Reise

Mit dem Rad von Berlin nach Peking

"Noch einmal würde ich das nicht machen"

Für den guten Zweck sind zwei Studienfreunde bis nach China geradelt. Verfolgt haben die Reise Tausende Menschen in den sozialen Medien - viele haben für den Bau von Schulen gespendet.

Maximilian Jabs/ Nono Konopka
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Freitag, 27.09.2019   08:18 Uhr

Nono Konopka und sein Studienfreund Maximilian Jabs aus Eckernförde sind noch nie gerne Fahrrad gefahren. Zumindest keine lange Strecken. Trotzdem haben die beiden damals 26-Jährigen nach dem Ende ihres Studiums in Venlo, in den Niederlanden, beschlossen, durch 22 Länder zu radeln - von Berlin aus durch Osteuropa, Turkmenistan und Iran bis nach Peking. Ihr Ziel: Spenden für eine Schule in Guatemala zu sammeln.

"Wir wollten etwas machen, das so viel Aufmerksamkeit wie möglich erregt", sagt Konopka. "Für alle, die uns kennen, war es unvorstellbar, dass wir das schaffen. Wir wollten zeigen: Jeder kann alles erreichen - wenn er es nur will." Am 2. September 2018 starteten die beiden unter dem Motto "Biking Borders" in Berlin am Brandenburger Tor. Ihre Fahrräder mit mehreren Taschen bepackt wogen zirka 55 Kilogramm.

Insgesamt legten sie rund 15.300 Kilometer zurück und waren mehr als acht Monate unterwegs - eine herausfordernde Reise. In der Türkei fuhren sie bei minus 20 Grad und zwei Meter hohem Schnee durch das Gebirge. Sie wurden in Bosnien nachts von Bären, tags in Iran von Wildschweinen und Wölfen überrascht, mussten pausieren, weil Konopka in Turkmenistan an Gastritis erkrankte. Sie hatten mehrere Fahrradpannen, Muskelkater und Knieprobleme, trugen ihre Fahrräder durch Flüsse und Wälder - und haben trotzdem durchgehalten.

"Noch einmal würde ich das nicht machen, es ist viel zu anstrengend. Es hat schon jeden Tag Überwindung gekostet, wieder aufs Fahrrad zu steigen", sagt Konopka. Wie sie das trotzdem geschafft haben? "Wir haben immer an uns geglaubt und einfach weitergemacht", sagt er. Zwar zweifelten die beiden zwischendurch, aber ans Abbrechen dachte keiner.

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Marathon für guten Zweck: 15.300 Kilometer im Sattel

Trotz aller Herausforderungen sei Radfahren sehr praktisch, weil man mit vielen Menschen in Kontakt komme. Überall lernten sie Menschen kennen, ein Drittel der Zeit schliefen sie bei Fremden - auch wenn die Verständigung oft mit Händen und Füßen ablief.

Eine Begegnung blieb Konopka besonders im Gedächtnis: In Iran wurden sie von einem alten Ehepaar eingeladen. "Sie hatten weder Strom noch fließendes Wasser, aber sie machten Tee für uns, luden uns zum Essen ein. Das war schon sehr bewegend."

Auf Instagram, ihrem YouTube- Kanal und anderen Social-Media-Plattformen informierten sie ihre Follower permanent über ihre Reise. Dabei zeigten sie nicht nur beeindruckende Landschaftsbilder, sondern auch schwierige Momente und Strapazen der Tour. Jeden Tag verbrachten sie rund zwei Stunden mit dem Schreiben und Hochladen ihrer Berichte und Fotos. Unterstützung bekamen sie von Influencern und Prominenten wie dem US-Schauspieler Ashton Kutcher.

Die Resonanz war groß: Mehr als 15.000 Follower begleiteten die beiden Freunde, bis sie am 9. Mai in Peking ankamen. Ihr eigentliches Ziel, 50.000 Euro für eine Schule zu sammeln, hatten sie schon ein paar Monate zuvor übertroffen und erreichten letztendlich sogar den doppelten Betrag. Von dem Geld wurde bereits eine Schule gebaut, eine andere entsteht gerade.

Während Konopka und Jabs nun wieder zu Hause in Deutschland und in Marketingjobs tätig sind, arbeiten sie an einem Film über ihre Fahrt - der vielleicht nächstes Jahr in die Kinos kommt.

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