Reise

Hotel am Ende der Welt

Pop-up am Nordpol

Wo sonst Forscher auf Drifteis zelten, will ein finnischer Veranstalter ein Glamping-Camp errichten. Vom Bett im gläsernen Iglu aus sollen seine Gäste ins Polarlicht blinzeln. Ein Bild davon hat er schon.

Luxury Action
Von
Donnerstag, 19.09.2019   17:07 Uhr

Am Nordpol befindet sich Eis. Viel Eis. Und weit und breit kein Hotel, das Neugierige beherbergt. Wer an diesem Ende der Welt Urlaub machen will, bucht normalerweise ein Kreuzfahrtschiff mit höchster Eisklasse. Und dann gibt es noch die Wissenschaftler und Abenteurer, die sich im russischen Forschungslager Barneo auf Drifteis einquartieren. Ein finnischer Veranstalter plant nun, ein Glamping-Camp unter Polarlicht zu errichten.

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Glamping-Camp: Eine Nacht am Pol

Im April 2020 will Luxury Adventures zehn "beheizbare Glas-Iglus an den sichersten Orten rund um den arktischen Gletscher" aufbauen, wie CEO Janne Honkanen mitteilt. North Pole Igloos Hotel soll nur einen Monat lang geöffnet haben, da nur dann die Anreise möglich sei. Das Konzept sei "beweglich, nachhaltig, aber immer noch ein bisschen extrem", beschreibt Honkanen seine Idee.

Ihre Probe hätten die gläsernen Zelte mit Toilette bei arktischen Wetterbedingungen schon bestanden - im Winter können die Temperaturen bis auf minus 45 Grad fallen. Mit dabei in der Einsamkeit: andere Gäste, ein Camp-Manager, ein Naturführer, ein Koch und Sicherheitspersonal.

Seitdem Honkanen ein Fünf-Sterne-Hotel bei Rovaniemi im Norden Finnlands eröffnet habe, würden seine Gäste immer mehr über den Zustand der Arktis wissen wollen, begründet der CEO seinen Plan. Er wolle den Kunden ein Nordpolerlebnis auf eine sichere Art ermöglichen.

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Wer in seinem Pop-up-Pol-Hotel übernachtet, könne als Botschafter aus erster Hand über die Folgen des Klimawandels berichten. Das Camp würde die arktische Umwelt nicht schädigen, sagt Honkanen zu CNN. "Alles, was wir dorthin transportieren, bringen wir wieder zurück." Am Ende des Monats würden die Konstruktionen zusammengepackt und wieder nach Spitzbergen gebracht. Den Rest des Jahres dienen sie als Glamping-Unterkünfte in Lappland, Finnland und Spitzbergen.

100.000 Euro für eine Nacht

Das Projekt, über das viele Medien weltweit berichten, ist sehr ehrgeizig. Auf Fragen dazu hat der Veranstalter Janni Honkanen nicht geantwortet. Schon das Barneo-Team kann das Forschungslager etwa 50 bis 100 Kilometer entfernt vom Nordpol nur mit hohem Aufwand errichten.

Dort sind für den Bau einer Landebahn etwa Planierraupen nötig, die nach Abbruch des Lagers gesäubert und dem Meer übergeben werden. Auch sind die Eisschollen manchmal fragil, große Risse können entstehen. Das Barneo-Camp hat zudem den Hauptzweck, zum Beispiel mittels Eisbohrungen Versuche durchzuführen.

Am Freitag machen sich auch weitere internationale Wissenschaftler auf gen Nordpol: Das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" bricht von Tromsö aus zur größten Arktisexpedition aller Zeiten auf. Im Packeis nördlich von Zentralsibirien wird es an einer Eisscholle festmachen, sich im Winter einfrieren lassen und bis zum kommenden Sommer über den Pol mitdriften. Auf der Scholle wird eine riesige Forschungsstation entstehen. Etwa 600 Wissenschaftler aus aller Welt sind beteiligt und versuchen dort, die Auswirkungen der Erderwärmung besser zu verstehen.

Was für jegliche Art der Polerkundung gilt - ob Süd- oder Nordpol: Schon die Anreise ist extrem. Die Gäste des North Pole Igloos Hotels würden zwar schneller zum Pol gelangen als die Forscher auf der "Polarstern". Aber sie müssten für ihren Kurztrip ins Eis zunächst das Flugzeug nach Spitzbergen nutzen. Dort steigen sie nach Angaben des Veranstalters in Hubschrauber, zwei Stunden ginge es für sie über die Arktis zu einem ersten Camp und dann weiter zu den Glamping-Iglus. Aufwendig ist auch der Preis der Reise: etwa 100.000 Euro für eine Nacht am Pol.

Meist sogar per Bahn erreichbar - und deutlich günstiger - sind dagegen Übernachtungen in den alljährlich entstehenden Iglus aus Schnee und Eis. Die werden von Schweden bis zur Schweiz gebaut - und bieten je nach Lage eine Blick in den Sternenhimmel über dem Matterhorn oder in das Polarlicht von Jukkasjärvi.

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