Reise

Tipps für Island

So reisen Sie gut durch die Heimat der England-Bezwinger

Ein Fußballplatz am Vulkan, Reykjaviks beste Sportsbar, beeindruckende Geysire: Hier erfahren Fußballfans, was sie in Island nicht verpassen dürfen - und wie das Reisen dort erschwinglich ist.

Ragnar Th Sigurdsson
Von
Mittwoch, 29.06.2016   09:20 Uhr

Island steht überraschend im Viertelfinale der Fußball-EM - jetzt ist der perfekte Zeitpunkt für eine Reise ins Land der Sagen, Geysire und England-Besieger. Lesen Sie hier, was Sie für die Urlaubsplanung wissen müssen.

Wie komme ich nach Island?

Direktverbindungen zum Airport Keflavik bei Reykjavik bieten die Fluggesellschaften Iceland Air (von Berlin, München, Frankfurt am Main und Hamburg), Wow Air (Berlin und Frankfurt am Main) und Air Berlin (von Düsseldorf und Berlin). Auch Germanwings und Lufthansa bieten Direktflüge von deutschen Airports an - zumindest in der Hauptsaison.

Die Flugzeit beträgt dreieinhalb bis vier Stunden. Im Rahmen von Schnäppchenaktionen bekommt man Tickets schon für weniger als 200 Euro - selbst wenn man noch spontan im Sommer verreisen möchte. Solche günstigen Preise bieten die Airlines jedoch normalerweise vor allem in den Wintermonaten.

Wie bewegt man sich am besten vor Ort?

Bus, Auto, Inlandsflug - es gibt viele Möglichkeiten, die Insel zu erkunden. "Die meisten Urlauber nehmen den Mietwagen", sagt Barbara Kloosterman, die über das Portal Islandspezialisten.de Reisen in den Norden anbietet. "So kann man das Land in seinem eigenen Tempo bereisen."

Auto, Hotel, Essen - wie viel kostet der Island-Urlaub?

"Ganz billig ist es nicht", sagt Island-Expertin Barbara Kloosterman. "Nach der Wirtschaftskrise 2008 waren die Preise zwar in den Keller gegangen, aber inzwischen ist wieder alles teurer geworden." Kostspielig seien vor allem die Mietwagen. Man müsse mit 600 Euro pro Woche rechnen - Benzin und Spezialversicherung exklusive. Eine Police gegen Steinschlag ist auf Island jedoch dringend erforderlich, da man schon mal Strecken durchs Geröll zurücklegen muss, wenn man Vulkane und Wasserfälle besichtigen möchte.

Auch Unterkünfte sind in Island ziemlich teuer. "Man muss sich nicht wundern, wenn man für eine Nacht im Doppelzimmer 80 bis 120 Euro pro Person hinlegen soll", sagt Kloosterman - das gelte auch für schöne Bed-and-Breakfast-Zimmer. Aber es geht auch günstiger. "Ein Geheimtipp sind die Schulen, die im Sommer mit Betten ausgestattet sind." Die Isländer haben drei Monate am Stück Sommerferien und bauen das Klassenzimmer für diese Zeit kurzerhand zum Hotelzimmer um. Hier kostet die Nacht allerdings immer noch rund 50 Euro pro Person.

"Wer komplett auf Luxus verzichten kann, sollte auf einen Campingplatz gehen oder sich in einer Schlafsackunterkunft einbuchen, auf einem Bauernhof zum Beispiel", sagt die Expertin. "Hier gibt es außer der Matratze oft eine Küchenzeile, so dass man sich selbst verpflegen kann." Vor allem die lokalen Produkte seien erschwinglich - Fisch und Lammfleisch.

Was auf Island darf man nicht verpassen?

Rauschende Wasserfälle, Stille am Lavastrand: Island ist ein einziges Naturerlebnis. Wenn einem der Nordatlantik zum Schwimmen zu kalt ist: In vielen Dörfern gibt es öffentliche Freibäder, die von heißen Quellen erwärmt werden. Die Eintrittspreise sind oft sehr gering, ein Sprung ins Sprudelwasser ist sehr zu empfehlen.

Barbara Kloosterman empfiehlt den Jökulsárlón, einen See im Südwesten des Landes. "Hier driften Eisschollen vom Gletscher ins Meer - einfach spektakulär." Eine Reise wert seien auch die Westfjorde mit dem großen Vogelfelsen, auf dem Papageientaucher in Scharen sitzen. "Ende Juni, wenn die Sonne kaum untergeht, ist dieser Ort absolut beeindruckend."

Wo kann man den Isländern beim Fußballspielen zusehen?

Ein heißer Tipp ist auf jeden Fall das Hásteinsvöllur-Stadion, das auf einer Insel vor Islands Südküste liegt. Gerade mal 2834 Menschen passen auf die Tribüne - aber von dort haben sie eine sagenhafte Aussicht. Der Fußballplatz wird von einem Felsen bewacht, nebenan erhebt sich ein Vulkan.

In Sachen Fußball gibt es auf Island eine weitere Besonderheit. Viele Trainingsplätze sind beheizt - und zwar mit Geothermie. Dank der brodelnden Quellen gibt es im ganzen Land gigantische grüne Fußbodenheizungen. Allein Reykjavik hat zehn größere beheizte Fußballplätze mit Flutlicht und 36 kleinere in den Schulen.

Wer in Islands Hauptstadt Liveübertragungen im Fernsehen gucken möchte, findet sich am besten im Bjarni Fel ein. Die Sportsbar in der Austurstræti 20 verfügt über 20 New-HD-Bildschirme und kann acht verschiedene Sportarten gleichzeitig zeigen. Zum Anpfiff gibt es Ale, Fleischsuppe und Lammburger.

Wie viel Zeit sollte man für Island einplanen?

Für einen Städtetrip nach Reykjavik reicht vielleicht ein Wochenende. Doch wer dann wieder in den Flieger steigt, verpasst das Beste: Islands Natur. "Zehn Übernachtungen sollte man schon einplanen, wenn man Islands Highlights sehen möchte", sagt Kloosterman. Das seien auf jeden Fall die Sehenswürdigkeiten rund um den sogenannten Golden Circle - Geysire, Wasserfälle wie der Gullfoss und der Nationalpark Thingvellir.

Natürlich könne man auch Stippvisiten in entlegenere Regionen des Landes machen - etwa mit einem Inlandsflug zum Gletscher. "Aber das Abklappern von Orten ist weder für die Touristen noch für Island gut", sagt Kloosterman. Auch die gesamte Ringstraße in nur einer Woche zu bereisen - eine Strecke von mehr als 1300 Kilometern - hält die Island-Liebhaberin für keine gute Idee.

Kloostermans Tipp: Sich Zeit nehmen - und das Land in allen Facetten genießen. "Ich persönlich liebe den Schwefelgeruch der vielen heißen Quellen." Andere würden diesen zwar eher wie den Gestank von faulen Eiern beschreiben. Aber für Kloosterman steht fest: "Wenn ich den Schwefel rieche, dann weiß ich: Ich bin wieder in Island."

insgesamt 29 Beiträge
beggagsell 29.06.2016
1.
Wer in die blaue Lagune zum Baden geht ist selber schuld. Im Land gibt es genügend Hot Pods die kostenlos sind. Viele stehen einfach in der freien Natur - für lau oder Spende. Entspannung pur. Da kommt man mit anderen Besuchern [...]
Wer in die blaue Lagune zum Baden geht ist selber schuld. Im Land gibt es genügend Hot Pods die kostenlos sind. Viele stehen einfach in der freien Natur - für lau oder Spende. Entspannung pur. Da kommt man mit anderen Besuchern eher ins Gespräch - wenn überhaupt einer anzutreffen ist.
p2063 29.06.2016
2.
die Ringstraße in einer Woche geht eigentlich mit Mietwagen ziemlich gut, und zwar inklusive Golden Circle und Reykjavik. Vor allem den Golden Circle sollte man sich entweder in der Nebensaison oder zu Zeiten ansehen, zu denen [...]
die Ringstraße in einer Woche geht eigentlich mit Mietwagen ziemlich gut, und zwar inklusive Golden Circle und Reykjavik. Vor allem den Golden Circle sollte man sich entweder in der Nebensaison oder zu Zeiten ansehen, zu denen nicht die Touristenbusse durchgeschleust werden. Protipp für die Blaue Lagune: Auf keinen Fall den Schlamm vom Boden des Beckens hoch holen. Ist nicht schön was man da alles drin findet. Oder noch besser, man geht einfach gleich in die Therme von Myvatn. Die ist fast genauso schön wie die Blaue Lagune, aber man muss sich nicht mit gefühlt 50 Touris pro m² ins Becken quetschen. Günstig übernachten kann man übrigens an so gut wie allen Wasserfällen im Zelt.
MatthiasPetersbach 29.06.2016
3.
Das schöne (unter anderem) an Island ist, daß es dort wenig Leute gibt - noch. Ich fürchte, das wird nach der EM anders :) Allerdings bin ich jetzt niemand, der als Touri sich über andere Touris schimpft - in Island verteilt [...]
Das schöne (unter anderem) an Island ist, daß es dort wenig Leute gibt - noch. Ich fürchte, das wird nach der EM anders :) Allerdings bin ich jetzt niemand, der als Touri sich über andere Touris schimpft - in Island verteilt sich das auch. Und es gibt sowieso wenig Leute, die nem Sommerurlaub bei 12 Grad und schlechtem Wetter was abgewinnen können. Wir waren im Juni 2 Wochen dort -im Südwesten- und hatten an 2 Tagen Sonne, 5 Tage (durchgehend!)Nebel und Niesel und den Rest gingen wir raus, obwohl es regnete. Es gibt dort nur EINE sinnvolle Verhaltensweise - wenns klar ist, muß man raus. Egal, ob das morgens um 4 ist oder gerade das Essen fertig.
arnedererste 29.06.2016
4. Blaue Lagune
Die Blaue Lagune ist einfach nur Abzocke... bis zu 45€ Eintrittspreis für ein Abwasserbecken eines Kraftwerks... Dann doch lieber die zahlreichen öffentlichen Schwimmbäder oder eben hotpods. Die sind deutlich günstiger und [...]
Die Blaue Lagune ist einfach nur Abzocke... bis zu 45€ Eintrittspreis für ein Abwasserbecken eines Kraftwerks... Dann doch lieber die zahlreichen öffentlichen Schwimmbäder oder eben hotpods. Die sind deutlich günstiger und man trifft dort sogar richtige Isländer :-D
cindy2009 29.06.2016
5. geht auch anders
Ich bin da nach 3 Wochen Aufenthalt braun gebrannt nach Deutschland zurück gekehrt. Aber klar, Nässe ist auch mal angesagt.
Zitat von MatthiasPetersbachDas schöne (unter anderem) an Island ist, daß es dort wenig Leute gibt - noch. Ich fürchte, das wird nach der EM anders :) Allerdings bin ich jetzt niemand, der als Touri sich über andere Touris schimpft - in Island verteilt sich das auch. Und es gibt sowieso wenig Leute, die nem Sommerurlaub bei 12 Grad und schlechtem Wetter was abgewinnen können. Wir waren im Juni 2 Wochen dort -im Südwesten- und hatten an 2 Tagen Sonne, 5 Tage (durchgehend!)Nebel und Niesel und den Rest gingen wir raus, obwohl es regnete. Es gibt dort nur EINE sinnvolle Verhaltensweise - wenns klar ist, muß man raus. Egal, ob das morgens um 4 ist oder gerade das Essen fertig.
Ich bin da nach 3 Wochen Aufenthalt braun gebrannt nach Deutschland zurück gekehrt. Aber klar, Nässe ist auch mal angesagt.
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