Reise

Fotoreise durch das Heimatland

Die Schweiz, wie eine Postkarte

Mit 19 Jahren verließ Kathrin Mundwiler die Schweiz, wo sie aufwuchs. Zurückkehren, sagt sie, werde sie wohl nie - wollte die alte Heimat aber fotografisch erkunden, Vertrautes wie Fremdes. Hier sind ihre Bilder.

Kathrin Mundwiler
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Donnerstag, 15.08.2019   10:48 Uhr

Kathrin Mundwiler wuchs in einem kleinen Dorf in der Nähe von Basel auf. Die 1984 geborene Fotografin hatte eine behütete Kindheit: Sie ging zu Fuß in den Kindergarten, verbrachte viel Zeit in der Natur, wanderte häufig mit ihrem Vater, lernte schon mit drei Jahren, Ski zu fahren.

Ihr Erwachsenenleben verbrachte Mundwiler jedoch im Ausland, bereits mit 19 Jahren verließ sie ihre Heimat: "Ich fand alles zu klein und beengt, ich wollte schon immer die Welt sehen." Sie ging zuerst nach Kanada, lebte dann einige Jahre in Wien, bis sie vor rund einem Jahrzehnt nach Amsterdam umzog.

"Ich dachte immer, irgendwann komme ich zurück. Doch vor einer Weile wurde mir dann bewusst, dass ich wohl nie wieder dort leben werde", sagt Mundwiler. "Im Laufe der Jahre wurde das Land zu etwas, das sich zwar vertraut, aber auch völlig fremd anfühlt." Sie begann, die Schweiz aus der Ferne zu betrachten. Bestimmte Traditionen und Gepflogenheiten - wie beispielsweise, dass kleine Jungen an bestimmten Tagen rauchen dürfen - erschienen ihr immer skurriler, je länger sie weg war.

Sie beschloss, sich fotografisch dem Land wieder anzunähern. Daher reiste sie mehrmals mit dem Auto quer durch die Schweiz, besuchte fast alle Kantone, alle vier Sprachregionen. Hauptsächlich hielt sich Mundwiler in ländlichen Gegenden auf - in manchen war sie schon seit ihrer Kindheit nicht mehr, manche hatte sie noch nie besucht.

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Kathrin Mundwiler hoffte, wieder eine Verbindung zu dem Land zu bekommen und es wieder besser zu verstehen. Sie hatte nur Bilder aus ihrer Kindheit im Kopf, wollte ihre eigenen Stereotype hinterfragen. "In meiner Erinnerung ist die Schweiz wie eine Postkarte." Deshalb seien viele ihrer Fotos auch kitschig und stereotyp: das Matterhorn, das bei Sonnenaufgang in rotes Licht getaucht ist, kleine Mädchen in traditioneller Festtagskleidung. "Nur auf diese Art und Weise konnte ich mich mit der Schweiz identifizieren."

Die kulturelle und politische Konstellation des Landes mit seiner Fülle an verschiedenen lokalen Traditionen und Besonderheiten sei immer eine Selbstverständlichkeit für sie gewesen: dass die Bevölkerung über Entscheidungen der Regierung mitbestimmen darf, dass ihre Eltern früher gesetzlich verpflichtet waren, einen Atomschutzraum im Keller zu haben und Gewehre zu Hause aufzubewahren.

Vollständig habe sie ihr Heimatland auch durch ihre Reise nicht verstanden, sagt Mundwiler. Sie habe auf jeden Fall erkannt, dass sie selbst zwar in einigen Bereichen von ihrer Herkunft geprägt sei: ihrer eigenbrötlerischen Art, der Pünktlichkeit und ihrem Bedürfnis nach Sicherheit. Gleichzeitig sei sie durch ihre Zeit im Ausland viel weltoffener geworden.

Aktuell hat sie die Fotoserie abgeschlossen. Sollte sie aber mal Kinder haben, sagt sie, würde sie gern mit ihnen die Schweiz genauer erkunden.

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