Reise

Campingtrip in Tasmanien

Zu fünft ans Ende der Welt

Zwei Natur liebende Erwachsene, drei nicht ganz so expeditionsfreudige Kinder, und das auf der wilden Insel Tasmanien. Kann das gut gehen? Ein australisches Familienabenteuer.

Carolin Wahnbaeck
Von
Donnerstag, 07.03.2019   04:43 Uhr

Wir wollen nach Tasmanien und die wilde, windige Insel im Süden Australiens mit ihren Bergen, Regenwäldern und Buchten erkunden. Wir möchten in die entlegenen Winkel kommen - und campen, wo es uns gefällt.

Die Herausforderung: Wir sind mit unseren drei Töchtern unterwegs. Der ersten, neun Jahre alt, wird schon nach zehn Minuten im Auto schlecht. Die zweite, ebenfalls neun, findet Wandern langweilig und viel zu anstrengend. Die Elfjährige fragt nach 20 Sekunden auf dem Berggipfel: "Können wir jetzt weiter?"

Wie also geht das, wenn Eltern den Kinderhotels mit Animationsprogramm entkommen und wieder so frei und naturnah reisen wollen wie früher - nun eben mit dem Nachwuchs?

Fotostrecke

Familienreise auf Tasmanien: Kinder, Camper, Kängurus

Wir sind einfach mal losgefahren, mit der Fähre von Melbourne nach Tasmanien. Tief unten im Bauch des Schiffes: ein Geländewagen mit einem gebrauchten "Jayco Camper Trailer" hintendran. Unten ist er Campingwagen, oben Zelt, zum Hochkurbeln und Ausziehen. Außerdem sind Gasherd, Spüle, Kühlschrank und viel Stauraum für Spiele, Kuscheltiere und Surfbretter vorhanden. Jeep und Jayco wollen wir am Ende der Reise wieder verkaufen. Mit etwas Glück ein Nullsummenspiel.

Die erste Nacht schlafen wir auf einem Campingplatz in der Nähe des Mole-Creek-Karst-Nationalparks. "Morgen erkunden wir die Höhlen!", kündigen wir den Kindern an. 300 Tropfsteinhöhlen und unterirdische Flüsse gibt es in der Gegend. Tausende Glühwürmchen sollen die Höhlen erleuchten.

"Och nee, wir wollen hierbleiben und spielen!", ist die Antwort.

Hier, das ist eine Rasenfläche so groß wie ein Supermarktparkplatz, vollgeparkt mit Jeeps und Wohnwagen mit ausladenden Vorzelten, in denen die Australier ihre Kühlschränke, Barbecue-Grills und Sitzgarnituren aufstellen. Camping, so viel ist klar, bedeutet hier keinen Komfortverzicht.

"Können wir jetzt zurück zum Auto?"

"Na gut." Wir geben nach. Die Kinder verschwinden zum Kartenspielen im Campingwagen. Am Nachmittag reicht es uns. Für die Höhlen sind wir nun zu spät dran. Wir überreden die Kinder zu einer kleinen Wanderung zu den nahen Alum Cliffs. Dabei stolpern wir fast über einen Ameisen schmausenden, blonden Riesenigel. Sofort verstummt das Wandergemaule.

Dann stehen wir auf der kleinen Aussichtsplattform. 200 Meter tiefer glitzert ein schmaler Fluss in der Schlucht. Im Gegenlicht schimmern die bewaldeten Berghänge des Walls-of-Jerusalem-Nationalparks. Wow!

"Können wir jetzt zurück zum Auto?" fragen die Kinder. Ja. Aber wir Eltern wollen mehr. Diese tasmanischen Berge müssen wir erwandern.

Familiendemokratie hin oder her, am nächsten Tag geht's ins Cradle-Mountain-Lake-St. Clair-Gebiet, Unesco-Weltnaturerbe. Hier können wir ein Teilstück des berühmten sechstägigen Overland Track laufen. Der Anstieg führt durch blühende Heide- und Moorlandschaften, wir passieren Farnbäume und mannshohe, messerscharfe Grasbüschel. Ein Wasserfall kühlt die müden Kinderbeine. Oben verlassen wir den Wald am alten Kratersee.

Müsliriegel, Käsebrote und Schokolade für alle - und die Zieletappe endet am Marions Outlook. Der 360-Grad-Blick auf sechs Seen ist fantastisch, die Gewässer liegen auf verschiedenen Bergetagen, umgeben von Wiesen und Wäldern. Darüber die Felsklippen des Cradle Mountain. Ich fühle mich erhaben wie im Hochgebirge - bin aber kaum auf 1000 Meter Höhe.

Abends hat uns der Campingplatz wieder. Mit all den anderen Campern im Vordergrund ist der Sonnenuntergang allerdings nur halb so schön. Wir Erwachsenen wollen weg hier. Doch die Kinder verlangen: "In die Stadt! Turnschuhe kaufen!" Die fehlen tatsächlich. Also gut, morgen dann: shoppen in Launceston.

Tasmaniens zweitgrößte Stadt wächst - immer mehr Geschäfte, Cafés, Bars und Galerien eröffnen. Die Sneaker-Läden sind hier schnell gefunden, hippe Cafés, das schöne Design-Tasmania-Museum ebenso. Und die Cataract Gorge - eine Schlucht, zehn Fußminuten vom Stadtzentrum entfernt. Baden ist erlaubt. Und schweben auch. In einem altertümlichen Sessellift gleiten wir beinebaumelnd über die ockerfarbenen Felswände. Die Töchter kichern - und mir wird etwas mulmig: Uns sichert nur eine lockere Klappstange.

Nach der Stadt wieder Natur. Die Wineglass Bay ist kein Geheimtipp, aber trotzdem ein Muss. Die Bucht ist so rund, als wäre sie mit einem Zirkel gezogen. Mit türkisklarem Wasser, das sich früher beim Walfang weinrot färbte - daher auch der Name. Wir laufen die rund tausend Stufen runter zur Bay - und entkommen den zahlreichen Touristen am anderen Ende des Strands. Friedlich ist es hier. Plötzlich gleitet drei Schritte von uns entfernt ein Stachelrochen durch das knietiefe Wasser, sein Schwanz ist bestimmt zwei Meter lang. Die Kinder flüstern. Zum Glück haben wir ihn nicht erschreckt.

Wiesen voller Wombats

"Wie wär's mit Radfahren?", schlagen wir den Töchtern am nächsten Tag vor. Wir nehmen das Schiff nach Maria Island. Auf der autofreien Insel mieten wir Räder, besuchen die Painted Cliffs, flitzen an Wiesen voller Wombats, Wallabies und größeren Kängurus vorbei. Wir durchqueren weite Eukalyptuswälder und picknicken an leeren Sandstränden. Und schlafen in einem ehemaligen Knast: Maria Island war einst Gefangeneninsel, und Australiens erste westliche Siedler waren Verbannte aus England.

Und schließlich sind wir in Hobart. Der Hafen, die Universität und das Zentrum der Inselhauptstadt wirken wie vom Seeklima sauber gewaschen. In dem alten Seefahrerviertel Battery Point sind kleine Häuschen pastellrosa, mintgrün und weiß gestrichen. Bei Jackman&McRoss zergehen uns die XXL-Mandelcroissants auf der Zunge. Mittags essen wir Fish & Chips.

"Jetzt nehmen wir das Boot zum Museum!", verkünden wir. Das "Och-nee-Muse-um"-Grummeln der Kinder verstummt, als der Katamaran im Army Design anlegt. Im Schiffsinneren sind die Wände voll Graffiti, auf dem Vorderdeck stehen pinke Kanonen, hinten warten Kunststoffkühe und -schafe. Bitte setzen!

So reiten wir durch Hobarts Meerenge zum erstaunlichsten Ort dieser Reise: dem Museum of Old and New Art. David Walsh, Australiens schlauester Glücksspieler, hat es in einen dunklen Felsen bauen lassen.

Auch die ständig wechselnde Ausstellung ist ziemlich finster: Nachtkamerafilme von eingesperrten Tieren, eine Kloaken-Sammlung, ein begehbares Becken mit stinkendem Rohöl. Unsere Elfjährige findet es spannend. Die Neunjährigen sehen gebannt ihren Herzschlag in Hunderten aufblitzenden Glühbirnen wiedergegeben. Dieses Museum macht uns sprachlos. Besonders hier, auf dieser Insel hinter Australien, am gefühlten Ende der Welt.

Mit entdeckermüden Beinen fahren wir zurück zu unserem mobilen Zuhause am Seven Mile Beach Campingplatz außerhalb von Hobart. Und springen zum Abschluss der Reise noch einmal in Tasmaniens wilde Wellen.

Reisetipps für Tasmanien

Beste Reisezeit
Dezember bis März. Schon Frühjahr und Herbst können empfindlich kühl werden - die Nähe zum Südpol macht sich dann bemerkbar.
Anreise
Wer mit Auto reist, nimmt die Neun-Stunden-Fähre von Melbourne nach Devonport - in der Hochsaison kein billiges Vergnügen. Dank der vielen Restaurants, geräumigen Decks, einem Kino und Kinderspielecken vergeht die Überfahrt zügig. Fliegen - etwa nach Hobart oder Launceston - geht schneller (etwa 45 Minuten), ist aber als Familie nicht unbedingt billiger.
Unterkünfte
In der Hochsaison empfiehlt es sich, Campingplätze und Hotels vorzubuchen. Last Minute ist auf den Campingplätzen häufig aber auch noch ein Platz zu finden. Der Vorteil: Ähnelt der Campingplatz einem zugestellten Parkplatz, kann man weiterfahren.
Öffnungszeiten
Achtung! Die Australier sind Frühaufsteher - und schließen Läden, Cafés und viele Sehenswürdigkeiten gegen 16 Uhr. Und sie gehen entsprechend früh schlafen: Kindergejohle ist auch auf Campinplätzen nach 21 Uhr verpönt.
Eintritt
Die Nationalparks verlangen Gebühren. Sobald man mit dem Auto mehr als zwei besucht, lohnt sich der Acht-Wochen-Ferienpass für 80 Dollar.
insgesamt 12 Beiträge
belabi 07.03.2019
1.
Wir waren mit unserer damals 6-jährigen Tochter auf Tasmanien. Seit dem ist ihre Antwort auf die Frage, wohin wir im nächten Urlaub sollen, immer "Tasmanien". Ist nur leider mit schulpflichtigem Kind schwierig, da die [...]
Wir waren mit unserer damals 6-jährigen Tochter auf Tasmanien. Seit dem ist ihre Antwort auf die Frage, wohin wir im nächten Urlaub sollen, immer "Tasmanien". Ist nur leider mit schulpflichtigem Kind schwierig, da die Zeit unserer Sommerferien nicht gerade günstig für Tasmanien ist.
Celegorm 07.03.2019
2.
Tasmanien ist effektiv ein geniales Reiseziel, das eigentlich alles bietet, was man sich wünschen kann, aber dabei nicht wirklich überlaufen ist. Allerdings scheint der Bericht eher für Leute geschrieben worden zu sein, die eh [...]
Tasmanien ist effektiv ein geniales Reiseziel, das eigentlich alles bietet, was man sich wünschen kann, aber dabei nicht wirklich überlaufen ist. Allerdings scheint der Bericht eher für Leute geschrieben worden zu sein, die eh schon in Südost-Australien leben, siehe Anreise. Denn für alle anderen ist es natürlich nichts mit mal-schnell-mit-dem-Auto-rüberfahren. Für Deutsche handelt es sich vielmehr um eines der weitentferntesten Reiseziele überhaupt, von Neuseeland und anderen Pazifikinseln mal abgesehen. Unter 30h Reisezeit kommt man da kaum weg und das auch nur, wenn man das "Glück" hat, an einem Grossflughafen wie Frankfurt zu leben. Also sicher nichts für eine kleine Spritztour in den Winterferien. Zu fünft kostet da nicht nur die Anreise bereits ein Vermögen und ist gerade für die Kinder qualvoll lange, sondern das Ganze wäre auch umwelttechnisch eher wenig sinnvoll. Dass das in einem Reisebericht hier nicht einmal am Rande erwähnt wird, mutet schon eher seltsam an.
slotermeyer 07.03.2019
3. Wasser und Wein
Ein Klick auf den Namen der Autorin zeigt, dass sie neben diesem Artikel noch einen zweiten auf SPON veröffentlicht hat: "Umweltschutz: Das können Sie persönlich gegen den Klimawandel tun" Ein Zitat daraus: [...]
Ein Klick auf den Namen der Autorin zeigt, dass sie neben diesem Artikel noch einen zweiten auf SPON veröffentlicht hat: "Umweltschutz: Das können Sie persönlich gegen den Klimawandel tun" Ein Zitat daraus: "Und die Flugreisen? Leider: nein. "Die zerhauen die CO2-Bilanz komplett", sagt Bilharz. Also: Urlaubsziele in der Nähe suchen - Deutschland ist vielfältiger, als der Dauer-Globetrotter gemeinhin denkt." Die Familie darf von mir aus gerne hinfahren, wohin sie möchte aber wenn man anderen Vorträge hält wie sie sich verhalten sollen, sollte man sich auch selbst dran halten. "Wasser predigen und (reichlich) Wein trinken" fällt einem da ein....
Trolf77 07.03.2019
4.
Schaut ja ganz nett aus, aber ist es wirklich gerechtfertigt, deswegen um die halbe Welt zu jetten ? Gerade bei solchen Beiträgen wünsche ich mir etwas mehr Reflexion zum Thema CO2 und Umwelt.
Schaut ja ganz nett aus, aber ist es wirklich gerechtfertigt, deswegen um die halbe Welt zu jetten ? Gerade bei solchen Beiträgen wünsche ich mir etwas mehr Reflexion zum Thema CO2 und Umwelt.
phoenix68 07.03.2019
5. Miesepeter
Ist schon richtig, Tasmanien dürfte so ziemlich so weit weg sein, wie's nur geht - übrigens auch anders rum. Trotzdem fliege ich hin und wieder nach Europa, um die kulturellen Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten zu sehen. [...]
Ist schon richtig, Tasmanien dürfte so ziemlich so weit weg sein, wie's nur geht - übrigens auch anders rum. Trotzdem fliege ich hin und wieder nach Europa, um die kulturellen Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten zu sehen. Tasmanien (übrigens das südlichste Bundesland, nicht südlich von Australien) ist einzigartig, durchaus eine Reise wert. Ein Leben reicht nicht aus, die Inseln zu erkunden.
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