Reise

Bilder vom Ende der Welt

Wo Google Earth noch nicht war

Die abgelegensten Gegenden der Erde befinden sich dort, wo Google Earth schwarz ist. Die Fotografen Peter und Beverly Pickford sind hingefahren - und haben Aufnahmen bezaubernder Wildnis mitgebracht.

Peter & Beverly Pickford Wildlife Photography / Prestel Verlag
Von
Mittwoch, 30.01.2019   22:07 Uhr

Manchmal gewinnt man den Eindruck, Touristen seien überall. Gibt es sie noch, die vom Menschen unberührte Natur - und wenn ja, wo?

Um diese Frage zu beantworten, bereisten die Fotografen Peter und Beverly Pickford alle sieben Kontinente und suchten nach den abgelegensten Gegenden der Erde. Seit über 35 Jahren sind die beiden bereits als Naturfotografen unterwegs - in ihrem jüngsten Bildband "Wildes Land" zeigen sie 200 Fotografien von Landschaften, die der Mensch noch nicht für sich vereinnahmt hat.

Jedem Kontinent widmen sie ein Kapitel, greifen dort eine oder mehrere Regionen heraus: beginnend mit Antarktika und den subantarktischen Inseln, über Yukon, das Chiloe-Archipel oder das Hochland von Tibet. Es sind weite Landschaften, dramatisch und atmosphärisch, mal unwirtlich und rau, geprägt von Wasser, Kälte oder unerträglicher Hitze.

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Peter und Beverly Pickford:
Wildes Land

Prestel Verlag; 336 Seiten, 59,- Euro

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In manche Gegenden wagt sich kaum jemand: die Drakestraße oder die Skelettwüste an der Westküste Namibias sind Beispiele dafür. Auf den Bildern wechseln sich Sandfelder ab mit schneebedeckten Hügeln, weiter Tundra, versengtem Gestein, grünen Tälern oder einem getrockneten Flussbett. Dort regieren die Natur - und die Tiere, die sich in den Regionen wohl fühlen.

Das Paar begegnete Moschusochsen in eisigen Landschaften. Es fotografierte Dreizehenmöwen, die steile Felswände emporfliegen, Grizzlybären, die Lachse fischen, oder Löwen, die eine Giraffe jagen. Respekt gegenüber den Tieren ist Peter und Beverly Pickford sehr wichtig, sie versuchten, diese nicht Stress, Angst oder Wut auszusetzen.

"Es stimmt einfach nicht, dass man unvergessliche Bilder bekommt, wenn man ein Nashorn zum Angriff reizt. Es ist viel lohnender, das Nashorn dazu zu bringen, unsere Anwesenheit zu dulden", heißt es in dem Bildband.

Tier und Landschaft zeigen die Fotografen aus verschiedenen Perspektiven: mal aus der Luft aufgenommen, dann aus der Froschansicht. Panoramen wechseln sich mit engeren Bildausschnitten und Details - wie dem Kopf eines Südandenhirschs - ab.

Fotostrecke

Peter und Beverly Pickford: Wildnis von Alaska bis Antarktis

Auch wenn Peter Pickford in den Texten von persönlichen Bekanntschaften mit den Menschen berichtet - wie die mit einer tibetischen Nomadin, die Yakkäse herstellt -, in den Landschaftsbildern bleiben sie außen vor. Die Natur sollte im Zentrum stehen, die Männer und Frauen sind zwar manchmal ein Teil davon, aber kein bestimmender.

Vier Jahre lang arbeiteten die Pickfords insgesamt an dem Projekt, mussten, um die finanziellen Mittel aufzubringen, sogar ihre Farm in Südafrika verkaufen. Gemeinsam flogen sie, reisten mit dem Schiff, transportierten ihre Ausrüstungen komplett um die Welt und besorgten sich zahllose Genehmigungen.

Die Fotografen suchten mit Google Earth nach geeigneten Orten, doch je entlegener die Gebiete wurden, desto weniger erfuhren sie über die jeweilige Topografie. Dann kamen sie auf die Lichtidee. Denn "Wildnis herrscht überall dort, wo die Landkarte am dunkelsten ist", schreibt Peter Pickford in seinem Buch.

In den Texten berichtet er von ihrer Recherche, der abenteuerlichen Reise oder den Besonderheiten der Regionen - er hat aber auch eine Botschaft: wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen, um die Zukunft des Planeten zu erhalten. "Jede Nation dieser Erde ist kulturell an ihre jeweilige Landschaft gebunden. Sie zu schützen, bedeutet daher auch, die eigene Geschichte zu bewahren."

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