Reise

Pilgerberg Kailash in Tibet

Betreten verboten

Einmal im Leben soll jeder tibetische Buddhist und Hindu den Berg Kailash umrunden - und sogar 108 Mal, wenn er zur Erleuchtung gelangen will. Den Gipfel selbst hat bis heute niemand erklommen.

Olivier Föllmi/ Knesebeck Verlag
Von
Mittwoch, 27.03.2019   10:09 Uhr

Schon seit seiner Jugend träumte Fotograf Olivier Föllmi davon, um den Kailash im Transhimalaja zu wandern - 40 Jahre lang dauerte es, bis er sich seinen Wunsch erfüllen konnte. Gemeinsam mit dem Informatiker Jean-Marie Hullot hat er sich im Herbst 2016 nach Tibet begeben. Entstanden ist daraus der Bildband "Kailash. Eine Pilgerreise in das Herz der weißen Wolken".

Im Regierungsbezirk Ngari, im Westen des Landes, ragt der Berg bis auf 6638 Meter empor, seine außergewöhnlich symmetrische Spitze ist das ganze Jahr über mit Schnee bedeckt. Hier entspringen vier Flüsse: Indus, Yarlung Tsangpo, Sutlej und Karnali, die alle maßgeblich zur Wasserversorgung des indischen Subkontinents beitragen.

Fotostrecke

Berg der Erleuchtung: Kailash im Transhimalaja

Den Kailash zu umrunden, gilt als eine der wichtigsten Pilgerreisen im Leben tibetischer Buddhisten, Hindus, Jainisten und Anhänger des Bön. Sie alle hoffen, dass ihre Sünden dadurch vergeben werden. Zwölf Umkreisungen des Kailash sollen auch von den Verfehlungen aus früheren Leben befreien. Um wirklich zur Erleuchtung zu gelangen, müssen die Pilger die 53 Kilometer lange Strecke jedoch 108 Mal abgehen.

Für die Gläubigen ist der Berg heilig, er darf nicht bestiegen werden - und ist es bis heute wohl nicht. Der Yogi Milarepa soll zwar auf einem Sonnenstrahl den Gipfel erreicht haben, berührt habe er ihn dabei allerdings nicht. Die chinesischen Behörden haben das Bergsteigen verboten, um den heiligen Charakter des Berges zu bewahren. Nur Reinhold Messner wurde 1985 gewährt, ihn zu besteigen - er lehnte jedoch ab.

Preisabfragezeitpunkt:
09.09.2019, 13:40 Uhr
Ohne Gewähr

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Olivier Föllmi, Jean-Marie Hullot
Kailash: Eine Pilgerreise ins Herz der weißen Wolken (Tibet, Buddhismus, Spiritualität, Pilgerweg)

Verlag:
Knesebeck
Seiten:
260
Preis:
EUR 40,00

Wie lange man für die Kora, die spirituelle Umrundung, braucht, ist jedem selbst überlassen. Die meisten nehmen sich ein paar Tage Zeit und beten zwischendurch an den heiligsten Stätten. Manche Pilger werfen sich jedoch auch alle paar Meter hin, berühren mit der Stirn den Boden - und brauchen dadurch ein paar Wochen für den ganzen Weg, schreibt Föllmi in seinem Bildband.

Die Umrundung verläuft in Höhen von 4600 bis knapp 5700 Metern - den höchsten Punkt bildet der Pass Dolma La. Jährlich umkreisen Tausende Menschen den Berg, jedoch weniger als an anderen Pilgerorten - was vor allem an den extremen Bedingungen liegt. Laut Autor Hullot sterben jedes Jahr Menschen - vor Kälte, Erschöpfung oder wegen der Höhenkrankheit. Auch Geröllfelder, steile Anstiege, vereiste Stellen, tiefe Schluchten oder Wetterstürze stellen Gefahren dar.

Föllmis und Hullots Bildband zeigt jedoch nicht die Herausforderungen der Reise, sondern die Schönheit der weiten Landschaft. Außerdem immer wieder den schneebedeckten Gipfel, grasende Yaks, Mönche und andere Gläubige. Die beiden besuchten auch Orte wie Lhasa, Gyantse, Shigatse und das Sakya-Kloster und übernachteten am Manasarovar-See, einem der höchstgelegenen Seen, der gleichzeitig als einer der heiligsten für tibetische Buddhisten und Hindus gilt.

Föllmi berichtet auch von den zunehmenden Touristenströmen, die die Region erreichen, unter anderem wegen der Eröffnung des Flughafens Ngari-Günsa am Oberlauf des Indus im Jahr 2010. Für den Fotografen war die Reise trotzdem ein spirituelles Erlebnis.

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