Wochen in weiss und rosa getaucht sind, Ihr habt doch alle den Luxus, antizyklisch reisen zu können. ..........und noch eines sollte klar sein: Natürlich hält jeder Spanier die Mandeln seiner Region für die geschmacklich Besten, welche Frage!
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Reiseinfos
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Anreise und Transport
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